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Monat: Januar 2022

Kreuz als Erinnerung an Mord

Wenn ihr vom Domplateau in Limburg die Treppe runter zur alten Lahnbrücke geht, befindet sich links an der Mauer recht unscheinbar ein Kreuz in den Stein gehauen.

Der Heimathistoriker Klaus Lanio hat die längst vergessene Geschichte dieses Kreuzes recherchiert. Dieses Kreuz erinnert an einen Mord. Durch seine Recherchen und das Augenmerk auf dieses Kreuz weist inzwischen auch eine Gedenktafel auf die Geschichte hin.

 

Manchmal sind es Kleinigkeiten, welche uns im Alltag gar nicht bewusst sind. Wir laufen an Orten vorbei, ohne uns diese genauer anzusehen. Manchmal wissen wir gar nicht, dass sich direkt vor unserer Nase etwas interessantes befindet. So erging es mir mit diesem in den Stein gehauene kleine Kreuz, welches sich eigentlich an exponierter Stelle befindet, welches mir aber vorher nie so aufgefallen ist. Auf einer Höhe von 1,20 Meter findet sich dieses kleine Kreuz. Es ist 13 mal 10 Zentimeter groß und wirkt eingerahmt. Jetzt mit einer Hinweistafel versehen achtet man vielleicht nochmal eher drauf.

Dem nachfolgenden Text liegt ein Zeitungsartikel des Journalisten Dieter Fluck zugrunde. 

Mord am Dom

Dieses in die Mauer gehauene Kreuz weist auf eine schauerliche Tat hin. Im Schatten des Doms wurde 1929 eine junge Frau ermordet; eine  Bluttat, die ganz Limburg und die Menschen darüber hinaus schockiert hatte. 

Dieses Ereignis soll nicht vergessen gehen, weshalb der Limburger Klaus Lanio die Geschichte recherchierte und als „Die Geschichte vom Limburger  Mauerkreuz“ aufschrieb. Ihm war es vor allem ein Anliegen, dass im Zuge der Neugestaltung des Domplateaus dieses Zeugnis erhalten bleibt. 

Es geht um die 24-jährige Helene Schneider, die am 4. Juni 1929 kurz vor 20 Uhr an  dieser Stelle von ihrem ehemaligen Freund mit mehreren Stichen ermordet wurde. Um diese Zeit fand die Brüdermesse statt, so dass einige Kirchenbesucher Zeuge wurden, aber nicht einschritten. Nur der zwölfjährige Bube Fritz Suder aus dem Haus Römer 1 blieb  stehen und versuchte, Hilfe bei seinem Vater zu holen. Der Täter flüchtete in Richtung Lahn und  konnte dort unter einem Baum sitzend dingfest gemacht werden. 

Mehrfach mit der Justiz im Konflikt

Die Geschichte spielte nicht alleine in Limburg statt, sondern begann in Kaiserslautern. Dort betrieb der Vater von Helene Schneider einen Altwarenladen. Sie arbeitete in dem väterlichen Laden und lernte dort den Gelegenheitsarbeiter Rudolf R. kennen. Dieser gerät mehrfach mit der Justiz in Konflikt. „Aus dem  Gefängnis entlassen, reduziert er den Alkohol, kauft stattdessen seiner Geliebten Kleider und  Geschenke“, so Dieter Fluck im Artikel. 1924 gebärt Helene eine Tochter, die allerdings einen Tag später bereits stirbt, R. meldet die Vaterschaft und Tod beim Standesamt an. 

Helene wendet sich zunehmend von R. ab, der darauf sehr eifersüchtig reagiert. Er tut ihr Gewalt an, droht ihr Rache an, geht auf sie los. Helene vertraute ihrer Mutter an, dass sie lieber tot sei, als diesen Mann zu heiraten.

Reise nach Limburg

Im Jahr 1929 macht Helene Bekanntschaft mit dem jungen Schausteller Heinrich, welcher mit seiner Familie aus Wolfenhausen kommt. Die beiden empfinden Zuneigung zueinander, schreiben sich Briefe und Heinrich lädt sie nach Limburg ein. Das Geld stammt von r. der als Stoffhausierer in Norddeutschland unterwegs ist und das Geld zu ihr nach Hause schickte. 

Am 1. Juni trifft Helene am Limburger Römer ein; am gleichen Tag R. in Kaiserslautern. Er möchte Helene besuchen, doch trifft sie nicht an. Bei einem Einbruch bei ihr zu Hause erfährt er von ihren Reiseplänen nach Limburg und folgt ihr in die hessische Stadt. Helene hat derweil Zukunftspläne und möchte nicht mehr nach Hause zurückkehren. Sie bittet ihre Mutter, ihr Kleidung zu schicken.

R. folgt ihr nach Limburg und kommt durch eine Finte an Helene heran. Er erzählt ihr, ihr Vater sei gestorben. Sie erklärt sich zu einer Aussprache bereit, in deren Verlauf es zu einem Streit kommt und R. auf die junge Frau einsticht. Fritz Suder, der kleine Bruder von Heinrich, wurde Zeuge der Tat.

