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Autor: Heike Lachnit

Fossilienfeld Löhnberg

Fossilienfeld Löhnberg – Reise in die Vergangenheit

Das Fossilienfeld „Hinter der Mahrheck“ bei Löhnberg ist für mich mehr als nur ein interessanter Ort auf der Landkarte. Während meiner Zeit in Löhnberg hatte ich die Gelegenheit, die Fundstelle selbst kennenzulernen und dort nach den Spuren einer fast 400 Millionen Jahre alten Vergangenheit zu suchen. Einige Fossilien konnte ich dabei selbst finden. Heute, da das Fossilienfeld für Besucher erlebbar werden soll, ist das für mich ein schöner Anlass, auf diesen besonderen Ort zurückzublicken.

Zwischen Niedershausen und Obershausen liegt ein Ort, an dem die Erdgeschichte sichtbar wird. Im Fossilienfeld „Hinter der Mahrheck“ geben Gesteine und Fossilien einen außergewöhnlichen Einblick in eine Zeit, als Löhnberg noch am Rand eines devonischen Meeres lag. Wer heute durch die Landschaft rund um Löhnberg wandert, bewegt sich auf einem Untergrund, der Geschichte erzählt. Rund 393 Millionen Jahre ist der Leun-Schiefer alt, der bei Löhnberg aufgeschlossen ist. Er ist Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Im Devon sah die Region vollkommen anders aus. Das Gebiet lag im Devon unter Wasser, war Teil eines Meeresarmes und befand sich in der Nähe des Äquators. Erst die gewaltigen Bewegungen der Erdplatten brachten die vollmarinen Sedimente im Laufe von Jahrmillionen an ihren heutigen Platz.

Ein besonders spannendes Kapitel dieser Erdgeschichte begann 2014. Damals wurde zwischen Niedershausen und Obershausen in der Flur „Auf der Mahrheck“ oder manchmal auch „Hinter der Mahrheck“ durch Zufall eine außergewöhnliche Fossillagerstätte durch den Geologen Dr. Jens Schneider entdeckt. Die Gemeinde ließ daraufhin im Sommer 2014 einen etwa 2.000 Quadratmeter großen Schurf anlegen. Auf einer Länge von rund zwölf Metern konnte dort der etwa 393 Millionen Jahre alte Leun-Schiefer untersucht werden. Heute handelt es sich um ein paläontologisches Bodendenkmal.

Fossilienfeld Löhnberg

Fossilienfeld Löhnberg – Ein Schatz aus dem Devon

Schon bald zeigte sich, dass hier etwas Besonderes verborgen lag. Vor allem die zahlreichen Trilobiten machten die Fundstelle wissenschaftlich interessant. Trilobiten waren ausgestorbene Gliederfüßer, die über viele Millionen Jahre zu den charakteristischen Bewohnern der Meere gehörten. Im Fosslienfeld Löhnberg wurden zahlreiche verschiedene Formen entdeckt. Bislang konnten mehr als ein Dutzend Trilobiten-Gattungen dokumentiert werden, darunter auch Arten, die zuvor noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden waren. Für die Paläontologie sind solche Funde weit mehr als schöne Fossilien. Anhand der Arten lässt sich beispielsweise untersuchen, welche Lebewesen in bestimmten Zeitabschnitten vorkamen und wie sich ihre Verbreitung über verschiedene Regionen entwickelte. Die Löhnberger Funde können helfen, die Lebensräume und die geografische Situation des Devons besser zu verstehen. Das macht die Fundstelle zu einem echten paläontologischen Schatz vor unserer Haustür.

Neben der hohen Dichte an Trilobiten gab es weitere ungewöhnliche Funde wie der einzige, vollständige Fossilienfund eines Nautilus subtuberculatus (heutige Perlboote) außerhalb von Tschechien. Es ist ein ungewöhnliches Exemplar mit einem Gehäuse, welches mit Stacheln besetzt ist. Auch Cephalopoden, sogenanne „Kopffüßler“, sowie Mollusken und Korallen wurden in dem Gestein gefunden.

Fossilienfeld Löhnbgerg

Wenn ein Trilobit den Namen Löhnberg trägt

Wie außergewöhnlich die Funde sind, zeigt sich auch bei den wissenschaftlichen Namen. Eine der neu beschriebenen Arten trägt den Namen Kettneraspis loehnbergensis. Löhnberg ist damit unmittelbar in die wissenschaftliche Erforschung der devonischen Trilobitenfauna eingegangen. Insgesamt listet die 2023 erschienene wissenschaftliche Publikation von Martin Basse und Peter Müller mehrere neu beschriebene Arten aus den Löhnberger Funden auf. Die Publikation trägt den Titel „Trilobiten aus dem Leun-Schiefer und Leun-Kalk von Löhnberg und Leun in der zentralen Lahn-Mulde in Hessen“. Sie erschien als Band 37 der Beihefte des Mainzer Naturwissenschaftlichen Archivs und umfasst 211 Seiten. Die wissenschaftliche Arbeit zeigt, dass die Grabungen weit mehr hervorgebracht haben als einzelne spektakuläre Fossilien. Die Fundstelle liefert ein außergewöhnlich detailliertes Bild einer devonischen Tierwelt.

Fossilienfeld Löhnberg - Publikation

Ein Teil dieser Geschichte ist heute im Löhnberger Wassermuseum zu sehen. Dort werden Funde aus der Fossillagerstätte präsentiert. An der Fassade des Museums befindet sich außerdem eine vergrößerte Darstellung von Kettneraspis loehnbergensis.

Ein Fenster in eine längst vergangene Welt

Die Fundstelle „Hinter der Mahrheck“ ist deshalb nicht einfach ein Steinbruch oder eine Stelle, an der man interessante Steine finden kann. Sie ist ein paläontologisches Bodendenkmal. Wer sich dort aufhält, steht gewissermaßen auf einem ehemaligen Meeresboden. Wo heute Felder, Wege und Wälder die Landschaft prägen, lebten vor fast 400 Millionen Jahren Trilobiten und andere Meerestiere. Neben den Trilobiten wurden auch weitere Fossilien aus der devonischen Meereswelt gefunden. Dazu zählen unter anderem Korallen, Tintenfische und Vorläufer heutiger Muscheln. Besonders faszinierend ist dabei der Gedanke, dass diese Spuren über Hunderte Millionen Jahre erhalten geblieben sind und schließlich ausgerechnet hier bei Löhnberg wieder ans Tageslicht kamen.

Koralle im Gestein

Jetzt wird das Fossilienfeld Löhnberg erlebbar

Für die Region ist die Wiederöffnung beziehungsweise Freigabe der Fundstelle eine schöne Nachricht. Das Fossilienfeld kann künftig nicht nur als wissenschaftlich bedeutender Ort wahrgenommen werden, sondern auch als spannendes Ziel für alle, die sich für Natur, Erdgeschichte und die eigene Heimat interessieren. Löhnberg besitzt mit der Mahrheck etwas, das man nicht jeden Tag vor der eigenen Haustür findet: ein Fenster in eine Welt, die fast 400 Millionen Jahre zurückliegt. Wer selbst einmal dort gestanden und einen Stein aufgeschlagen hat, versteht schnell, was die Faszination dieser Fundstelle ausmacht. Es ist ein besonderer Moment, wenn sich im unscheinbaren Schiefer plötzlich die Spur eines Lebewesens zeigt, das vor rund 393 Millionen Jahren in einem Meer lebte. Auch ich konnte dort eigene Fossilien finden: kleine Zeugnisse einer Zeit, die für uns kaum vorstellbar weit zurückliegt.

