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Monat: Juli 2024

Rosenhang Museum

Rosenhang Museum – Ort für zeitgenössische Kunst

Wer zeitgenössische Kunst kennenlernen möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Rosenhang Museum in Weilburg. Eine ehemalige Brauerei bildet jetzt den Rahmen für vielfältige Kunst. Dabei ist das Gebäude selbst bereits schon Kunst, denn ehemalige Transportbänder oder alte Gemäuer sind Teil des Gesamtarrangements.

Von der Brauerei zum Kunstort

Was heute so schön im Sonnenlicht leuchtet, war über viele Jahre eine Brauerei. Im Jahr 1822 stellte Maria Katharina Helbig, die Urahnin der heutigen Besitzerin Antje Helbig, den Antrag, eine Bierbrauerei zu erbauen. Ihre Söhne übernahmen den Betrieb und zwischen 1848 bis 1860 wurde die Basis für den späteren umfangreichen Grundbesitz der Brauerei gelegt. In dieser ehemaligen Brauerei entstand auf vier Stockwerken ein spezieller Kunstort, der Einblicke in die zeitgenössische Kunst gibt. Dabei wurden alte Elemente der Brauerei restauriert und mit integriert, so dass ein Gesamtkunstwerk entstand, welches immer wieder zum entdecken einlädt. Die Eröffnung des privaten Museums in der ehemaligen Brauerei war 2017.

Rosenhang Museum
Kunst bereits vor dem Museum

Rosenhang Museum zum Entdecken

Insgesamt 2.000 Quadratmeter laden zum Entdecken verschiedener Kunstformen ein – Gemälde, Drucke und Skulpturen warten auf den verschiedenen Ebenen auf den Besucher. Manche Bilder enthüllen erst ihre Geheimnisse, wenn man nahe an sie herangeht wie die Wasserbilder von Christian Awe. Aus der Ferne sehen seine Bilder wie Fotografien aus, doch wenn man näher herantritt, ist zu sehen, dass diese Effekte durch mehrere Farbschichten erzeugt werden. Genau verkehrt ist das Erscheinen bei den Werken von Christoph Lehmpfuhl. In der Ferne sind die Bilder und einzelne Elemente zu erkennen. Steht man dich davor, ist es nicht immer einfach bei diesen dicken Farbklecksen, aus denen die Bilder bestehen.

Rosenhang MuseumChristian Awe
Zwei Kinderfiguren vor den Wasserbildern von Christian Awe
Rosenhang Museum Christoph Lehmpfuhl
Dicke Farbschichten auf den Bildern von Christoph Lehmpfuhl

Bansky Art Lab

Ein besonderer Raum ist das Bansky Art Lab, welches sich dem britischen Streetart-Phänomen von Bansky annähert. Diese Dauerausstellung soll dazu dienen, mit Experten zu ergründen, wer hinter der Kunstfigur Bansky steckt. Dabei gibt es Kunstwerke von ihm zu sehen, aber auch vermeintliche Enttarnungen. Beteiligt Euch mit an dem Rätselraten und erfahrt mehr über die Kunst von Bansky.

Industriekultur trifft Kunst

Alleine das Gebäude ist schon eine Kunst für sich, wenn sich die grauen, modernen Treppenstufen an der verputzten Backsteinwand anschmiegen und der Putz immer wieder einen Blick auf die alten Backsteine ermöglichen. Besonders prägend fand ich die Harmonie zwischen Industriekultur und Kunst in der Kunsthalle, wo sich die Kunstwerke zwischen den alten Transportrollen befinden.

Industriekultur trifft zeitgenössische Kunst

Rosenhang Museum

In diesem Bereich auch sehr faszinierend die Terrakotta-Figuren in der Installation „Himmelsfragen“ von Jiny Lan. Statt in Reih und Glied zu stehen wie die original Terrakotta-Armee zentralchinesischen Mausoleum Qin Shi Huang sind sie hier in einer Diskussionsrunde arrangiert.

