Schloss Limburg – Felsenburg hoch über der Lahn

Für sein Schloss ist Limburg nicht bekannt. Vielmehr versteckt sich dieses hinter dem Dom und wer nicht weiß, dass es ein Schloss gibt, sucht auch erstmal nicht danach. Mit dem neu eröffneten Schlossgarten kann sich dies nun ändern, denn von dort gibt es einen wunderschönen Blick über das Lahntal.
Geht ihr rechts am Limburger Dom vorbei, lauft ihr genau auf den Toreingang des Limburger Schlosses zu. In dem Schloss befindet sich die Limburger Dommusik, das Stadtarchiv und eine historische Schlosskapelle, welche vom Förderverein Limburger Schloss gepflegt und erhalten wird. Vor dem Torbogen rechts den Berg runter gelangt ihr zum neu eröffneten Schlossgarten.
Schlossgarten und Schlosswingert
Schon lange bestand der Wunsch, einen Schlossgarten für die Öffentlichkeit zu errichten. Der Hang rund um das Schloss fristete lange ein unbeachtetes Leben, bis der gesamte Hang 2018 gerodet wurde. Es entstanden die ersten Ideen für eine Bewirtschaftung und einer Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit. Ab dem Frühjahr 2022 fanden die Arbeiten zu einer Terrassierung des Hanges statt. Der Verein Schlosswingert e.V. bewirtschaftet den Bürgerweinberg und inzwischen gibt es den ersten Wein. Zur Eröffnung des Schlossgartens fand ebenfalls eine Besichtigung des Bürgerweinberg statt. Im regulären Betrieb ist er jedoch nicht öffentlich zugänglich.
Der Schlossgarten schlängelt sich um die Burg, auf einem breiten Weg kann er gut begangen werden. Hoch über dem Hang laden Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein. Von hier eröffnet sich nicht nur ein großartiger Blick über das Lahntal, auch das Schloss selbst lässt sich aus einer völlig neuen Perspektive betrachten.

Weinbau an der Lahn ist nicht ungewöhnlich, sondern kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Daher war niemand aus dem Verein überrascht, dass der erste Jahrgang bereits so gut gelungen ist. Es gibt Nachweise, dass bereits um 710 Weinbau an der Lahn stattgefunden hat. Aus dem Jahr 1298 stammen urkundliche Hinweise, dass Weinbau in Limburg betrieben wurde. Der Hang am Schloss wird den ganzen Tag von der Sonne geküsst und bietet sich daher optimal für den Weinanbau an. Es gibt zudem Dokumente, welche von einem Weingarten „am heiligen Berg“ berichten, weshalb angenommen werden kann, dass dieser Hang schon früher dafür genutzt wurde.

Geschichtliche Ursprünge des Schloss Limburg
Wann genau das Schloss erbaut wurde, ist unbekannt. Die Ursprünge sind vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert als zentrale, fränkische Fluchtburg zu finden. Es handelt sich um eine Felsenburg aus dem Mittelalter. Siedlungsspuren auf dem Domberg reichen bis in die Eisenzeit zurück und weisen auf eine keltische Besiedlung hin. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich eine Gaugrafenburg als Herrschaftsmittelpunkt an der Lahnfurt der „Hohen Straße“ zwischen Köln und Frankfurt. Innerhalb des Burgbereichs, der vom steil abfallenden Felsen bis zur heutigen Domstraße reicht, entsteht im Ostteil der Anlage eine Herrenburg. 910 gründet Graf Konrad, genannt Kurzbold, das Stift mit Stiftskirche, Vorgängerbau des Doms. Die Burg wird um 1000 bis 1100 weiter ausgebaut. Damit beginnt auch die Entwicklung der Stadt Limburg zu einer aufstrebenden Handelsstadt.

Ein historischer Blick auf das Schloss Limburg vom Greifenberg aus
Ausbau zur Residenz
Um 1200 werden Stadtmauern errichtet. Um 1220 erhalten die Isenburger Grafen die Lehnsherrschaft über Burg, Stift und Stadt. Sie bauen die Burg zu ihrer Residenz aus. Sie erhält einen Wohnturm und eine Kapelle. Um 1250 wird Imagina von Isenburg auf der Burg geboren, die spätere Frau des deutschen Königs Adolf von Nassau. 1379 folgt der Bau des Saalbaus. Der Ausbau zu einer Verteidigungsfestung scheitert am Widerstand der Limburger Bürger. 1407 starben die Isenburger als Herren von Limburg aus. Bis 1803 diente das Schloss dem Kurfürstentum Trier als Verwaltungssitz für seine östlichen Gebietsteile. In dieser Zeit gab es zahlreiche Umbauten. Die Kapelle wurde 1534 überbaut. 1612 folgte der Renaissance-Fachwerkbau und 1720 der abseitige Barockbau als Wohnung für den trierischen Amtmann.