Die Trilobiten erzählen nicht nur die Geschichte ausgestorbener Meerestiere. Sie erzählen auch von der Bewegung der Kontinente, von längst vergangenen Meeren und von der geologischen Entwicklung unserer Region. Und vielleicht ist genau das der besondere Reiz dieses Ortes. Man muss nicht weit reisen, um Millionen Jahre Erdgeschichte zu entdecken. Sie liegt hier – zwischen Niedershausen und Obershausen – buchstäblich im Gestein. Wer künftig das Fossilienfeld besucht, sollte deshalb nicht nur nach einem besonderen Fossil Ausschau halten. Es lohnt sich, sich bewusst zu machen, dass man an diesem Ort auf Spuren einer Welt steht, die vor rund 393 Millionen Jahren völlig anders aussah.

Über die „Erlebnisregion Kallenbach e.V.“ unter der Forschungsleitung von Dr. Jens Schneider können Besucher das Fossilienfeld Löhnberg besuchen. Terminanfragen per Mail an info@erlebnisregionkallenbach.de

Mehr zur Erlebnisregion Kallenbach auch auf deren Instagram-Kanal.

 

Tag des offenen Denkmals Limburg-Weilburg

Tag des offenen Denkmals 2026 in Limburg-Weilburg: Diese Denkmale öffnen ihre Türen

Am 13. September 2026 ist deutschlandweit Tag des offenen Denkmals. Auch im Landkreis Limburg-Weilburg öffnen sich einige Türen an diesem Tag.

Jährlich öffnen sich deutschlandweit mehr als 6.500 Denkmaltüren am zweiten Sonntag im September. An diesem Tag könnt ihr sonst nicht zugängliche Orte entdecken, einen Blick in die Vergangenheit wagen oder Experten bei Restaurierungsarbeiten über die Schulter schauen. In diesem Jahr lautet das Motto „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“.

Tag des offenen Denkmals in Limburg-Weilburg

Straßen, Brücken, Bahnhöfe oder historische Rathäuser begleiten uns oft ganz selbstverständlich durch den Alltag. Doch sie sind weit mehr als Bauwerke aus Stein, Stahl oder Beton. Sie erzählen Geschichten von Menschen, die Handel trieben, Waren transportierten, zur Schule gingen oder neue Wege erschlossen. Sie verbinden Orte und Generationen miteinander.

Der Tag des offenen Denkmals 2026 rückt die historische Infrastruktur in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen Bauwerke, die unsere Städte und Dörfer bis heute prägen, von alten Brücken und Bahnhöfen über Industrieanlagen und Mühlen bis hin zu Rathäusern, Schulen oder ehemaligen Versorgungsbetrieben. Viele dieser Denkmale erfüllen noch immer ihren ursprünglichen Zweck, andere geben als Museen oder Ausstellungsorte spannende Einblicke in die Geschichte unserer Region.

Am Tag des offenen Denkmals öffnen viele dieser besonderen Orte ihre Türen und laden dazu ein, Geschichte aus einer neuen Perspektive zu entdecken. Besucher erhalten die Gelegenheit, Bauwerke kennenzulernen, die unsere Heimat bis heute verbinden und das Leben vergangener Generationen geprägt haben. Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es insgesamt 35 Möglichkeiten, sich dem Thema anzunähern. Nachfolgend habe ich Euch einige Veranstaltungen an diesem Tag im Landkreis Limburg-Weilburg zusammengefasst.

Tag des offenen Denkmals in Weilburg

In Weilburg öffnen sich immer sehr viele Türen am Tag des offenen Denkmals. Dies ist dem Geschichtsverein Weilburg zu verdanken, der jedes Jahr ein sehr umfangreiches Programm zusammenstellt und tief in die Geschichte der Stadt eintaucht. Alleine 15 Orte und Begegnungsmöglichkeiten gibt es an diesem Tag. Und ich kann dies nur empfehlen.

Wer Weilburg an diesem Tag mal völlig neu entdecken möchte, dem empfehle ich die E-Bike-Tour mit Christian Radkovsky, zertifizierter Natur- und Landschaftsführer. In dieser zweistündigen Tour geht es entlang verschiedener Bauten, ihr kommt an den Highlights der Weilburger Denkmallandschaft sowie Zeugnisse historischer Infrastruktur und Industriekultur vorbei und erfahrt einiges über bedeutende Verkehrsdenkmale, die einst Menschen, Waren und Ideen miteinander verbanden und bis heute das Stadtbild prägen.

Eine besondere Form, die Stadt kennenzulernen und bereits ein Klassiker an diesem Tag ist die Geo-Schatzsuche zum Thema „„Auf den Spuren Martin Luthers und der Reformation in Weilburg“. Diese eignet sich besonders für Familien mit Kindern sowie Jugendliche.

Etwas ganz Besonderes wird an diesem Tag erprobt, eine Pop-Up-Stadtführung unter dem Titel „Weilburg zum Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken“. Hierbei handelt es sich um ein neues, inklusives Führungsangebot, insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse nicht sehender und sehbeeinträchtigter Menschen. Aber auch alle anderen sind eingeladen, dieses Format mit kennenzulernen.

Neben diesen Besonderheiten gibt es auch bekannte Führungen wie im Jagdschloss Windhof, im Schloss Weilburg oder auch der Husarenstall. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, tief in die Geschichte von Weilburg einzutauchen.

Spuren jüdischen Lebens

Ein weiterer Schwerpunkt an diesem Tag, der sich durch den gesamten Landkreis zieht, sind die Spuren jüdischen Lebens, welche sind in den verschiedenen Orten entdecken lassen. In Weilburg verstaltet die Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben in Weilburg“ des Spielmann-Kulturverein eine fundierte Führung zur Geschichte des jüdischen Lebens. Diese findet bereits am Samstag statt.

In Hadamar ist die ehemalige Synagoge geöffnet. Neben einer selbständigen Erkundung finden auch Vorträge zum Thema statt und nachmittags ein Spaziergang durch Hadamar. Die ehemalige Synagoge in Schupbach öffnet ebenfalls ihre Türen. In Bad Camberg steht die ehemalige jüdische Schule und hier können die Besucher mehr zur Geschichte des Denkmals erfahren.

Sakralbauten laden zum Entdecken ein

Wer nochmal mehr über die verschiedenen Sakralbauten in der Region erfahren möchte, hat an dem Tag ebenfalls Gelegenheit dazu. Das Kloster Gnadenthal ist ein besonderer Ort im Goldenen Grund und lädt an diesem Tag die Besucher ein. Vor allem Familien werden angesprochen, denn die Ställe werden an diesem Tag geöffnet und laden mit Mitmach-Angeboten ein. Aber auch jeder andere is willkommen, mehr über die 790-jährige Geschichte zu erfahren.

In Hadamar wird die Fürstengruft und die Liebfrauenkirche geöffnet. Besucher können mehr zur Geschichte erfahren.

Ein buntes Programm findet rund um die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Selters statt. Vier kurze Spielszenen an vier Standorten rund um die Kirche laden zur Entdeckung ein. Im Anschluss gibt es eine Ausstellung in der Kirche sowie einen kleinen Imbiss.

Dies ist nur eine kleine Zusammenstellung. Es haben noch einige Dorfmuseum an dem Tag des offenen Denkmals geöffnet und auch einige Wohnhäuser möchten ihre Geschichte erzählen. Einen Überblick über alle Veranstaltungen im Landkreis findet ihr auf der Seite vom Tag des offenen Denkmals.

Waldbaden Limburg-Weilburg

Waldbaden im Landkreis Limburg-Weilburg: Mit allen Sinnen die Natur erleben

Stell euch vor, ihr steht auf einem weichen Waldweg. Unter euren Füßen federt der Boden leicht, irgendwo knackt ein Ast. Über euch filtert das Blätterdach das Sonnenlicht in kleine, tanzende Flecken. Ihr bleibt einen Moment stehen. Es ist still, aber nicht leer. Vögel rufen, der Wind bewegt die Kronen der Bäume, und irgendwo riecht es nach feuchtem Moos und Erde. Genau hier beginnt Waldbaden. Nicht als Sport. Nicht als Spaziergang mit Ziel. Sondern als bewusstes Eintauchen in den Wald mit allen Sinnen.