Rosenhang Museum Terrakotta Armee

Es ist sehr faszinierend, durch die einzelnen Räume zu gehen und die Vielfalt an zeitgenössischen Kunstwerken zu entdecken.

Informationen

Ahäuser Weg 8-10
35781 Weilburg

Öffnungszeiten

Di bis So 10-18 Uhr und nach Vereinbarung

Eintrittspreise

Erwachsene:          12 Euro
Kinder 6 – 16 Jahre: 6 Euro

Kostenlose Parkplätze vor dem Museum
Barrierefreier Zugang und barrierefreie Bewegung im Haus möglich

Mehr auf der Homepage des Museums

Verbindet den Besuch des Museum mit einem Spaziergang an der Lahn oder verweilt danach noch eine Weile in Weilburg, wo ihr ins Schloss gehen könnt oder ins Bergbaumuseum.

Selters Tonkrüge

Selters – eine faszinierende Geschichte

Nachdem ein Schiffswrack in der Ostsee mit Tonkrügen voller Mineralwasser gefunden wurde, ist das Selterswasser aus der Region wieder in aller Munde. Zu Beginn hieß es, es käme aus Selters in Löhnberg, doch zeitlich haut dies nicht hin, da die Abfüllung in Selters erst viel später begann, als wie der Stempel auf den Tonkrügen es bezeugt. Diese gefunden Tonkrüge wurden eher in Niederselters abgefüllt. Spannend war die Zeit der Industrialisierung von Selterswasser allemal und einen kleinen Blick möchte ich heute darauf werfen.

 

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Faszinierende Geschichte

Selters ist das Synonym für kohlensäurehaltiges Mineralwasser und es ist jedem ein Begriff. Bereits im 18. Jahrhundert wurde Selterswasser zum Synonym für dieses Wasser. Und hier im Landkreis Limburg-Weilburg herrschte im 19. Jahrhundert in Sachen Mineralwasser eine richtige Goldgräberstimmung, zahlreiche Gerichtsverfahren beschäftigten sich mit dem Thema und es gab sogar einen Wasserkrieg. Am Ende der Geschichte gibt es noch einen großen Betrieb in Löhnberg, welcher Selters in den blauen Flaschen abfüllt, einen Mineralbrunnenbetrieb in Bad Camberg- Oberselters und ein historisch wunderschönes ehemaliges Brunnengebäude in Niederselters.

Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit war mineralisches Wasser aus dem Boden aufgrund seines Geschmackes, seines Gasgehaltes und der Temperatur beliebt bei den Menschen. Zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert entstehen viele Ortschaften, die einen Bezug zu Mineralquellen haben und dies in ihrem Namen tragen. Am bekanntesten ist der Ortsname „Saltrissa“/ „Selters“. Der Ursprung ist alemannisch und steht für Orte, wo stark mineralisiertes Mineralwasser aus der Erde sprudelte. Alleine in Hessen gibt es fünf Orte und Wüstungen sowie ein weiterer im rheinland-pfälzischen Westerwald. 1581 erscheint ein medizinisches Werk zur Wasserheilkunde, wo der Arzt Jakob Theodor „Tabernaemontanus“ dem Selterswasser (aus Niederselters) wahre Wunderkräfte zuschrieb. Bereits um 1570 herum begann der organisierte Vertrieb von Mineralwasser, Vorreiter war der belgische Mineralbrunnen von Spa, Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich Mineralwasser als Handelsware in Europa etabliert.

Mineralwasserabfüllung Niederselters

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Niederselterser Sauerbrunnen zum unangefochtenen Marktführer, auch aufgrund des Buches zur Wasserheilkunde. Dabei ist der Brunnen viel älter, die Ersterwähnung war 1536. Im 18. Jahrhundert wurde „Selterswasser“ zum Synonym für Mineralwasser schlechthin und fand Eingang in alle europäischen Sprachen. Allerdings blieb es ein Luxusgut, denn mit der zunehmenden Entfernung im Transport stiegen die Kosten. Das hinderte aber niemanden daran, Selters in Europa und bis nach Amerika zu transportieren. Mit dem Bau der Eisenbahn ab 1833 verzeichnete die Mineralwasserindustrie gewaltige Absatzsteigerungen und auch abgelegene Quellen wurden für Unternehmen und Investoren interessant. Vor diesem Hintergrund vollzogen die Mineralbrunnenbetriebe die Entwicklung von der kleingewerblichen Produktion hin zum modernen Industrieunternehmen.

