Zum Hauptinhalt springen

Monat: November 2020

Krippenweg Bad Camberg

Krippenweg und weihnachtliches Bad Camberg

In diesem Jahr ist alles anders und aufgrund der Corona-Pandemie finden in der Region keine Weihnachtsmärkte statt. „Wir für Bad Camberg“ hat zusammen mit Pfarrer Helmut Gross einen Krippenweg gestaltet, um die Besucher dennoch in weihnachtliche Stimmung zu versetzen.

Bad Camberg Weihnachten Krippenweg

Ein Besuch in der Kurstadt Bad Camberg lohnt sich jetzt in der Adventszeit. Krippen aus der ganzen Welt locken zu einem Schaufensterbummel durch die Altstadt. Zudem erscheint die Stadt in einem völlig neuem Flair mit all dem weihnachtlichen Schmuck.

Bad Camberg Weihnachten

In 30 Schaufenster stehen internationale Krippen des Krippenweges. Das Motiv ist immer das Gleiche. Josef und Maria knien an einer Krippe, in welcher das Jesusbaby liegt. Die Gestaltung dieser Szene ist jedoch sehr vielgestaltig. Die peruanische Krippe ist aus Ton oder Weidengeflecht, aus Afrika stammt eine Figurengruppe aus Ebenholz. Holz, Pappmaché oder Bronze bilden den Werkstoff für die internationalen Krippen. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, entdeckt in den Schaufenstern der Geschäfte aber auch Häusern ganz kleine bis hin zu größeren Krippen auf dem Krippenweg.

Krippenweg Bad Camberg

Seit vier Jahren sammelt der ehemalige evangelische Pfarrer Helmut Gross internationale Krippen. Normalerweise füllen seine inzwischen über 80 Krippen seine halbe Garage. 30 von ihnen rückt er nun zusammen mit „Wir für Bad Camberg“ ins Licht der Öffentlichkeit.

Krippenweg Bad Camberg

Krippenweg Bad Camberg

Weihnachtliches Bad Camberg

Doch nicht nur die Krippen selbst locken in die Stadt. An allen Ecken stehen kleine Tannenbäume, alle unterschiedlich geschmückt. Dazu die alten Fachwerkhäuser – die Kurstadt lässt sich in einem weihnachtlichen Flair entdecken.

Weihnachten Bad Camberg

Damit es einem beim Spaziergang durch die Gassen nicht zu kalt wird, lockt ein Kaffee to go vom Café am Platz. Der wärmt von außen die Hände und von innen den Bauch. Keine vorweihnachtliche Hektik und entschleunigt eine wunderschöne Altstadt entdecken.

Advent Bad Camberg

Adventszeit Bad Camberg

Adventszeit Bad Camberg

Wer ein wenig Weihnachtsstimmung tanken möchte, dem ist ein Besuch in der Kurstadt Bad Camberg sehr zu empfehlen. Ohne all die sonstigen Ablenkungen lässt sich die Stadt völlig neu entdecken. Wer die Stadt nicht kennt, erfährt an den verschiedenen Gebäuden auf Glastafeln etwas zur Geschichte der Gebäude und der Stadt. Und sie hat einiges zu erzählen.

Bad Camberg Weihnachten Krippenweg

Blasiuskapelle Blasiusberg Blasiussteig

Herbstliche Wanderung zur Blasiuskapelle

Jetzt im Herbst zeigt sich der Blasiussteig von seiner schönen Seite mit den gelben-roten Farben. Kommt dann noch die Sonne heraus, dann sollte sich jeder nach draußen locken lassen. Eine Besuch der Blasiuskapelle lohnt sich sehr. Insgesamt geht es auf 20,8 Kilometern um Dornburg herum auf den Blasiussteig. Es gibt vieles auf dem Weg zu entdecken.

Blasiussteig Blasiusberg Wanderweg

Diesmal führte uns der Weg vom Waldparkplatz oberhalb von Wilsenroth hoch zur Blasiuskapelle. Von dort gibt es einen wunderschönen Blick ins Tal. Am Nachmittag taucht zudem die Sonne die Kapelle in ein wunderschönes Licht. Wenn ihr von Frickhofen nach Wilsenroth fahrt, könnt ihr die Kapelle bereits oben auf einer Anhebung aus dem Wald heraus blitzen sehen. Der Blasiusberg, früher aus Clesberg, auf dem die Kapelle steht, ist ein Ausläufer des Basaltmassivs „Watzenhahn“. Die Bergkuppe steht unter Naturschutz.