Hessen ist eines der waldreichsten Bundesländer mit rund 43 Prozent Waldfläche. Im Landkreis Limburg-Weilburg nimmt der Wald eine Fläche von rund 19,5 Prozent ein, was etwas unter dem hessischen Durchschnitt liegt. Dennoch gibt es einige schöne Waldgebiete. Diese sind nicht nur wertvoll für den Naturschutz, auch ein Aufenthalt im Wald kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Daher ist Waldbaden ein positiver Trend für unseren Körper. Ihr habt den Begriff Waldbaden noch nie gehört? Oder ihr habt schon davon gehört, könnt euch aber nichts darunter vorstellen? Dann ist dieser Beitrag eine Einladung an euch, mehr darüber zu erfahren.

Waldbaden kommt aus Japan

Waldbaden ist eine Praxis aus Japan, auch Shinrin Yoku genannt, um mit allen Sinnen langsam und bewusst in den Wald einzutauchen, um Stress abzubauen. Ihr nehmt praktisch „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes.“ Der bewusste, achtsame Aufenthalt in der Natur ist ein präventiver Baustein für unsere Gesundheit. Beim Eintauchen in den Wald verändert sich die Umgebung sofort. Das Licht verändert sich, die Geräusche verändern sich und es ist wie das Betreten einer anderen Welt.

Über uns schließen sich die Blätter zu einem durchlässigen Dach. Durch die Lücken scheint ab und an die Sonne. Sie schickt einen Lichtstrahl nach unten und sorgt für eine besondere Atmosphäre. Der Duft ist frischer, natürlicher, erdiger und man hat das Gefühl, der Wald lockt uns mit verschiedenen Gerüchen. Hier und da raschelt es, die Vögel singen ihr Lied. Die Temperatur sinkt direkt, besonders an warmen Tagen eine Erholung. Die Luft wirkt viel klarer, denn die Bäume filtern Schadstoffe aus der Luft und reichern sie mit Sauerstoff an. So viele Eindrücke, welche auf uns einwirken und uns zur Ruhe kommen lassen. Es ist wie ein tiefes Durchatmen mitten in der Natur.

Natur erleben Limburg

Japan gilt beim Thema Waldmedizin als Vorreiter. Das Waldbaden zählt dort zur nationalen Gesundheitsvorsorge. Hier wird der Wald mit seinen positiven Wirkungen so langsam wieder entdeckt. Auch wenn niemand die positiven Wirkungen so richtig benennen kann, sind diese dennoch zu spüren. Bereits der Blick auf Bäume und Blätter oder ein Mittagsspaziergang haben positive Einflüsse auf den Menschen. Wenn ihr dann noch in den Wald geht, um diesen bewusst zu erleben, dann unterstützt du dein Immunsystem und deine Gesundheit aktiv. Sich Zeit nehmen, durch den Wald schlendern und die Eindrücke bewusst in sich aufnehmen. Sehen, hören, riechen, fühlen und wer Lust hat, auch gerne schmecken. Lasst euch ruhig mal darauf ein, den Wald mit allen Sinnen zu erfühlen.

Fünf Dinge, die nach wenigen Minuten im Wald passieren

Ihr müsst nicht mal aktiv etwas dafür tun, dass etwas mit euch im Wald passiert. Der Körper reagiert von ganz allein auf die natürliche Umgebung und die Superkraft der Pflanzen. Die Waldluft wird von vielen Menschen als besonders angenehm empfunden. Zahlreiche Studien weisen zudem auf mögliche positive Effekte auf verschiedene Gesundheitsparameter hin.
Bereits nach 15 Minuten schlägt das Herz ruhiger und langsamer, der Parasympathikus wird aktiviert, der Blutdruck sinkt, der Cortisolspiegel sinkt und der Körper befindet sich nicht mehr im Alarmmodus. Die Augen entspannen sich, da sie nicht mehr ständig die Umgebung fokussieren. Das führt auch dazu, dass das Gehirn herunterschaltet. Ihr merkt es nicht direkt, aber die Nase nimmt ätherische Öle, sogenannte Terpene auf, die von den Bäumen abgegeben werden.

Studien deuten darauf hin, dass Waldbaden messbare physiologische Effekte unterstützen kann. Pflanzlichen Substanzen lassen die Anzahl der Killerzellen im Blut signifikant ansteigen und stärken das Immunsystem. In einer chronischen Anspannung ist auch der Kiefer immer angespannt. Nach wenigen Minuten im Wald lässt der Kiefer los und die Kaumuskeln entspannen sich. Ihr werdet einfach insgesamt ruhiger. Die Waldluft erhöht die Sauerstoffaufnahme im Blut und kann Entzündungswerte senken. Verstärkt wird der Effekt noch durch Barfußlaufen. Zahlreiche Studien belegen die Förderung der physischen und psychischen Gesundheit.

Spazieren oder Waldbaden – ist doch das Gleiche?

Viele gehen regelmäßig im Wald spazieren und fragen sich jetzt vielleicht, wo der Unterschied liegt. Beim Spazieren geht man durch den Wald, hat eventuell den Hund dabei, telefoniert mit jemandem, scrollt durchs Handy, hört Musik. Beim Waldbaden ist die Aufmerksamkeit eine ganz andere. Man ist bewusst im Wald unterwegs, eventuell auch langsamer. Das Handy bleibt in der Tasche. Die Konzentration liegt völlig bei der Umgebung, den Geräuschen, Gerüchen, Sinnenwahrnehmungen. Ihr nehmt die Naturerlebnisse bewusst wahr. Dahinter steht kein Muss, kein Leistungsdruck. Pausen sind immer wieder erlaubt, um einen Moment besonders in sich aufzunehmen.

Wie lange sollte man Waldbaden, um die positiven Effekte zu spüren?

Es gibt keine starren Regeln, wie lange der Aufenthalt im Wald dauern sollte. Erste Wirkungen treten bereits nach 15 bis 30 Minuten auf. Diese dienen einer kurzzeitigen Entspannung. Wenn die ätherischen Öle der Bäume im Körper ihre Wirkung entfalten sollen, dann empfiehlt sich ein Aufenthalt von einer bis drei Stunden. Nachhaltige Effekte auf den Körper gibt es bei wöchentlich zwei Stunden im Wald.

Waldbaden Limburg-Weilburg
Auch dem Kleinen Aufmerksamkeit schenken

Diese Regeln solltet Ihr beim Waldbaden beachten

Der Wald ist ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere, weshalb es wichtig ist, diese beim eigenen Aufenthalt zu schützen. Aus diesem Grund gibt es nachfolgend fünf Regeln für einen Waldbesuch.

  1. Bleibt auf den Wegen, um die Wildtiere nicht in ihren Rückzugsgebieten zu stören oder seltene Pflanzen zu zertrampeln
  2. Bewahrt Ruhe, verzichtet auf laute Musik, schreien oder Motorenlärm, um die Tiere nicht unnötig zu stressen. Der Wald ist ein Ort der Ruhe.
  3. Nehmt euren Müll und Essensreste wieder mit.
  4. Hunde gehören an die Leine.
  5. Entzündet kein offenes Feuer im Wald und raucht nicht

Waldweg Weiltal

Wann sollte man auf Waldbaden verzichten?

Waldbaden ist jederzeit möglich, denn je nach Jahreszeit hat ein Wald seine eigene Erscheinung. Vorsicht ist jedoch bei Sturm und starkem Wind geboten. Ab Windstärken von 40 km/h besteht Gefahr durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume. Der Wald ist ebenfalls bei Gewitter gefährlich durch Blitzeinschläge oder herabfallendes Totholz. Auch nach einem starken Unwetter solltet ihr den Wald bis zu drei Tage meiden, da lose Baumteile auch noch Tage später herabfallen können. Insbesondere zwischen Frühjahr und Herbst solltet ihr bei einem Waldbesuch an Zeckenschutz denken und den Körper nach dem Aufenthalt absuchen.

