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Monat: Juli 2023

Kirchenruine Pfannstiel – 500 Jahre vergessen

Manche Zeugnisse der Vergangenheit werden mit Leidenschaft und Engagement wieder erlebbar gemacht. Dies ist geschehen mit der Kirchenruine Pfannstiel – eine ehemalige Wallfahrtskirche am Lahn-Camino.

Den einen Jakobsweg gibt es nicht. Durch Europa zieht sich ein ganzes Netz an Jakobswegen. Im Landkreis lädt der Lahn-Camino zum Pilgern, wandern und abschalten ein. Auf dem Lahn-Camino bei Weilburg kommt ihr an der Kirchenruine Pfannstiel vorbei – früher berühmte Wallfahrtsstätte und inzwischen auch wieder ein beliebter Ort.

Wegweiser Wallfahrtsstätte Pfannstiel

500 Jahre vergessen

Das Johanniterhaus Pfannstiel existierte nur rund 100 Jahre und war dann rund 500 Jahre vergessen. Doch durch das Engagement von Ortwin „Mr. Pfannstiel“ Keiner, dem Geschichtsverein Weilburg sowie weiteren Experten wurde der Ort wieder aufgeweckt.

In der Nähe verläuft der Grundbach durch ein Wiesental, eine alte Römerstraße führte dort entlang. Die Flur wurde um 1364 das erste Mal urkundlich erwähnt. 100 Jahre später entstand die Pilgerstätte dort. In einem Baum befand sich ein Standbild der Jungfrau Maria und dieses soll Wunder gewirkt haben, weshalb um 1461 angefangen wurde, an dem Standort eine Kirche „Unser lieben Frau“ zu errichten, das Johanniterhaus Pfannstiel. Neben einer Pilgerunterkunft gab es ebenfalls ein Wirtshaus, Scheunen, das steinerne Haus des Priors, welches auf einen gewissen Reichtum schließen ließ.

Urkunden und Kleinodien, eine Vielzahl an Rechnungen sowie Geschichten rund um den Ort ermöglichten eine gute Rekonstruktion der ehemaligen Kirche. Zudem fanden 1959 und 1993 bauhistorische Grabungsuntersuchungen statt sowie geophysikalische Prospektionen um 2010 und 2012. Heute zeigen Gabionen mit historischen Steinen ungefähr den Umriss des Kirchenschiffes. Das Kreuz und der Altar sind neueren Datums und wurden errichtet für Freiland-Gottesdienste, da sich der Ort zu einem beliebten Ausflugsziel in der Region entwickelt hat.Wallfahrt Pfannstiel

Untergang mit der Reformation

1489 kam es zu einem Brand in der Kirche, wodurch der Bau an sich wohl weniger in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber das Inventar. Es wurde sofort mit dem Wiederaufbau begonnen.

Graf Philipp III. führte in Nassau-Weilburg die Reformation ein und damit wurde das Ende der Kirche Pfannstiel eingeläutet. 1526 erhielten die Johanniter keine Gebühren mehr, auch wenn ihnen die Bürger noch zugewandt waren. Die kirchliche Ausstattung wurde eingezogen. Kirchensilber wurde zugunsten des neuen Weilburger Kirchenbaus verkauft. 1539 war die katholische Epoche Pfannstiels abgeschlossen. Ab da wurde begonnen, die Nebengebäude abzubrechen und die Steine für andere Bauten zu verwenden. Die Kirche selbst wurde ab 1550 abgebrochen. Steine der damaligen Kirche sind heute unter anderem auch in der Mauer um den Tiergarten zu finden. Der Abbruch der Kirche und die Nutzung der Steine dauerte bis 1716 an.

Erforschung der Kirchenruine

In den 1750er Jahren entstanden die ersten Katasterpläne der Region und in diesen finden sich Aufzeichnungen von einer kirchlichen Ruine im Pfannstiel.