Blasiussteig Blasiusberg Dornburg
Baumelbank zum Beine baumeln

Der Weg führt leicht nach oben, lässt sich jedoch gut gehen. Rund 20 Minuten braucht es vom Parkplatz hoch zur Kapelle. Am Rande stehen eine erhöhte Bank, wo die Beine mal richtig baumeln können, ein Waldklo mit Klopapier und Lesestoff und eine Ruhebank mit schönen Blick nach Frickhofen hin.

Blasiusberg Blasiussteig Dornburg
Ein Waldklo auf dem Blasiussteig

Kurz vor der Kapelle beginnt dann der Kreuzweg mit Stelen zum Innehalten. Oben angekommen öffnet sich eine große Lichtung, an deren Ende die Kapelle steht. Um die Kapelle herum eröffnet sich ein weiter Blick ins Limburger Becken bis hin zum Feldberg und weit über den Elbbachgrund.

Blasiusberg Blasiuskapelle Dornburg

Blasiussteig Blasiusberg Blasiuskapelle Dornburg

Lange Geschichte der Kapelle

Bereits ab 630 stand auf diesem Hügelsporn eine hölzerne Kapelle, welche dem Heiligen Michael geweiht war. Und bereits davor befand sich auf dem Berg wohl eine Kultstätte, dem Gott Wotan geweiht. Ausgrabungen wiesen auf Zeugnisse als Opferstätte in der Keltenzeit hin. Die Blasiuskapelle ist eine der ältesten Kirchen in der Region. Anfang des 10. Jahrhunderts wurde ein Kirchspiel mit der Michaelskapelle als Zentrum eingerichtet, der Friedhof befand sich auf dem Berg. Die steinerne Kirche entstand um 1150. Herren waren die Grafen von Nassau, die die Kirche später dem Deutschen Orden schenkten. Am 21. Juni 1657 wurde der Berg samt Kirche und allem was sich darauf befand für 105 Reichsmark an die Gemeinde Frickhofen verkauft.

Blasiuskapelle Blasiusberg Dornburg

Viele Jahre war die Kirche Pfarrkirche für die umliegenden Dörfer Dorchheim, Dorndorf, Frickhofen, Langendernbach, Mühlbach, Waldmannshausen und Wilsenroth, bis die Pfarrrechte 1746 an die neu errichtete, größere Martinskirche in Frickhofen übergingen. In der Folgezeit verwahrloste die Kirche und es stand sogar ihr Abriss im Raum. Johann Wilhelm Bausch, Pfarrer von Frickhofen und später Bischof von Limburg, konnte den Abbruch verhindern.

Blasiuskapelle Blasiusberg Dornburg

Heutige Bau nach Brand

1869 gab es aufgrund eines eingeschlagenen Blitzes einen Brand in der Kirche und infolgedessen wurde sie umgebaut, so wie sie heute ist. Es fand eine Verkürzung des Turmes statt sowie seine Umgestaltung zum Chorraum. Der Turm ist die einzige, größere erhaltene Bausubstanz aus dem Mittelalter. Das Mittelschiff wurde zudem verlängert und die Kirche erhielt zwei Seitenschiffe. Der Hochaltar in der Kirche stammt aus 1650. Im rechten Seitenschiff befindet sich ein beschädigtes, romanisches Taufbecken. Der barocke Marienaltar stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Figuren der Heiligen im Mittelschiff stammen aus den 50er Jahren.

Blasiuskapelle Blasiusberg Blasiussteig
Figuren in der Blasiuskapelle aus den 50er Jahren

Der Kreuzweg zur Kapelle besteht aus 14 Stationen. Dieser Weg wurden kurz vor 1900 errichtet. Gegenüber der Kapelle befindet sich auf der Lichtung ein Gefallenenmahnmal mit Außenaltar, welcher 1953 bis 1955 errichtet wurde.

Kreuzweg Blasiusberg Blasiuskapelle

Neben der offiziellen Geschichte ranken sich auch Legenden um diese alte Kirche. So soll es einen unterirdischen Tunnel zur Dornburg gegeben haben, durch welche die Raubritter von Ellar in die Burg eingedrungen sind.

Blasiusberg Blasiuskapelle Gedenkstätte

Von der Blasisuskapelle zum Hildegardisfelsen sind es ungefährt 2,5 Kilometer. Welche traurige Liebesgeschichte hinter dem Hildegardisfelsen steckt und was es auf dem Blasiussteig noch zu entdecken gibt, erfahrt ihr im Beitrag „Um Dornburg herum auf dem Blasiussteig“.