Waldbaden ist für jeden geeignet. Im stressigen Alltag oder mit Kindern. Spürt die unterschiedlichen Baumrinden, sammelt verschiedene Blätter, versucht die verschiedenen Vögel an ihren Gesängen zu erkennen. Diese Erfahrungen können sie ein Leben lang begleiten. Auch Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen und Senioren profitieren von regelmäßigen Aufenthalten im Wald.

Angebote im Landkreis Limburg-Weilburg

Wer das Waldbaden einmal unter fachlicher Anleitung ausprobieren möchte, findet inzwischen auch im Landkreis Limburg-Weilburg entsprechende Angebote.

  1. Die VHS Limburg-Weilburg bietet am Samstag, 11.Juli 2026 ab 14 Uhr in Bad Camberg einen Ferienkurs ab 16 Jahre unter dem Titel „Waldbaden mit Hängemattenauszeit: Die Seele baumeln und den Wald wirken lassen“ an. In diesem Kurs muss nichts sein und es geht ums langsame Entschleunigen.
  2. Ebenfalls über die VHS Limburg-Weilburg wird am Samstag, den 26. September 2026 ab 10 Uhr eine Waldpause in Hünfelden-Kirberg angeboten.

Wer im Landkreis Limburg-Weilburg Entspannung in der Natur sucht, findet dafür viele geeignete Orte. Dafür benötigt ihr keine besondere Ausrüstung. Bequeme Kleidung, festes Schuhwerk und etwas Zeit reichen völlig aus. Ob am Heidenhäuschen bei Hadamar, auf dem Blasiussteig bei Dornburg, entlang der ehemaligen Kerkerbachbahn oder im Weiltal: Der nächste Wald ist oft näher, als man denkt. Vielleicht nehmt ihr euch bei eurem nächsten Spaziergang einfach etwas mehr Zeit, lauscht den Geräuschen des Waldes und entdeckt eure Umgebung einmal ganz bewusst. Manchmal liegt die beste Auszeit direkt vor der eigenen Haustür.

Waldweg Heidenhäuschen

Wissenschaftliche Quellen zum Waldbaden

Die gesundheitlichen Wirkungen des Waldbadens (Shinrin Yoku) wurden in den letzten Jahren in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht. Besonders häufig beschrieben werden dabei Effekte auf Stress, Herz-Kreislauf-System und das allgemeine Wohlbefinden.

Park et al. (2010): The physiological effects of Shinrin-yoku – Grundlegende Studie zu physiologischen Effekten des Waldbadens
Systematic Review (Environmental Health and Preventive Medicine, 2019) –
Systematische Übersichtsarbeit, die zahlreiche Einzelstudien auswertet und Hinweise auf positive Effekte auf Stress, Stimmung und verschiedene physiologische Parameter zusammenfasst.
Qing Li et al., Forest Bathing and Immune Function –
Überblicksarbeit eines der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet, insbesondere zu Stressreduktion und möglichen Effekten auf das Immunsystem
Forest Medicine Forschung – 
In Japan und international wird Waldbaden im Rahmen der sogenannten „Forest Medicine“ weiter erforscht. Dabei stehen mögliche Zusammenhänge zwischen Naturaufenthalten, Stressreduktion und Gesundheit im Mittelpunkt.

Die genannten Arbeiten zeigen insgesamt Hinweise auf positive gesundheitliche Effekte von Aufenthalten im Wald. Die Forschung befindet sich jedoch weiterhin in Entwicklung, insbesondere bei langfristigen Wirkungen.

Fachwerkhäuser in Limburg

Fachwerkhäuser in Limburg – Geschichten aus der Altstadt

Die Fachwerkhäuser in Limburg zählen zu den schönsten Fachwerkensembles Deutschlands. Mit sieben erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor 1300 und zahlreichen mittelalterlichen Häusern bieten sie einen einzigartigen Einblick in die Geschichte des Fachwerkbaus. Bei einer Fachwerkführung habe ich spannende Geschichten und Hintergründe über die historischen Gebäude erfahren.

Wenn ihr durch die Altstadt von Limburg an der Lahn spaziert, wirkt es ein wenig, als würdet ihr in ein lebendiges Bilderbuch eintauchen. Eng verwinkelte Gassen, Kopfsteinpflaster und ein geschlossenes Ensemble aus liebevoll erhaltenen Fachwerkhäusern erzählen hier Geschichten, die weit über unsere Zeit hinausreichen. Sie führen direkt hinein ins frühe Mittelalter. Besonders bemerkenswert ist, dass Limburg mit seinen sieben erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor 1300 eine architektonische Seltenheit bewahrt hat. In dieser Dichte ist dies kaum ein zweites Mal zu finden. Mitten in diesem historischen Gefüge steht mit dem „Römer 2-4-6“ eines der ältesten freistehenden Fachwerkhäuser Deutschlands. Ein Bauwerk, das nicht nur durch sein Alter beeindruckt, sondern auch durch seine besondere Bedeutung für die Forschung: Es war eines der ersten Fachwerkhäuser Deutschlands, dessen Alter durch wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen werden konnte.

Wie alt ist Fachwerk wirklich?

Besonders faszinierend fand ich die Erklärung zur Bestimmung des Alters der Häuser. Die Forschenden nutzen dafür die sogenannte Dendrochronologie. Jeder Baum hinterlässt in seinem Holz eine Art natürlichen Fingerabdruck aus Jahresringen. Anhand dieser Ringmuster lässt sich genau feststellen, wann ein Baum gefällt wurde. Da die Zimmerleute die Stämme damals meist direkt nach dem Fällen verbauten, kann man daraus auch das Alter eines Hauses ableiten. Dabei kam bei den Holzarbeiten immer nur die Axt zum Einsatz und keine Säge. Durch diese Behandlung war das Holz länger haltbar. So zeigten Untersuchungen, dass einige Gebäude der Limburger Altstadt bereits vor mehr als 700 Jahren errichtet wurden. Was für den Besucher wie ein altes Fachwerkhaus aussieht, ist damit tatsächlich ein Stück Mittelalter, das bis heute erhalten geblieben ist.

Fachwerkhäuser-Limburg

In der historischen Altstadt von Limburg wird Fachwerk nicht nur sichtbar, sondern spürbar als Ausdruck von Handwerk, Alltagsleben und Baukunst über Jahrhunderte hinweg. Ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie viel Geschichte in diesen Balken steckt, wenn man genau hinschaut. Ich besuche sehr gerne die Altstadt, gehe seit über 20 Jahren bekannte Wege und entdecke dennoch immer wieder was Neues. Es lohnt sich, nicht nur unten zu schauen, sondern auch den Blick nach oben zu richten, denn auch dort lassen sich Kunst, Kultur und Geschichte entdecken.

Vor Jahren hatte ich schonmal die Gelegenheit, den Römer 2-4-6 von innen zu sehen und einiges über die Geschichte dieses Hauses zu erfahren. In letzter Zeit wuchs die Neugierde auf die Geschichten hinter den Fassaden der anderen Häuser und so nahm ich vor kurzem an einer Fachwerkführung der Tourist-Information teil und lauschte den spannenden Ausführungen des Limburgführers.

Der Ursprung der heutigen Altstadt liegt in einer Katastrophe: Im Jahr 1289 zerstörte ein verheerender Brand die Bebauung unterhalb des Dombergs nahezu vollständig. Da Limburg bereits damals als bedeutende Handelsstadt an der Hohen Straße zwischen Frankfurt und Köln florierte, konnte der Wiederaufbau rasch erfolgen. Heute existieren 360 Häuser in der Altstadt. Es gibt nur weniger Städte in Deutschland, in denen die mittelalterliche Bebauung nahezu erhalten ist.

