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Erinnerungsort Weilmünster – Ein Ort gegen das Vergessen

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Weilmünster verbindet man heute vor allem mit dem idyllischen Weiltal und der Natur des Taunus. Doch mitten in diesem Ort befindet sich mit dem Lern- und Erinnerungsort Weilmünster nun ein Platz, der an ein besonders dunkles Kapitel der regionalen Geschichte erinnert. 

In der damaligen Landesheilanstalt Weilmünster wurden während der Zeit des Nationalsozialismus tausende psychisch kranke und behinderte Menschen entrechtet, vernachlässigt und ermordet. Andere wurden von hier aus in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert und dort getötet. Weilmünster war damit ein zentraler Tatort der nationalsozialistischen Krankenmorde in Hessen.

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Heute erinnert der Lern- und Erinnerungsort Weilmünster an die Menschen, die hier Opfer dieser Verbrechen wurden. In der historischen Klinikkapelle ist eine Dauerausstellung entstanden, die die Geschichte der damaligen Anstalt und die Schicksale der Opfer sichtbar macht. Träger des Projekts ist der Verein „Weilburg erinnert e. V.“, der gemeinsam mit der Vitos Weil-Lahn gGmbH und der Gedenkstätte Hadamar den Lern- und Erinnerungsort aufgebaut hat.

„Unser Anliegen ist es, den Opfern ihre Namen und Gesichter zurückzugeben, ihre Geschichten zu erzählen und das geplante Vergessen der Täter zu durchkreuzen.“

Ich habe den Erinnerungsort besucht und möchte euch mitnehmen an einen Ort, der nicht leicht ist, den ich aber für wichtig halte. Denn auch die Geschichte von Limburg-Weilburg besteht aus Kapiteln, die wehtun und die dennoch nicht vergessen werden dürfen.

Geschichte der Landesheilanstalt Weilmünster

Der Lern- und Erinnerungsort Weilmünster ergänzt dabei die Gedenkstätte Hadamar, über die ich bereits berichtet habe. Während Hadamar heute vor allem als Ort der nationalsozialistischen Krankenmorde mit der dortigen Tötungsanstalt bekannt ist, richtet sich der Blick in Weilmünster auf die Geschichte der damaligen Landesheilanstalt und die Menschen, die dort lebten, behandelt werden sollten und zu Opfern der NS-Verbrechen wurden. Und der Erinnerungsort verharrt dabei nicht nur in der Vergangenheit. Die Ausstellung wirft einen Blick darauf, wie es nach der NS-Zeit mit der Heilanstalt an sich, aber auch dem Thema Inklusion kranker Menschen in die Gesellschaft weiterging. Sie gibt Einblicke in die Aufarbeitung der Geschichte vor Ort und sie zeigt mit aktuellen Zitaten auf, wie wichtig solche Orte sind, damit „Nie wieder“ keine leere Floskel bleibt.

Seit 2020 hat der Verein „Weilburg erinnert“ an dieser Ausstellung gearbeitet, hat Gespräche geführt, Geschichte aufgearbeitet und den Lern- und Erinnerungsort Weilmünster gestaltet. Am 26. September 2026 wurde die Dauerausstellung in der alten Kapelle auf dem Klinikgelände eröffnet. Die Kapelle hat einen sehr hohen Innenraum. Sie ist allein bereit sehr imposant durch ihre Architektur, ihre großen, runden, bunten Fenster. Es war eine Herausforderung für den Verein, diesen Raum zu gestalten, so dass Raum und Kapelle für sich wirken können und sich nicht gegenseitig erdrücken, wie der Vereinsvorsitzende Markus Huth erzählt.

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Blick in den Erinnerungsort Weilmünster

Schmale Holztürme bilden das Grundgerüst der einzelnen Stationen. An ihnen sind Plakate, Zitate, geschichtliche Dokumente und Bilder befestigt. An jeder Station hängen große gelbe Sprechblasen herunter. Auf ihnen steht „Was denkst Du?“ und dazu auf der Rückseite verschiedene Fragen. Sie unterbrechen die reine Wissensvermittlung und fordern dazu auf, sich selbst mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen.

Die Dauerausstellung möchte Geschichte sichtbar und erfahrbar machen. Einmal im Monat öffnet die Ausstellung in der historischen Klinikkapelle ihre Türen. Daneben soll es pädagogisch begleitete Rundgänge und Workshops geben, in denen sich mit den Verbrechen auseinandergesetzt wird, die hier verübt wurden. Gleichzeitig regen die Fragen dazu an, was die Geschichte für unser heutiges Verständnis von Menschenwürde, Teilhabe und Verantwortung bedeutet.

Fragen "Was denkst Du?"

Gedenkfriedhof

Wenn ihr die Kapelle verlasst und euch links haltet, dann gelangt ihr zum Gedenkfriedhof für die Opfer der NS-Euthanasie. Seit 1897 gehört er mit zur Klinik Weilmünster. Bis 1996 fanden Bestattungen statt. Neben den Opfern der NS-Zeit fanden auch viele Mitarbeiter der Anstalt ihre letzte Ruhestätte dort. Ebenfalls integriert ist ein jüdischer Friedhof dort. Dort finden sich Grabstätten von 65 bis 68 Menschen jüdischer Abstammung aus der Zeit zwischen 1900 und 1946. Im Jahr 2003 wurde der Friedhof als Gedenkstätte gestaltet. Zahlreiche Tafeln nennen die Namen der NS-Opfer, wenige Lebensgeschichten sind überliefert und sind dort zu lesen.

Gedenkfriedhof Weilmünster

Informationen zum Erinnerungsort Weilmünster

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster
auf dem Klinikgelände
Gebäude Kapelle
Weilstraße 10
35789 Weilmünster

Am Wellersberg unterhalb der Klinik befindet sich ein Parkplatz.

Die Ausstellung ist für Individualbesucher nur am ersten Samstag im Monat geöffnet. Für Gruppen sind nach vorheriger Anmeldung auch andere Termine möglich
Jeden ersten Samstag im Monat von 14 – 18 Uhr
Eintritt frei, der Verein freut sich über Spenden.

Gruppen mit mehr als 5 Personen bitte vorher anmelden: info@weilburg-erinnert.de

Homepage

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Am Klinikgelände entlang führt der Weiltalradweg. Dann plant doch gerne bei eurer nächsten Radtour ein Besuch des Erinnerungsortes mit ein.

 

 

 

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Hinweis

Weil es immer wieder vorkommt – für Anfragen zu Events, Veranstaltungen, Museen oder anderen Ausflugstipps wenden Sie sich bitte direkt an die Betreiber, Organisatoren oder Einrichtungen. Alle Kontakte habe ich am Ende der Texte verlinkt. Ich schreibe nur darüber, kann aber keine spezifischen Auskünfte geben.


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