Blasiuskapelle Blasiussteig Pinterest

Seltersmuseum Niederselters

Selterswassermuseum – ein weltberühmtes Tröpfchen

Bereits Goethe zeigte sich begeistert vom Selterswasser und soll 1797 verlangt haben: „Schicke mir doch vier Krüge frisches Selterswasser“. Und bis heute kann jeder mit dem Begriff Selters etwas anfangen. Es ist zum Synonym geworden für kohlensäurehaltiges Wasser. Es wird im Restaurant kein Mineralwasser bestellt, sondern Selters.

Brunnentempel Selterswassermuseum Niederselters

Auch wenn aus dem Brunnen in Niederselters heute kein Wasser mehr verkauft wird, gibt es dort im Selterswassermuseum viel zur Geschichte zu erfahren. Gerne nehme ich euch auf einen kleinen geschichtlichen Ausflug mit.

Fast 500 Jahre Geschichte

Wer mit dem Zug nach Frankfurt fährt, hat in Niederselters einen wunderbaren Blick auf den restaurierten Brunnentempel, ein Bau aus 1907. Doch die Geschichte reicht noch viel weiter zurück. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1536 und somit kann auf eine fast 500-jährige Geschichte zurückgeblickt werden. Weitere Quellen aus dem Landkreis erhielten erst viel später Bedeutung. So existiert das Selters aus Löhnberg-Selters erst seit 1888, aber dafür bis heute sowie die Quelle aus Oberselters, wo der Brunnen 1872 erwähnt wurde. Insgesamt bietet Selters eine spannende, teilweise abenteuerliche Geschichte im Landkreis. Die Abfüllung von Selters in Niederselters endete 1999. Nur noch die Bewohner von Niederselters können sich dort ihren Haustrunk holen.

Selterswassermuseum Niederselters

Das Selterswasser ist international bekannt, der Name existiert in vielen Sprachen. Der Export fand nach Nord- und Südamerika statt, in ganz Europa bis hin nach Asien. Die Hochzeit war im 16. und 17. Jahrhundert, wo die Eigentümer das Wasser millionenfach in Steinkrügen aus dem Kannenbäckerland exportierten. Eine Zeit lang waren zwei konkurrierende Selters im Handel – das ursprüngliche, namensprägende Selters aus Niederselters, auch „Urselters“ genannt sowie das Selters aus Löhnberg.

Selterswassermuseum Niederselters

Die Eigentümer der Quelle haben über die Jahrhunderte gewechselt. 1678 befand sich die Quelle im Besitz des Kurfürstentum Trier. Dieses ließ um die Quelle eine Parkanlage errichten und errichtete eine Manufaktur rund um die Quelle. Ab 1720 ist eine militärische Brunnenwache nachgewiesen, da es immer wieder territoriale Auseinandersetzungen zwischen dem Kurfürstentum und dem Herzogtum Nassau bestand. Von 1789 bis 1792 wurde sogar zum Schutz der Quelle eine Kaserne im Ort errichtet. Dieses beherbergt heute das Rathaus der Gemeinde Selters (Taunus).

Rathaus Selters
Ehemalige Kaserne und heute Rathaus von Selters

Ab 1722 wird den Bürgern von Selters der Haustrunk rechtlich zugesichert, welcher bis heute gilt. Aufgrund von Corona ist dieser zwar derzeit ausgesetzt, aber sonst konnten sich die Einwohner drei Mal die Woche Wasser holen.

Wasserkrieg in der Region

Im benachbarten, damaligen nassauischen Oberselters brach 1784 eine Mineralquelle auf. Dies führte zum Rückgang der Wassermenge in Niederselters. Dies führte in den Folgejahren zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fürstentümern. 1794 ließ Nassau zunächst die Quelle anbohren und dann Kurtrier eine 800 Mann starke Militäreinheit mit zwei Kanonen vor Oberselters aufmarschieren und erzwang so das Zuschütten der Oberselterser Quelle. 1803 wurden beiden Orte nach Nassau-Weilburg eingegliedert und Oberselters öffnete seine Quelle wieder. Dies führte wiederum zu Auseinandersetzungen und einer erneuten Schließung der Quelle in Oberselters. Erst seit 1870 ist der Brunnen wieder geöffnet. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Orten ist auch als Wasserkrieg in der Region bekannt.