Ab den 1950er Jahren fand die Erforschung des Geländes statt. Die Wallfahrtstätte wurde durch die Erforschung aus ihrem 500-jährigen Schlaf erweckt und nun wieder für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Rund 50 x 50 Meter groß ist das Areal. Im Westen wird es begrenzt vom Weg vom Tiergarten Weilburg nach Drommershausen. Im Norden und Osten ist das Grundstück begrenzt durch den Grundbach sowie den alten Kirchweg und im Süden durch eine neuere Schneise. Bevor die Erkundung der ehemaligen Ruine begann, war das Gelände zugewachsen. Zur Erinnerung an die bedeutende Wallfahrtskirche des Mittelalters wurde 2009 ein hohes Holzkreuz mit dem Johanniter Kreuz aus Stein errichtet. 2011 wurde der neue Altar eingeweiht.

„Ich bin kurz weg“

Wer Lust hat, sich auf den Lahn-Camino zu begeben und die alte Kirchenruine Pfannstiel mit ihrer Geschichte zu entdecken, kann am Tiergarten Weilburg starten und den Beschilderung folgen. Die Wallfahrtstätte wie auch der Jakobsweg mit gelber Jakobsmuschel auf blauem Grund zeigen den Weg sehr gut.

Auf dem Weg gibt es einige schöne Sachen zu entdecken. Historische Straßen durchzogen den Wald. Neben der alten Römerstraße durchzog auch der Jakobsweg das Waldgebiet. Eine schöne Übersicht findet man auf den Informationstafeln.

Historische Straßen

Und jeder, der den Weg geht, kann von sich sagen, dass er über mittelalterliches Pflaster gegangen ist. Da bekommt man ein Gefühl dafür, dass ein Reisen mit der Kutsche über dieses Pflaster nicht das gemütlichste Reisen war.

Vom Tiergarten zur Kirchenruine Pfannstiel und wieder zurück ist ungefähr eine Strecke von rund 6 Kilometern. Mitten im Naturpark Taunus gelegen, werden auch der Schinderhannes-Pfad oder der Wisent-Möttau-Weilburg-Weg gequert. Zwischendurch gibt es schöne Blicke im Wald wie auch über Wiesen.

Wallfahrtstätte Pfannstiel

 

Burgruine Freienfels

Burgruine Freienfels – Hoch über dem Weiltal

Hoch über dem Weiltal steht die Burgruine Freienfels und ermöglicht einen tollen Blick übers Tal. Die ehemalige Burg liegt am linken Ufer der Weil hoch oben auf einem Felssporn.

Von Weilburg biegt ihr nach Freienfels ab. Kurz hinter der Brücke geht es links in den Wald hinein und dort gibt es Möglichkeiten, an der Seite zu parken. Von dort aus geht es vom Weiltalweg aus den Berg hoch Richtung Burg. Schlängelnd führt der Weg durch den Wald den Berg hinauf, von Zeit zu Zeit steht eine Bank zum verschnaufen. Dann geht es um den Felsensporn herum und über die Brücke gelangt ihr dann in die Burgruine. Die Burg steht auf Felsen aus Schalstein. Dies ist ein metamorphes Gestein vulkanischer Herkunft und entstand im Zeitalter des Devons über 400 Millionen Jahren. Aus diesem Grund ist die Burgruine Freienfels Teil des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus.

Burg Ruine Freienfels

Freienfels ist ein Ortsteil von Weinbach und weit über den Landkreis hinaus bekannt für die Freienfelser Ritterspiele, die jedes Jahr stattfinden. Um die Burgruine zu erhalten und sie Stück für Stück zu sanieren, gründete sich 1994 der Förderverein, der auch die Ritterspiele ins Leben rief. Die Erlöse fließen in den Erhalt und die Instandsetzung der Burg.