Die Sanierung der Limburger Altstadt

In den 1970/80er Jahren war die Altstadt sehr heruntergekommen. Viele Gebäude befanden sich in einem schlechten Zustand, Fassaden waren verwittert und zahlreiche Häuser standen vor dem Verfall. Die Politik stellte damals Überlegungen an, ob die Gebäude alle abgerissen oder in die Erhaltung investiert werden sollte. Man entschied sich für die Sanierung und die gesamte Altstadt steht heute unter Denkmalschutz. Durch Förderungen und auch bis heute sehr liebevolle Sanierungen sind seit den 1970er Jahren über 24 Millionen Euro in den Erhalt der Altstadt geflossen. Durch die farbigen Fassaden wirken die Gassen heute freundlicher und heller als damals. Alle Fachwerkhäuser in Limburg wurden in Skelettbauweise errichtet. Das bedeutet, die vorwiegend aus Eichenholz gewonnenen Balken wurden senkrecht und waagerecht miteinander verbunden und mit einem Lehm-Stroh-Gemisch und später mit Lehmziegeln ausgekleidet.

Dabei lassen sich zwei Typen an Bauweisen bei den Fachwerkhäusern finden. Vor dem 15. Jahrhundert hat man sehr oft die Ständerbauweise, bei der ein langer Eckständer von unten bis oben hindurchgeht. Da lange Eichenstämme zunehmend schwerer zu beschaffen waren, setzte sich ab dem 15. Jahrhundert die Rahmenbauweise durch. Bei diesen Häusern sind die Eckständer nur noch ein Stockwerk hoch und es wird ein Rahmen aufgelegt, auf dem dann die nächste Etage aufgebaut wird. Bei der Rahmenbauweise kamen dann zusätzlich Schmuckformen aus Holz hinzu wie das Andreaskreuz oder der Hessenmann. Neben ihrer statischen Funktion dienten diese Elemente oft auch als dekorativer Schmuck und verliehen den Häusern ihr charakteristisches Erscheinungsbild. Um 15hundert tauchen auch mal ovale Schmuckformen auf, wie bei einem Haus am Bischofsplatz zu sehen. Später findet man diese Bauweise nicht mehr vor.

Fachwerkhäuser Limburg

Fachwerkhäuser Limburg – lebendige Geschichte

Fachwerk ist übrigens nicht gleich Fachwerk. In Deutschland werden die historischen Fachwerkhäuser meist drei großen Regionen zugeordnet: dem norddeutschen, dem mitteldeutschen und dem süddeutschen Fachwerk. Limburg gehört dabei zum mitteldeutschen Fachwerkraum. Typisch für diese Bauweise sind mehrgeschossige Bürgerhäuser mit vorkragenden Obergeschossen, dekorativen Schmuckformen und einer oft aufwendigen Gestaltung der Fassaden. Gerade in wohlhabenden Handelsstädten wie Limburg spiegelte sich der Wohlstand der Bewohner auch in der Architektur wider. Wer durch die Altstadt geht, entdeckt deshalb nicht nur Häuser, sondern auch kunstvolle Zimmermannsarbeit aus mehreren Jahrhunderten.

Beim Gang durch die Altstadt wird aber auch deutlich, dass hier Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensverhältnissen wohnten. Neben repräsentativen Häusern wohlhabender Kaufleute finden sich auch deutlich kleinere Gebäude. In der Fleischgasse stehen beispielsweise Häuser mit einer Grundfläche von nur rund 21 Quadratmetern, die einst Handwerkern und ihren Familien als Zuhause dienten. Gerade diese Mischung aus großen und kleinen Gebäuden macht den besonderen Reiz der Limburger Altstadt aus und vermittelt bis heute ein lebendiges Bild des mittelalterlichen Stadtlebens.

Es gibt einige Schmuckstücke in der Limburger Altstadt wie der bereits erwähnte Römer 2-4-6, der Geschichte erzählt. Ein weiteres Haus, welches mit zu den ältesten zählt, findet sich in der Kolpingstraße aus dem Jahr 1290. Auch dieses Haus sollte eigentlich abgerissen werden. Als bei der Untersuchung der Hölzer jedoch das Alter des Hauses ermittelt wurde, entschied man sich für eine Sanierung.

Fachwerkhäuser Limburg

In der Barfüßergasse gibt es Häuser, die sich aufgrund ihrer Fassade wunderbar in das Fachwerkensembles einfügen. Doch der Stadtführer erzählte die Geschichte dahinter. Manche Häuser waren so marode, dass man sich bei der Sanierung für den Erhalt der Fassaden entschieden hatte, aber das Haus an sich abgerissen hatte und durch einen massiven Bau ersetzte. Wie auf dem unteren Bild zu sehen, lässt sich dies nicht anhand des Erscheinungsbildes erahnen.

Fachwerkhäuser Limburg

Historischen Hallenhäuser der Limburger Altstadt

Ein besonderes Merkmal der Limburger Altstadt sind die Hallenhäuser. Rund 40 dieser Gebäude haben sich bis heute erhalten. Die erste Etage war meist als riesige Halle mit einer Höhe über fünf Meter konzipiert. Sie diente als Empfangsraum oder auch Lagerraum der Händler. In den oberen Etagen wohnten die Menschen. Als im 18./19. Jahrhundert der Wohnraum knapp wurde, wurden häufig Zwischendecken in diese Hallen eingezogen und bei der Sanierung wieder entfernt. Die Spuren dieser Zwischendecken sind bis heute im Holz zu sehen.

Das Besondere an Limburg sind nicht nur einzelne herausragende Gebäude. Erst das Zusammenspiel von engen Gassen, kleinen Handwerkerhäusern, großen Kaufmannshäusern und dem Dom über der Altstadt vermittelt noch heute einen Eindruck davon, wie eine mittelalterliche Stadt einst ausgesehen haben könnte. Viele der Häuser standen bereits, als Ritter, Händler und Pilger durch Limburg zogen. Sie überstanden Brände, Kriege, wirtschaftliche Krisen und den Wandel der Jahrhunderte. Dass sie heute noch das Stadtbild prägen, ist alles andere als selbstverständlich. Wer durch die Gassen der Altstadt geht, entdeckt einen außergewöhnlichen Schatz mittelalterlicher Baukunst. Viele der Gebäude zählen zu den ältesten erhaltenen Fachwerkhäusern Deutschlands. Sie erzählen Geschichten aus einer Zeit, als Limburg bereits eine bedeutende Handelsstadt war.

Auch nach mehr als 20 Jahren hier vor Ort habe ich bei dieser Führung neue Details an Fassaden, Balken oder Gassen entdeckt und nochmal neue Seiten an der Altstadt kennengelernt. Und vielleicht macht genau das den besonderen Reiz der Limburger Altstadt aus. Dieser Beitrag kann nur einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt des Limburger Fachwerks geben. Wer tiefer eintauchen möchte, dem kann ich eine Fachwerkführung der Tourist-Information nur empfehlen. Viele Details und Geschichten erschließen sich erst, wenn man mit offenen Augen durch die Gassen geht und weiß, worauf man achten muss.

Weitere Informationen

Ihr möchtet gerne selbst die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern in Limburg im Rahmen einer Führung entdecken? Dann informiert Euch gerne bei der Tourist-Info.