Mit der Säkularisation wurde das Stift im Jahr 1803 nach fast 900 Jahren aufgelöst. Das Schloss und die Stadt waren bereits im Jahr zuvor in den Besitz von Nassau-Weilburg, dem später das Herzogtum Nassau folgt, übergegangen. Mit der erzwungenen Eingliederung Nassaus in das Königreich Preußen kommt das Schloss 1866 in preußischen Besitz. Von 1883 an bis zum Jahr 1963 werden die Räume des Schlosses für eine Gewerbe-/Berufsschule und eine Fortbildungsschule für Mädchen genutzt. In der Zeit von 1905 bis 1976 ist das Diözesanmuseum im Turm und angrenzenden Räumen.
Abriss des Schloss Limburg?
1929 standen die Zeichen kurz davor, dass es das Schloss nicht mehr geben wird. Nachdem das Schloss am 28. Februar 1929 einem Feuer zum Opfer fiel und vom Saalbau am Ende nichts mehr übrig blieb außer Schutt und Asche, stand die Frage im Raum, wie weiter damit verfahren. Von Abriss war sogar die Rede. Doch die Entscheidung fiel dann zugunsten eines Wiederaufbaus, welcher bis 1935 andauerte.
Die verschiedenen Epochen mit ihren An- und Umbauten ergeben das heutige Bild des Schlosses. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der NS-Herrschaft übernimmt das Land Hessen das Schloss. Das Land bleibt Eigentümer bis zum Jahr 2000 und verkauft es dann für den symbolischen Preis von einer Mark pro Quadratmeter Grundfläche an die Stadt. Für insgesamt 3822 Mark übernahm die Stadt Limburg das Schloss. Das Land nutzte die Immobilie von 1974 an als Regionalstelle Limburg des Landesinstituts für Pädagogik.

Das Schloss war schon immer Teil der Stadtgeschichte und viele Gruppierungen fanden hier für ihre Aktivitäten einen Raum. Der erste Jugendclub „Black Out“ hat dort sein Domizil (1967 bis 1973), die Spielschar des Gymnasiums gibt dort Theatervorführungen, die Mährisch-Neustädter Heimatstube findet im Schloss eine Bleibe, ebenso die italienische und die portugiesische Gemeinde. Auch die Verbindung zwischen Schloss und Dommusik kann schon auf ein halbes Jahrhundert zurückblicken. 1970 beginnt der Domchor seine Proben im Schloss (Saalbau) abzuhalten, später kommen noch die Domsingknaben und die Mädchenkantorei hinzu. Inzwischen hat die gesamte Limburger Dommusik ihr Domizil im Schloss. Das Limburger Stadtarchiv befindet sich seit 1977 im Schloss.
Schlosskapelle mit wertvollen Fresken
Ab und an gibt es die Gelegenheit, die Schlosskapelle zu besichtigen. Diese ist der älteste sakrale Bau in Limburg. Zuerst stand diese für sich alleine, wurde aber später mit Räumlichkeiten bei einer Erweiterung überbaut. Noch heute sind Fresken aus dem 13. Jahrhundert in der Kapelle zu bestaunen. Auf der linken Seite befindet sich ein vier Meter hoher Christopherus mit Jesuskind im Arm. Der Unterteil ist nicht mehr vollständig zu erkennen. Christopherus verlor seinen Unterleib bei einem Durchbruch zum Wohnturm.
Neben dem Fenster befindet sich links Apostel Petrus mit Schlüssel in der Hand und rechts Apostel Paulus mit Buch in der Hand. In der Wand befindet sich ein Wasserbecken. Auch ist in die Wand ein Schrank eingearbeitet, wohl zur Aufbewahrung der Utensilien für das Abendmahl. Zahlreiche Farbspuren deuten darauf hin, dass wohl die gesamte Kapelle ausgemalt war. Die Decke ist aus Stroh und Lehm, was noch sehr gut zu erkennen ist. Um die Kapelle noch erlebbarer zu machen, hat der Förderverein Limburger Schloss nun eine detailgetreue Replik des historischen Altaraufsatzes anfertigen lassen. Dies ist ein sichtbares Zeichen für das unermüdliche Engagement des Vereins, die Geschichte der Limburger Burg zu bewahren und für kommende Generationen erlebbar zu machen.
Der ursprüngliche dreiflügelige Altaraufsatz entstand im Jahr 1585. Er wurde für den Peteraltar der Schlosskapelle gestiftet. Er zählt zu den bedeutenden kunsthistorischen Zeugnissen der Anlage. Heute befindet er sich in der Pfarrkirche von Bobenheim-Roxheim bei Worms. Seine Bildtafeln zeigen unter anderem den heiligen Petrus als Patron der Kapelle, den heiligen Lubentius sowie eine eindrucksvolle Kreuzigungsdarstellung. Im Laufe der Geschichte verschwand das Werk jedoch aus seinem ursprünglichen Kontext und hinterließ in der Schlosskapelle eine spürbare Lücke. Zu verschiedenen Gelegenheiten wie dem Tag des offenen Denkmals haben die Besucher die Gelegenheit, die Schlosskapelle zu besuchen.

Wenn ihr oben auf dem Domberg seid, kann ich euch ebenfalls einen Besuch des Limburger Doms sowie des Diözesanmuseums empfehlen.
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Hinweis
Weil es immer wieder vorkommt – für Anfragen zu Events, Veranstaltungen, Museen oder anderen Ausflugstipps wenden Sie sich bitte direkt an die Betreiber, Organisatoren oder Einrichtungen. Alle Kontakte habe ich am Ende der Texte verlinkt. Ich schreibe nur darüber, kann aber keine spezifischen Auskünfte geben.