Burgruine Freienfels

Die urkundliche Ersterwähnung der Burg war 1327 in einem Testament. Wann genau die Burg erbaut wurde ist nicht bekannt, es gibt Vermutungen, welche von Ende des 13. Jahrhunderts ausgehen. Erbauer waren wohl die Grafen Heinrich und Reinhard zu Diez-Weilnau. Es war wohl der Versuch, dem Expansionsstreben des Grafen Adolf von Nassau entgegenzutreten, sich in der Nachbarschaft stetig erweiterte. 1331 wurde die Burg an Graf Gerlach von Nassau verkauft. Ende des 14. Jahrhunderts verlor sie ihre militärische Bedeutung. Im Laufe Zeit wechselten immer wieder die Besitzverhältnisse. Im 18. Jahrhundert wurde sie dem Verfall preisgegeben. Um 1910 begann die langsame Wiederinstandsetzung.

Burgruine Freienfels

Es ist eine hochmittelalterliche Befestigungsanlage, die sehr gut an den Felssporn angepasst ist. Der Hof ist durch eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende, künstlich aufgeschüttete Geländestufe in zwei Höhenebenen unterteilt. Die Angriffsseite ist durch einen rund 20 Meter breiten Graben und eine Schildmauer mit Bergfried geschützt. Eine Brücke führt heute über den Graben.

Burgruine Freienfels

Wehrhafte Burg

Die Burg ist durch Bruchsteine errichtet. Der Bergfried mit seinem fast quadratischen Grundriss hat 3,5 Meter starke Mauern und ist 19 Meter hoch. Der Bergfried hat vier Stockwerke, wobei das oberste nur noch in Ansätzen erhalten ist. Die Schießscharten zeigen den Zweck der Burg – sie diente der Verteidigung. Vom Bergfried gehen zweistöckige Wehrgänge ab.

Burgruine Freienfels

Ein dreiviertelrunder Schalenturm flankiert den Wohnturm, welcher ebenfalls das Tal aus Richtung Südosten überwachte. Später wurde dieser in den Wohnturm integriert. An der Nordseite der Burg befindet sich ein dreigeschossiger Wohnbau, der Palas. Unterhalb des Wohnbaus befinden sich ein großer, über eine steile Treppe zugänglicher Keller mit einem Tonnengewölbe und bisher ungeklärten Öffnungen, sowie zwei weitere kleinere, allerdings verschüttete Keller links daneben sowie rechts darüber mit quer dazu liegenden Tonnengewölben. Eine niedrige, heute nur noch 1,5 Meter breite Mauer schließt den Burghof nach Westen hin ab und besitzt tiefliegende Schießscharten. Im Süden trifft diese Mauer auf den quadratischen Torflankenturm, der wohl Raum für die Wächter bot. Dieser kleinere Turm rahmt zusammen mit dem mächtigen Bergfried die rund sieben Meter lange Mauer auf der Angriffsseite ein, in die das spitz zulaufende, rund 4,5 Meter hohe Tor eingelassen ist.

Über steile Holztreppen kommt ihr in die Burg hinein und könnt den Burgfried erklimmen. Von oben habt ihr einen tollen Blick über das Weiltal.

Burgruine Freienfels

Förderverein für die Burg

Das Land Hessen zeigte sich irgendwann nicht mehr bereit, die Kosten für die Burgruine zu übernehmen. Es waren die Bewohner des Ortes Freienfels, die sich um ihre Burg kümmerten und dann aus diesem Grund 1994 den Förderverein gründeten. Am 1. Juli 1996 ging die Burg in den Besitz des Fördervereins über, die sich seitdem um den Erhalt kümmert. Der Förderverein integriert die Burg ins kulturelle Leben unter anderem auch durch die Ritterspiele, welche deutschlandweit bekannt sind.

Und ein Fact am Rande: Die Burgruine Freienfels liegt ebenfalls auf dem Lahn-Camino-Abschnitt des Jakobsweges.

Jakobsweg Burgruine Freienfels

Informationen Burg Freienfels

Die Burg Freienfels ist von Anfang April bis Ende Oktober täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr, bzw. bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Von November bis März nur nach Terminabsprache. In der Burg gibt es ebenfalls ein kleines Burgmuseum.

Weitere Informationen rund um die Burgruine und ihre Aufteilung findet ihr auf der Homepage des Fördervereins

Pinterest Burgruine Freienfels