Seltersmuseum Niederselters
Brunnengebäude in Niederselters

1909 erschien das Handbuch der Mineralwässer Mitteleuropas. Es führte 125 eigenständige deutsche Heil- und Mineralbrunnenbetriebe mit Versandbetrieb und zum Teil mit mehreren Marken auf. Wo es ergiebige Mineralwasservorkommen gab, entstanden um die Jahrhundertwende oft Häufungen von Brunnenbetrieben auf engster Fläche- es herrschte Goldgräberstimmung – solch ein „Hotspot“ entstand auch in Löhnberg. Mehrere Bohrungen und Firmen konkurrierten miteinander, die meisten verschwanden recht bald wieder und andere entwickelten sich zum absatzstärksten Mineralbrunnenbetrieb.

Mineralwasser aus Löhnberg

Der älteste Brunnen in Löhnberg ist der Sauerborn, heute nach der Sanierung ein wunderbare Brunnen am Ortseingang direkt am Lahnradweg. Dieser befand sich immer im Gemeindebesitz und es kam nie zu einer industriellen Erschließung. Er diente vielmehr der Versorgung der heimischen Bevölkerung.

In das Becken sprudelt das kühlende Nass

Auch in Obershausen fanden sich Sauerborne, die eine enge Verbindung zum Jagdschloss Johannisburg haben. Professoren aus Herborn kamen mit ihren Studenten nach Obershausen und lobten das Mineralwasser, es war sogar mal ein Kurbad geplant, weil eine Eisenbahnlinie dort langführen sollte. Doch die Eisenbahn kam nicht und so kamen diese Bemühungen auch zum Erliegen. Durch den Erfolg von Selters Mineralwasser war zudem kein Platz für Obershäuser Mineralwasser. 1925 kaufte Selters-Sprudel Augusta Viktoria das Obershäuser Mineralquellengebiet, aber nicht, um es zu erschließen, sondern um die Konkurrenz zu verhindern.

Kommen wir also zur Geschichte in Selters. 1887 wurde der erste Brunnen von Freidrich Wilhelm Neu, Großgrundbesitzer und späterer Bürgermeister von Selters sowie Wilhelm Schütz gebohrt und 1890 begann die Abfüllung. Eine Analyse bescheinigte dem Wasser eine gute Zusammensetzung. Die Bohrungen führte der Unternehmer Wilhelm Wildenhayn durch und aufgrund der positiven Nachrichten erbohrte er einen Konkurrenzbrunnen, welcher Selters-Sprudel Augusta-Victoria genannt wurde und auf den das heutige übriggebliebene Unternehmen zurückgeht.

Doch bleiben wir einen Moment noch bei dem ersten Brunnen. Mit einem Kran wurde das Wasser aus dem Boden geholt und in Tonkrüge abgefüllt. Das große Ziel von Neu und Schütz war es, den Brunnen gewinnbringend zu verkaufen, was ihnen auch gelang. Im  November 1890 verkauften sie den Brunnen an die Wiener Firma Samuel Ungar & Co, welcher das Mineralwassers aus Selters an der Lahn im gesamten Staatsgebiet der Donaumonarchie vertrieb und den Namen „Original-Selters-Brunnen“ kreiierte.