Großes Interesse am Prozess

Das Interesse der Bevölkerung am Prozess vor dem Limburger Landgericht war groß. Es mussten sogar Eintrittskarten ausgegeben werden. R. wird wegen Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus  verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm für diese Zeit aberkannt.

Klaus Lanio: „Vermutlich haben aufgebrachte Bürger das Kreuzchen zum Andenken an das Opfer in die Mauer  gemeißelt.“ Wie der Autor ergänzend berichtet, lebte der Täter von allen Beteiligten am längsten und  starb erst Ende der 1980er Jahre hochbetagt. Der kleine Zeuge Fritz Suder wurde gegen Kriegsende  bei den Pallottinern von den Amerikanern bei dem Versuch erschossen, die letzte Stellung zu halten.  Er wurde 28 Jahre alt.

Manchmal lohnt es sich, mit offenen Augen durch die Region zu gehen. Und beim nächsten Mal halten wir vielleicht kurz inne und gedenken dieser jungen Frau, die nur ihr Leben leben wollte.

 

Zeichen des christlichen Glaubens in Brechen

In der Gemeinde Brechen gibt es viele Bildstöcke, Heiligenhäuschen und Kapellen. Diese stehen zum Großteil unter Denkmalschutz. Sie sind ein Zeichen für den christlichen Glauben in der Gemeinde. All diesen Zeichen widmet sich jetzt ein Buch, welches kurz vor Weihnachten erschien.

„Sollen alle Knie sich beugen“ lautet der Titel des Bildbandes, welches die Gemeinde zusammen mit dem Gemeindearchiv herausgegeben hat. Die Realisierung erfolgte durch den Arbeitskreis Historisches Brechen, die Texte stammen von Ursula Königstein.

Buch Brechen

Zeichen des christlichen Glaubens

Der Bildband gibt einen Überblick über die Kapellen, Bildstöcke und Kreuze in der Gemeinde. Es sind verschiedene Beweggründe, die die Bürger bis heute dazu veranlassen, ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Bildstöcke, Gedenksteine oder auch Kapellen stehen für die Frömmigkeit. Sie dienten dazu, ein Gelübde zu erfüllen, Verstorbener zu gedenken oder auch Gott nach Krankheit oder schlimmen Zeiten zu danken.  Sie laden bis heute zu einem stillen Gebet ein, zur Erinnerung oder zum Gedenken. Und neben dem Zeichen des Glaubens besitzen sie oftmals auch einen hohen künstlerischen Wert.

Bereits in einem Zeitungsartikel in den 1950er Jahren waren die Kapellen ein Thema. So wird in den Buch zitiert: „Oberbrechen, das große Dorf im Goldenen Grund, hat viele Wahrzeichen und Denkmäler christlichen Glaubens. Vier alte Kapellen stehen auf seinen Höhen, zahlreiche Bildstöcke, Stationen und Kreuze an seinen Straßen und Wegen.“ Die ersten Zeugnisse für den christlichen Glauben gehen auf das Jahr 1590 zurück. Doch bis in die Neuzeit haben sie Bedeutung für die Bürger.

Eintauchen in die Geschichte

Dieses Buch gibt nicht nur einen umfassenden Überblick zu den vorhandenen Werken in der Gemeinde. Zahlreiche Geschichten zu den Kunstwerken, zu ihrer Entstehung und ihren Hintergründen geben nicht nur einen Blick auf den christlichen Glauben, sondern sie gewähren auch einen Blick in die Geschichte der Gemeinde.

Diese Engelsfigur steht am Aufgang zur Berger Kirche. Früher stand er auf dem Eingangstor und hieß die Besucher der Kirche sowie des Friedhofes willkommen. Vor einigen Jahren versetzten ihn der Freundkreis Berger Kirche und gestaltete eine kleine Anlage um ihn herum. Doch er war nicht als Figur am Eingang gedacht. Wie alte Fotoaufnahmen zeigten, wurde er als Figur auf einem Grab geschaffen. Als dieses geräumt wurde, kam er erst in die Kirche, dann auf das Eingangstor bis er an seinen heutigen Platz gelangte.

Rundweg Berger Kirche

Engagement der Bürger

Obwohl die meisten Werke auf öffentlichem Grund stehen und die Pflege der Gemeinde obliegt, zeugen sie auch von dem großen Engagement der Brechener Bürger. Sie sorgen sich um die Pflege der Kapellen, Figuren und Kreuze – sei es die Bepflanzung, sei es die Entfernung von Moos. Sie reparieren Schäden. Und sie sammeln Geld, um kaputte Teile zu sanieren oder die Zeichen zu renovieren. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag, diese Zeichen der Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren.

Der 80-seitige Bildband ist eine reiche Sammlung der öffentlichen Zeichen des christlichen Glaubens in der Gemeinde. Für die Brechener selbst, aber auch für die Menschen in der Region ist dies ein interessanter Bildband, der einiges Wissen vermittelt und den Leser auf eine faszinierende Reise mitnimmt.

Bei Ullrich Jung in Werschau und im Bürgerbüro im Rathaus gibt es das Buch zu erwerben.