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Fossilienfeld Löhnberg – Reise in die Vergangenheit

Fossilienfeld Löhnberg

Das Fossilienfeld „Hinter der Mahrheck“ bei Löhnberg ist für mich mehr als nur ein interessanter Ort auf der Landkarte. Während meiner Zeit in Löhnberg hatte ich die Gelegenheit, die Fundstelle selbst kennenzulernen und dort nach den Spuren einer fast 400 Millionen Jahre alten Vergangenheit zu suchen. Einige Fossilien konnte ich dabei selbst finden. Heute, da das Fossilienfeld für Besucher erlebbar werden soll, ist das für mich ein schöner Anlass, auf diesen besonderen Ort zurückzublicken.

Zwischen Niedershausen und Obershausen liegt ein Ort, an dem die Erdgeschichte sichtbar wird. Im Fossilienfeld „Hinter der Mahrheck“ geben Gesteine und Fossilien einen außergewöhnlichen Einblick in eine Zeit, als Löhnberg noch am Rand eines devonischen Meeres lag. Wer heute durch die Landschaft rund um Löhnberg wandert, bewegt sich auf einem Untergrund, der Geschichte erzählt. Rund 393 Millionen Jahre ist der Leun-Schiefer alt, der bei Löhnberg aufgeschlossen ist. Er ist Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Im Devon sah die Region vollkommen anders aus. Das Gebiet lag im Devon unter Wasser, war Teil eines Meeresarmes und befand sich in der Nähe des Äquators. Erst die gewaltigen Bewegungen der Erdplatten brachten die vollmarinen Sedimente im Laufe von Jahrmillionen an ihren heutigen Platz.

Ein besonders spannendes Kapitel dieser Erdgeschichte begann 2014. Damals wurde zwischen Niedershausen und Obershausen in der Flur „Auf der Mahrheck“ oder manchmal auch „Hinter der Mahrheck“ durch Zufall eine außergewöhnliche Fossillagerstätte durch den Geologen Dr. Jens Schneider entdeckt. Die Gemeinde ließ daraufhin im Sommer 2014 einen etwa 2.000 Quadratmeter großen Schurf anlegen. Auf einer Länge von rund zwölf Metern konnte dort der etwa 393 Millionen Jahre alte Leun-Schiefer untersucht werden. Heute handelt es sich um ein paläontologisches Bodendenkmal.

Fossilienfeld Löhnberg

Fossilienfeld Löhnberg – Ein Schatz aus dem Devon

Schon bald zeigte sich, dass hier etwas Besonderes verborgen lag. Vor allem die zahlreichen Trilobiten machten die Fundstelle wissenschaftlich interessant. Trilobiten waren ausgestorbene Gliederfüßer, die über viele Millionen Jahre zu den charakteristischen Bewohnern der Meere gehörten. Im Fosslienfeld Löhnberg wurden zahlreiche verschiedene Formen entdeckt. Bislang konnten mehr als ein Dutzend Trilobiten-Gattungen dokumentiert werden, darunter auch Arten, die zuvor noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden waren. Für die Paläontologie sind solche Funde weit mehr als schöne Fossilien. Anhand der Arten lässt sich beispielsweise untersuchen, welche Lebewesen in bestimmten Zeitabschnitten vorkamen und wie sich ihre Verbreitung über verschiedene Regionen entwickelte. Die Löhnberger Funde können helfen, die Lebensräume und die geografische Situation des Devons besser zu verstehen. Das macht die Fundstelle zu einem echten paläontologischen Schatz vor unserer Haustür.

Neben der hohen Dichte an Trilobiten gab es weitere ungewöhnliche Funde wie der einzige, vollständige Fossilienfund eines Nautilus subtuberculatus (heutige Perlboote) außerhalb von Tschechien. Es ist ein ungewöhnliches Exemplar mit einem Gehäuse, welches mit Stacheln besetzt ist. Auch Cephalopoden, sogenanne „Kopffüßler“, sowie Mollusken und Korallen wurden in dem Gestein gefunden.