Konflikte um Selters

Mit Übernahme des Brunnens durch Ungar begann ein Konflikt mit Fresenius, weil mit Ungar mit dem dem vorläufigen Gutachten ohne Rücksprache für das Mineralwasser warb. Ungar warb damit, dass die Quelle seit Jahrhunderten berühmt sei, zu den hervorragendsten Quellen im Nassauer Land gehöre und dieselben Bestandteile habe, wie andere Brunnen sowie einen erheblichen Kochsalzgehalt. Dem widersprach Fresenius und forderte eine Rücknahme der Falschaussagen. Dazu muss man sagen, dass Fresenius mit im Brunnen in Niederselters eingebunden war, beide Brunnen den gleichen Absatzmarkt besaßen und dadurch in Konkurrenz zueinander standen. Ungar setzte auf massive Werbung, sein Selters sei das Original und alles andere nur eine Kopie. Er hatte mit seiner Werbung Erfolg und die Nachfrage stieg. Um diese zu befriedigen, wurde gebaut.

Die nächsten Streitigkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Zwischen 1894 und 1897 gab es Streitigkeiten zwischen Siemens ( Brunnen in Niederselters) und Ungar (Brunnen in Selters), wer das Original Selters abfüllt. Dies versuchten beide in mehreren  Gerichtsverhandlungen zu klären. Am Ende einigten sich beide aus geschäftlichen Interesse und Original-Selters wurde in Natürliches Selters  umbenannt. Ungar kümmerte sich um den Vertrieb, Siemens um die Produktion. Ungar übernahm auch den Vertrieb des Wassers aus Fachingen. Siemens stellte die Abfüllung von Tonkrügen aus dem Kannebäcker Land auf Glasflaschen um. Es gab immer wieder juristische Versuche, anderen Mineralwasser-Unternehmungen den Hahn abzudrehen und auch Versuche, die Nutzung des Begriffes Selters zu verbieten, jedoch ist der Begriff Selters nicht schutzfähig. 

Das Unternehmen bot das „Natürliche Selters“ als günstiges Mineralwasser an, ein Mineralwasser mit „fabelhaften Billigkeit“, während das Wasser aus Fachingen das Heilwasser mit Weltruf war. Diese neue Ausrichtung ging sehr zu Lasten vom Standort in Niederselters. 1902 erhielt das Wasser aus Selters an der Lahn den Namen „Selters“, welcher eigentlich als Alleinstellungsmerkmal für das Wasser aus Niederselters vorgesehen war. 1912 war mit diesem Brunnen in Selters Schluss und das Brunnenhaus diente nur noch als Wohnhaus. 1951 wurde das Unternehmen an Augusta-Victoria verkauft und 1984 der Betrieb vollständig eingestellt.

Kleine Hügel zeugen von den Mineralwasserbrunnen

Geschichte des heutigen Selters

Ich habe schon erwähnt, dass Wilhelm Weidenhayn einen Konkurrenzbrunnen bohrte und diesen Selters-Sprudel Augusta-Victoria benannte. Dies war der Beginn des heutigen Mineralwasserunternehmens. Die Bohrung war damals ein Erlebnis, denn eine vier Meter hohe Fontaine zeigte den Erfolg. Es begann ein richtiger Brunnentourismus. Im Mai 1897 gründeten mehrere Gesellschafter die  „Selterser-Sprudel-Augusta-Victoria Selters an der Lahn Gmbh“ und 1898 begann die Produktion. Für einen besseren Transport über die Lahn und Anschluss an die Infrastruktur gab es schnell Überlegungen, die Produktion auf die andere Lahnseite zu verlegen. Als eigentliches Gründungsjahr feiert das Unternehmen heute das Jahr 1902. Die stetige Nachfrage und der steigende Absatz führten 1905 zu einer Betriebserweiterung am heutigen Standort.

Parallel zu dieser Erfolgsgeschichte fanden weitere Brunnenbohrungen statt, die im Laufe der Zeit alle von Selters-Sprudel Augusta-Victoria aufgekauft wurden. 1896 erbohrte ein Unternehmer die Friedrichsquelle auf der anderen Lahnseite, die jahrelang als Neue Selterser Mineralquelle vertrieben wurde. Heute gehört sie auch zu Augusta-Victoria.

Selters Tonkrüge
Selters – weltweit bekannt

 

Quelle 

Buch „Wie alles begann. Löhnberger, Obershäuser und Selterser Mineralwasser“ von Frank Schmidt