Selterswassermuseum Niederselters
Der Original-Brunnen innerhalb des Brunnentempels.

Viele Jahre betrieben die Eigentümer auch einen Kurbetrieb an der Quelle, weshalb sie auch immer viel Geld in die Gestaltung um die Quelle steckten. Anfang des 19. Jahrhunderts verlagerten die Besitzer jedoch die Kurgäste nach Bad Ems und konzentrierten sich rein auf die wirtschaftliche Seite des Betriebes. Zu dieser Zeit befand sich die Quelle im Besitz von Preußen.

Bis 1871 war der Brunnen der umsatzstärkste in Deutschland, verlor dann aber nach und nach seine Spitzenposition. Nach dem zweiten Weltkrieg ging die Quelle in den Besitz des Landes Hessen über. In den 70 Jahren kaufte ein Privatunternehmen den Brunnen und dieser gelangte schließlich in den Besitz der Brauerei Binding. Da diese bereits eine Quelle besaß, investierte sie nicht mehr in Niederselters und legte diese still. 2001 erwarb die Gemeinde Selters den Brunnen und mit Unterstützung von Bund und Land restaurierte sie die Anlage.

Selterwassermuseum Niederselters
Zapfanlagen für den Haustrunk

In dem Museum gibt es nicht nur einen Einblick in die Geschichte des Brunnens selbst, sondern ebenfalls einen Einblick in ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte. Es waren die „Brunnenmädchen“, die das Wasser abfüllten. Und auch wenn dieser Begriff eine Leichtigkeit suggeriert, handelte es sich doch um eine knochenharte Arbeit. Mit den wechselnden Besitzern wandelten sich ebenfalls die Prägungen auf den Steinkrügen, was im Museum sehr gut zu sehen ist. Zudem hat das Museum über 2000 Seltersflaschen, welche es im Handel gab und gibt.

Selterswassermuseum Niederselters
Alte Steinkrüge für den Transport des Selterswasser

Wenn die Besucher vor dem Brunnentempel stehen, sehen sie rechter Hand das ehemalige Magazin für die Steinkrüge. Zudem wollte die Gemeinde mit der Sanierung auch Leben in die Anlage bringen, so dass sie heute neben dem Museum und dem Raum für den Haustrunk auch eine Kinderkrippe sowie Räume für Festivitäten besitzt.

Wasser mit Heilwirkung

Doch neben der interessanten Geschichte könnte man sich fragen, was das Wasser so besonders war, dass selbst Goethe es danach verlangte?

Bereits 1581 bescheingte der Wormser Arzt Dr. Jakob Theodor Tabernae-montanus dem Wasser eine medizinische Wirkung. Prof. Dr. Remigius Fresenius nannte das Selterswasser den bekanntesten „Prototypen der wohlschmeckenden Säuerlinge“ und dieser Ruf erstreckte sich über die ganze Welt. Ein erfrischender Wohlgeschmack wird dem Wasser durch den natürliche Kohlensäuregehalt verliehen.

Es trug auch den Titel „König der Tafelwässer“. Die Fachwelt charakterisiert das Wasser als kalten, alkalisch-muriatischen Säuerling und er soll Wirkung bei Husten, Heiserkeit und Verschleimung zeigen. Auch soll es bei anderen Leiden eine gute Heilwirkung zeigen. Aus einer Wasseranalyse des Fresenius-Institutes aus 2009 geht hervor, dass das Wasser zahlreiche Mineralstoffe wie Sulfat, Natrium, Magnesium und Calcium sowie Spurenelemente wie Lithium, Zink und Fluorid enthält.

Selterswassermuseum Niederselters

Das Selterswassermuseum ist zudem Geopunkt im Geopark Westerwald-Lahn-Taunus, denn dort gibt es einen weiten historischen Bogen zu erleben. Die Entstehung des wohlschmeckenden Säuerlings aus geologischer Sicht wird beschrieben wie auch die wirtschaftliche Geschichte. Die Besucher erfahren, warum der Niederselterer Mineralbrunnen einst den Namen „berühmter Gesundbrunnen Deutschlands“ trug.

Selterswassermuseum Niederselters

Und so ende ich mit den Worten von Christian Wilhelm Hufeland, Arzt und königlicher Leibarzt: „Unter allen Mineralwassern ist wohl keines, was so allgemein auf dem ganzen Erdboden getrunken wird, als das Selterswasser.“ (1815)