Fossilienfeld Löhnbgerg

Wenn ein Trilobit den Namen Löhnberg trägt

Wie außergewöhnlich die Funde sind, zeigt sich auch bei den wissenschaftlichen Namen. Eine der neu beschriebenen Arten trägt den Namen Kettneraspis loehnbergensis. Löhnberg ist damit unmittelbar in die wissenschaftliche Erforschung der devonischen Trilobitenfauna eingegangen. Insgesamt listet die 2023 erschienene wissenschaftliche Publikation von Martin Basse und Peter Müller mehrere neu beschriebene Arten aus den Löhnberger Funden auf. Die Publikation trägt den Titel „Trilobiten aus dem Leun-Schiefer und Leun-Kalk von Löhnberg und Leun in der zentralen Lahn-Mulde in Hessen“. Sie erschien als Band 37 der Beihefte des Mainzer Naturwissenschaftlichen Archivs und umfasst 211 Seiten. Die wissenschaftliche Arbeit zeigt, dass die Grabungen weit mehr hervorgebracht haben als einzelne spektakuläre Fossilien. Die Fundstelle liefert ein außergewöhnlich detailliertes Bild einer devonischen Tierwelt.

Fossilienfeld Löhnberg - Publikation

Ein Teil dieser Geschichte ist heute im Löhnberger Wassermuseum zu sehen. Dort werden Funde aus der Fossillagerstätte präsentiert. An der Fassade des Museums befindet sich außerdem eine vergrößerte Darstellung von Kettneraspis loehnbergensis.

Ein Fenster in eine längst vergangene Welt

Die Fundstelle „Hinter der Mahrheck“ ist deshalb nicht einfach ein Steinbruch oder eine Stelle, an der man interessante Steine finden kann. Sie ist ein paläontologisches Bodendenkmal. Wer sich dort aufhält, steht gewissermaßen auf einem ehemaligen Meeresboden. Wo heute Felder, Wege und Wälder die Landschaft prägen, lebten vor fast 400 Millionen Jahren Trilobiten und andere Meerestiere. Neben den Trilobiten wurden auch weitere Fossilien aus der devonischen Meereswelt gefunden. Dazu zählen unter anderem Korallen, Tintenfische und Vorläufer heutiger Muscheln. Besonders faszinierend ist dabei der Gedanke, dass diese Spuren über Hunderte Millionen Jahre erhalten geblieben sind und schließlich ausgerechnet hier bei Löhnberg wieder ans Tageslicht kamen.

Koralle im Gestein

Jetzt wird das Fossilienfeld Löhnberg erlebbar

Für die Region ist die Wiederöffnung beziehungsweise Freigabe der Fundstelle eine schöne Nachricht. Das Fossilienfeld kann künftig nicht nur als wissenschaftlich bedeutender Ort wahrgenommen werden, sondern auch als spannendes Ziel für alle, die sich für Natur, Erdgeschichte und die eigene Heimat interessieren. Löhnberg besitzt mit der Mahrheck etwas, das man nicht jeden Tag vor der eigenen Haustür findet: ein Fenster in eine Welt, die fast 400 Millionen Jahre zurückliegt. Wer selbst einmal dort gestanden und einen Stein aufgeschlagen hat, versteht schnell, was die Faszination dieser Fundstelle ausmacht. Es ist ein besonderer Moment, wenn sich im unscheinbaren Schiefer plötzlich die Spur eines Lebewesens zeigt, das vor rund 393 Millionen Jahren in einem Meer lebte. Auch ich konnte dort eigene Fossilien finden: kleine Zeugnisse einer Zeit, die für uns kaum vorstellbar weit zurückliegt.

Die Trilobiten erzählen nicht nur die Geschichte ausgestorbener Meerestiere. Sie erzählen auch von der Bewegung der Kontinente, von längst vergangenen Meeren und von der geologischen Entwicklung unserer Region. Und vielleicht ist genau das der besondere Reiz dieses Ortes. Man muss nicht weit reisen, um Millionen Jahre Erdgeschichte zu entdecken. Sie liegt hier – zwischen Niedershausen und Obershausen – buchstäblich im Gestein. Wer künftig das Fossilienfeld besucht, sollte deshalb nicht nur nach einem besonderen Fossil Ausschau halten. Es lohnt sich, sich bewusst zu machen, dass man an diesem Ort auf Spuren einer Welt steht, die vor rund 393 Millionen Jahren völlig anders aussah.

Über die „Erlebnisregion Kallenbach e.V.“ unter der Forschungsleitung von Dr. Jens Schneider können Besucher das Fossilienfeld Löhnberg besuchen. Terminanfragen per Mail an info@erlebnisregionkallenbach.de

Mehr zur Erlebnisregion Kallenbach auch auf deren Instagram-Kanal.

 

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Hinweis

Weil es immer wieder vorkommt – für Anfragen zu Events, Veranstaltungen, Museen oder anderen Ausflugstipps wenden Sie sich bitte direkt an die Betreiber, Organisatoren oder Einrichtungen. Alle Kontakte habe ich am Ende der Texte verlinkt. Ich schreibe nur darüber, kann aber keine spezifischen Auskünfte geben.


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