Homepage

 Kontakt:
 Telefon:  06431 – 6166
E-Mail: touristinfo@stadt.limburg.de

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag 10 – 16 Uhr
Sonntag 11 – 15 Uhr (April- Ende Oktober)
Feiertage 11 -15 Uhr
Sonntage im Advent 11 – 15 Uhr

Lahnmarmor in der Architektur

Opulenz in Stein – Lahnmarmor in der Architektur

Lahnmarmor kommt manchmal ganz unscheinbar daher und manchmal hochpoliert richtig edel und faszinierend. Seit dem 16. Jahrhundert spielte er eine große Rolle in der Region. Willi Wabel präsentiert in seinem neuen Buch den Lahnmarmor in der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Hier im Landkreis Limburg-Weilburg könnt ihr euch vielfältig auf die Spuren des Lahnmarmors begeben – begonnen bei dem Lahn-Marmor-Museum in Villmar bis hin zu den vielfältigen Arbeiten in den Kirchen und Gebäuden im Landkreis. Seine Nutzung blieb nicht auf den Landkreis beschränkt, sondern der Lahnmarmor war ein beliebter Stein auf der ganzen Welt. Die erste Blütezeit des Lahnmarmors liegt in der Barockzeit. Für die Ausstattung repräsentativer Gebäude war der farbenprächtige, faszinierend gemusterte Stein besonders beliebt. Doch in dem vorliegenden Buch geht es speziell um die Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, wo dieser besondere Stein verwendet wurde.

Lahnmarmor und Opulenz

Sehr vielfältig war die Nutzung des Lahnmarmors oder auch „Nassauer Marmor“ – begonnen bei Marmorbrunnen über Denkmäler bis hin zur prunkvollen, opulenten Ausstattung von Schlössern und Sakralbauten. In der betrachteten Epoche gab es zahlreiche verschiedene Baustile. Waren die Anfänge noch stark vom Klassizismus geprägt, gibt es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den sogenannten Historismus. Hier finden sich Stile aus Romantik, Gotik, Renaissance oder dem Barock. Neben der einzelnen Nutzung von Stilelementen kommt es in dieser Zeit auch zu einer Vermischung mehrere Stile, dem sogenannten Eklektizismus. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin entwickelt sich mehr und mehr der Jugendstil, bevor die Rückkehr zur Sachlichkeit geschieht und die geschwungenen Formen wieder verschwinden. Auch in der Architektur der Nationalsozialisten fand der Lahnmarmor Verwendung. Um 1920 stieg die Nachfrage aus der USA nach diesem besonderen Stein.

In seinem Buch nimmt Willi Wabel den interessierten Leser mit auf eine Reise durch die Architektur. Er ordnet die Entstehung der verschiedenen Gebäude in die damaligen politischen Verhältnisse ein. War die Nutzung dieses Steins vor der Französischen Revolution hauptsächlich kirchlichen Auftraggebern vorbehalten, gab es nach der Revolution auch mehr und mehr eine weltliche Nutzung.

Neben seinem Text nehmen 440 Abbildungen den Leser auf dieser Entdeckungsreise mit durch Deutschland, ins benachbarte Ausland und in die USA, wo es zahlreiche Verwendungen des Lahnmarmors zu finden gibt. Neben den verschiedenen Arbeiten stellt Wabel auch die Architekten vor, die mit diesem Baustoff arbeiteten. Es gibt ebenfalls einen kleinen Einblick in den Abbau des Lahnmarmors. In diesem Buch gibt es jedoch keinen Teil, welcher sich mit der Geologie dieses Gesteins umfasst.

Informationen zum Buch

„Opulenz in Stein“, ist im Buchhandel erhältlich. Zudem kann es beim Verlag der Historischen Kommission für Nassau per E-Mail an info@hiko-nassau.de bestellt werden. Der Bild- und Textband von Willi Wabel kostet 24 Euro. ISBN 978-3-930221-44-8

Die Historische Kommission für Nassau gibt die Reihen „Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau“ und „Beiträge zur Geschichte Nassaus und des Landes Hessen“ im Eigenverlag heraus. Weitere Publikationen findet ihr auf der Homepage der Historischen Kommission für Nassau.

Ihr möchtet mehr über den Lahnmarmor erfahren? Dann schaut auch gerne hier auf der Seite, wo ihr ihn entdecken könnt. Beginnen könnt ihr eure Entdeckungsreise vor Ort im Lahn-Marmor-Museum in Villmar.

Krippenmuseum Hadamar

Krippenmuseum Hadamar – Reise um die Welt

Einige Jahre war es still, doch in diesem Jahr öffnet das Krippenmuseum Hadamar wieder seine Tore und präsentiert Weihnachtskrippen aus aller Welt. Rund 300 Exemplare sind ausgestellt. Dies ist nur ein Drittel der kompletten Sammlung von Pfarrer Dieter Lippert.

Eines haben alle Krippe gemeinsam: Josef und Maria sitzen um eine Krippe, in welcher Jesus als Baby liegt. Je nach Größe kommen noch Schaf, Esel und Ochse hinzu sowie Hirten und die drei Heiligen Könige. Dies war es bereits an Gemeinsamkeiten. Die Ausgestaltung und Interpretation dieser Szene ist weltweit sehr vielgestaltig. Von einfach bis detailiert, von einfarbig bis bunt, von winzig klein bis richtig groß ist alles dabei. Seit 2012 hat das Krippenmuseum ein festes Zuhause im ehemaligen Haus des Stallmeisters in Hadamar. Nach einer mehrjährigen Pause hat es dieses Jahr zur Weihnachtszeit wieder geöffnet.

„Fürstliches“ Krippenmuseum Hadamar

Das Krippenmuseum befindet sich auf historischem Boden im südlichen Seitenflügel des ehemaligen fürstlichen Marstallgebäudes am Schlossplatz. Die Ausstellung ist in der ehemaligen Wohnung des Stallmeisters aufgebaut und lädt zum Entdecken ein. In mehreren Räumen nimmt das Museum die Besucher auf eine Reise um die Welt mit und zeigt verschiedene Interpretationen den Themas. Von ganz einfach nur auf die kleine Familie beschränkt bis hin zu großen, detailreichen Szenen lässt sich sehr viel erkunden.

Bei den verwendeten Materialien gibt es keine Grenzen. Verschiedene Holzarten wie Eiche, Bambus oder Olivenholz, aber auch andere Naturmaterialien wie Maisblätter, Kokosnuss oder Stroh wurden für Krippen verwendet. Es gibt Ausstellungsstücke aus Glas, Ton, Kupfer, Bronze, Plastik, Spreckstein, Wolle oder Papier. Auch Altmetalle oder Kartons werden recycelt und als Krippen neu arrangiert. Und so vielfältig wie die Materialien so vielfältig sind auch die Krippen, welche auf die Besucher warten.

Mit offenen Augen durchs Museum

Aus aller Welt finden sich Krippen im Krippenmuseum. Wer zur Tür hineinkommt, wird an einem kleinen Eingangsbereich begrüßt. Für die kleinen Besucher gibt es ein Suchspiel. In diesem Bereich steht eine riesige Krippe, die Erstaunen hervor ruft aufgrund ihrer schönen Figuren. Die 30 bis 40 Zentimeter großen Gipsfiguren stammen aus den 1920er Jahren aus einer Kirche.

Krippenmuseum Hadamar

Im ersten Raum gibt es die alpenländlichen Krippenszenen zu bestaunen. Diese stammen aus dem Pustertal, dem Ahrntal und dem Grödnertal in Südtirol. Weiter geht es in den europäischen Bereich, wo vor allem die Krakauer Weihnachtskrippe die Betrachter anzieht. Sehr farbenprächtig und detailreich präsentiert sich die Bethlehem-Krippe als kunstreiches Schmuckstück. Ein Gebäude mit bunten Stanniolpapier verziert und mit zahlreichen miniaturisierten, architektonischen Details wirkt sehr phantasievoll in mitten der anderen Krippen.

Krippenmuseum Hadamar

Krippenmuseum Hadamar

Weiterhin gibt es kurioses zu entdecken wie quadratische Bauklötze mit der Aufschrift Jesus, Maria und Josef oder einfache Schriftzüge. Interessant auch die südamerikanischen Krippen. Von Tontöpfen inspiriert haben die Figuren ein kugelförmiges aussehen. Aus Afrika gibt es ebenfalls verschiedene Interpretationen dieser biblischen Szene. Hier fasziniert vor allem die Recycling-Krippe aus Altmetall und Zündkerzen. Die ärmeren Länder bedienen sich der Dinge, die sie haben. Ebenfalls von namhaften Marken wie Swarowski und Rosenthal gibt es Krippeninterpretationen zu finden.

Krippenmuseum Hadamar

Miniaturkrippen

Vater des Krippenmuseums

Vater des Krippenmuseums ist Pfarrer Dieter Lippert, welcher eher durch die Fügung verschiedene Umstände dazu kam. Er fing an seinem Wirkungsort im Oberwesterwald mit einer ersten Krippenausstellung an und war selbst überrascht, dass er daraufhin weitere Krippen geschenkt bekam. Inzwischen ist die Sammlung auf 900 Krippen angewachsen. Mit dem Einzug in das Haus des ehemaligen Stallmeisters 2012 übertrug er seine Sammlung als Schenkung an die Stadt Hadamar, kümmert sich aber noch vollständig um sie. Auf seinen vielen Reisen hielt er immer die Augen offen nach neuen Krippen. Er weiß viel zu den Stücken zu erzählen und nimmt sich auch gerne Zeit für Führungen. Durch die Coronapandemie und den gesundheitlichen Zustand von Pfarrer Lippert war das Museum einige Jahre geschlossen. Doch der Stadt Hadamar war es wichtig, den Touristmagnet in der Adventszeit wieder zu eröffnen. Dank dem Engagement vieler Ehrenamtlicher ist dies wieder möglich.

Es lohnt sich, etwas Zeit einzuplanen, um die Vielfalt an Krippen zu entdecken und ihre verschiedenen Ausdrucksweisen in sich aufzunehmen. Die verschiedenen Interpretationen sind zauberhaft.

Wenn ihr das Krippenmuseum besucht, empfehle ich euch, einen Abstecher in die Kirche St. Nepomuk zu machen, wo eine sehr schöne Krippe aufgebaut ist. Diese stammt aus Südtirol vom Künstler Helmut Gebhard Piccolruaz.

Krippe St. Nepomuk

Informationen

Anschrift

Krippenmuseum Hadamar
Schlossplatz 10
65589 Hadamar

Öffnungszeiten Krippenmuseum Hadamar

Während der „Schlossweihnacht“ am ersten und zweiten Adventswochenende ist das Krippenmuseum geöffnet.

Weitere Öffnungszeiten an den folgenden Wochenenden, jeweils 14.00-17.00 Uhr
Samstag & Sonntag, 13. & 14.12.2025
Samstag & Sonntag, 20. & 21.12.2025
Samstag & Sonntag, 27. & 28.12.2025
Samstag & Sonntag, 03. & 04.01.2026
Dienstag (Hl. Drei Könige), 06.01.2026
Samstag & Sonntag, 10. & 11.01.2026

Eintrittspreise

Eintritt frei, über Spenden freut sich das Museum

Weitere Informationen

Weitere Informationen findet Ihr auf der Internetseite vom Krippenmuseum.

Das Krippenmuseum ist nicht barrierefrei.

Ihr habt Interesse an verschiedenen Weihnachtskrippen? Dann empfehle ich zum einen den Besuch der Kirchen im Landkreis, in denen sich wahre Kostbarkeiten finden lassen. Zudem lädt auch das Diözesanmuseum mit einer Krippenausstellung ein. In diesem Jahr geht es um die Entstehung der Weihnachtskrippen und Franz von Assisi.

 

 

 

 

Krippenausstellung Diözesanmuseum

Krippenausstellung „…und das Wort wurde Bild“

.Nächstes Jahr jährt sich der Todestag von Franz von Assisi zum 800. Mal. Er gilt als Begründer der Krippen, um die Geburt Jesus darzustellen. Diesem Thema widmet sich die diesjährige Krippenausstellung im Diözesanmuseum.

Betritt man den Raum, dominiert ein eine große Holzkonstruktion den Raum. Sie symbolisiert den Stall und ist angelehnt an die Entstehung der ersten Weihnachtskrippe in Greccio um 1223. Der Ursprung der Weihnachtskrippe ist zwar nicht eindeutig belegt, doch wird sie auf Franz von Assisi zurückgeführt. Er erweckte eine Krippentradition, welche bis heute besteht.

Krippenausstellung Diözesanmuseum

Mit Erlaubnis des damaligen Papstes inszinierte Franz von Assisi ein lebendiges Krippenspiel mit dem Ziel, „den des Lesens Unkundigen die heilige Schrift und die Weihnachtsgeschichte anschaulich zu machen“. In Erinnerung an dieses historische Ereignis ist der „Stall“ im Zentrum der Ausstellung dem Stall auf dem Fresko der Geburt Christi in der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi von Maler Giotto di Bondone nachempfunden.

Die Figuren der Krippe in der Ausstellung sind um 1880 entstanden und stammen aus der Brüderkapelle in Hadamar. Heute befinden sie sich in Privatbesitz und sind eine Leihgabe für diese Ausstellung.

Krippenausstellung Diözesanmuseum

Warum Erinnerung an Franz von Assisi?

Manch einer mag sich fragen, warum eine Ausstellung in Limburg Franz von Assisi gewidmet wird und warum sein 800. Todestag eine Rolle spielt? Franz von Assisi stammt aus einem reichem Elternhaus und hatte eine wohlbehütete Kindheit. Doch durch das Erleben von Krieg und einer Kriegsgefangenschaft brach er mit seinem bisherigen Leben. Zwischen 1207 und 1209 entstand aus seiner Lebenswende die kirchliche Bewegung der Franziskaner. Die Franziskaner verpflichteten sich zu einem Leben in Armut und Einfachheit, verbunden mit einer Hinwendung zu Gott und einer Haltung des Friedens und der Nächstenliebe. Es handelte sich um einen Bettelorden.

Ein Kaufmann aus Limburg reiste nach Italien und brachte von dort zwei Franziskaner mit nach Limburg. Auch wenn diese zwei Franziskaner wohl Limburg wieder verließen, waren erste Bande geknüpft. Um 1232 ließen sie sich als Orden in Limburg nieder. Die heutige Stadtkirche war damals die älteste Franziskanerkirche auf deutschem Boden. Somit hat Limburg eine Verbindung zu Franz von Assisi. Damit hat der Todestag des Heiligen Franziskus auch eine Bedeutung für die Kreisstadt.

Krippenausstellung trifft Tradition

Franz von Assisi wollte mit der Darstellung in Greccio „das Andenken des Knaben feiern, der in Bethlehem geboren wurde“. Jeder Mensch sollte diese Geschichte mit den eigenen Augen sehen können. Um diese Tradition fortzuführen, präsentiert das Diözesanmuseum in seiner diesjährigen Krippenausstellung verschiedene Krippen wie auch Bildnisse, die alle das gleiche Motiv zum Inhalt haben, dieses aber unterschiedlich interpretieren.

Faszinierend und so noch nie gesehen war eine eine Krippe aus den 1990er Jahren. Dies ist aus Ton von Marianne Haas, welche das Thema Inklusion und Vielfalt zum Thema hat. Eine moderne Krippe, welche zum entdecken, reflektieren und erkunden einlädt.

Krippenausstellung Diözesanmuseum

Bereits seit einigen Jahren ist die Neapolitanische Krippe ein Highlight in der Krippenausstellung. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und zeigt neben der Geburt Jesu auch viele Einzelheiten des alltäglichen Lebens.
Besucht gerne die Ausstellung und entdeckt die verschiedenen Darstellungen der Szene durch die verschiedenen Jahrhunderte hindurch. Von einer Ofenplatte aus 1460/70 bis hin zu der inklusiven Darstellung aus 1990 stehen Maria und Josefs immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Doch es sind auch die Blickweisen der einzelnen Epochen ableitbar und zeigt den Wandel in der kirchlichen Geschichte.

Krippenausstellung Diözesanmuseum

Informationen

Weitere Informationen findet ihr auf der Seite vom Diözesanmuseum.

Die Krippenausstellung kann dienstags bis samstags von 10 bis 13 Uhr, sowie von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr besucht werden.

An Heiligabend und am 1. Weihnachtstag bleibt das Museum geschlossen. Nach der Ausstellung schließt das Museum bis zum Frühjahr.

Ihr habt Interesse an weiteren Krippen? Dann besucht gerne das Krippenmuseum in Hadamar sowie die zahlreichen Kirchen im Landkreis.

Schwibbogen aus dem Erzgebirge

Erzgebirge in Limburg – Engel, Bergmann und Lichterglanz

Wer die Handwerkskunst aus dem Erzgebirge liebt, wird seit Anfang Oktober in Limburg fündig. Hier hat ein kleines, feines Geschäft eröffnet, welches mit seinem warmen Licht zum Stöbern und Entdecken einlädt.

„Engel & Bergmann“ steht groß über dem Geschäft in der Fleischgasse in Limburg, ein gelber Stern und ein riesiger Nussknacker vor der Tür laden zum Näherkommen ein. Zwischen Sardolci Feinkost, Lilo`s Laden, Galerie auf der Treppe und dem Wollladen fügt sich das Geschäft mit der hochqualitativen Ware sehr gut in diese kleine Gasse in der Limburger Altstadt ein.

Ein mannshoher Nussknacker steht vor einem Geschäft in Limburg

Handwerk aus dem Erzgebirge

Kleine musizierende Engelchen neben Rauchermännern, die verschiedene Aktivitäten darstellen, Schwiebbögen aus Holz neben Holzpyramiden, Nussknacker neben Herrnhuther Sternen – wunderbare Handwerkskunst aus dem Erzgebirge gibt es in dem Geschäft zu bestaunen und zu erwerben.

Anfang Oktober haben die beiden Zwillingsschwestern Konstanze Neu-Müller und Ulrike Wingenbach den Laden in der Fleischgasse eröffnet. Ihre Mutter kommt aus Annaberg-Buchholz und zeitlebens hat die Familie eine enge Verbindung zum Erzgebirge. Seit vielen Jahren haben die beiden die Musik aus dem Erzgebirge bereits hier nach Hessen geholt und bei so manch musikalischer Veranstaltung den Menschen ein heimeliges Gefühl beschert. Nun bringt ihr Geschäft die Augen der Menschen zum leuchten. „Wir sind ein Glücklichmach-Laden“, so die beiden. Die Menschen, die durch die Gassen gehen, bleiben vor dem Laden stehen, werden neugierig und spätestens, wenn sie den Laden betreten, beginnen die Augen zu leuchten. Dies ist auch der Anspruch der beiden, dass sich die Menschen bei ihnen wohlfühlen. Im Hintergrund läuft Musik aus dem Erzgebirge und wer freundlich ist, bekommt auch mal ein kleines Ständchen gesungen.

Constanze Neu-Müller und Ulrike Wingenbach

Handwerkskunst im Erzgebirge

Viele der kunstvollen Figuren, die in der Fleischgasse zu finden sind, haben ihre Wurzeln tief in der Geschichte des Erzgebirges. Als im 17./18. Jahrhundert zurückging, begannen vor allem die Männer im Winter mit Holzschnitzarbeiten, um durch den Verkauf der Figuren ihre Familien zu ernähren. Was einst als Nebenerwerb der Bergleute begann, wurde über Generationen zur Lebenskunst – und machte das Erzgebirge zur Wiege der weihnachtlichen Volkskunst. Zentren dieser Kunst sind neben Annaberg-Buchholz auch Seiffen, Olbernhau und Marienberg.

Rauchermännchen aus dem Erzgebirge

Engel und Bergmann

Engel und Bergmann sind beliebte Figuren und gehören zu den ältesten Motiven der erzgebirgischen Handwerkskunst. Bereits im 17. Jahrhundert fanden in den Kirchen des Erzgebirges kunstvoll geschnitzte Bergmannsfiguren als Kerzenhalter ihren Platz statt der üblichen Altarleuchten. Damit begann eine Tradition, die tief im Herzen der Region verwurzelt ist: die Sehnsucht der Bergleute nach Licht und Wärme.

Denn Licht war im harten, gefährlichen Alltag unter Tage weit mehr als nur Helligkeit. Es stand für Leben, Hoffnung und Gesundheit. Der alte Bergmannsgruß „Glück auf!“ erinnert bis heute an diese Zeit. Nachts stellten die Familien der Bergleute einen sogenannten Lichterbergmann ins Fenster, um die Dunkelheit zu vertreiben und den Männern den Heimweg zu erhellen.

Im Laufe der Jahre gesellte sich der Lichterengel als zweite Figur dazu. Während der Bergmann den Alltag der arbeitenden Bevölkerung widerspiegelte, hatte der Engel einen religiösen Ursprung. Im Erzgebirge wurde es zur schönen Tradition, zur Adventszeit für jeden Jungen im Haus einen Bergmann und für jedes Mädchen einen Engel ins Fenster zu stellen. Bei winterlichen Spaziergängen ergab sich so ein stimmungsvolles Bild und zugleich ließ sich ablesen, wie viele Kinder in einem Haus lebten.

Engel und Bergmann aus dem Erzgebirge

Licht als Hoffnungsträger

Oft erscheinen Engel und Bergmann als Paar, was auf einen alten erzgebirgischen Glauben zurückgeht. Sie beide symbolisieren die Einheit von Glaube und Arbeit, von Schutz und Stärke und stehen für Heimat. Der Bergmann trägt dabei seinen schwarzen Kittel, weiße Hosen und den charakteristischen Hut, während der Engel im weißen Kleid, mit verzierten Flügeln und bunter Schürze erstrahlt – ein Sinnbild für Licht, Hoffnung und die tiefe Verbundenheit dieser Region mit ihrem Handwerk. Sie sind beliebte Figuren für Fenster in der Adventszeit.

Wer durch den Laden schlendert, entdeckt nicht nur die bekannten Engel und Bergmänner, sondern auch die ganze Vielfalt erzgebirgischer Volkskunst: von kunstvoll gedrechselten Räuchermännern über filigrane Schwibbögen bis zu den leuchtenden Herrnhuter Sternen aus der Oberlausitz. Jedes Stück erzählt von Handwerk, Glaube und einer tiefen Sehnsucht nach Licht. Dies ist eine Tradition, die bis heute Menschen in ganz Deutschland verbindet.

Wer durch die Limburger Altstadt bummelt, sollte hier unbedingt einen Stopp einlegen. Der Laden ist nicht nur ein Paradies für Liebhaber erzgebirgischer Kunst, sondern auch ein Ort zum Innehalten und Staunen. Der kleine Laden in der Limburger Altstadt verbindet Geschichte und Gegenwart. Er erinnert daran, dass echtes Handwerk, Licht und Wärme auch heute noch den Menschen eine Freude machen. Ihr möchtet noch mehr in Limburg entdecken? Dann schaut doch gerne in den Beitrag „101 Dinge, die Du in Limburg gemacht haben musst“ rein.

Schaut gerne auch auf dem Instagram-Kanal vorbei und verschafft euch einen ersten Einblick.

Informationen

Öffnungszeiten

Adresse
Fleischgasse 15, 65549 Limburg
Orchester aus Engeln aus dem Erzgebirge
Spuren des Lahn-Marmors in der Stadtkirche Limburg

Auf den Spuren des Lahn-Marmors in Limburg

Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es zahlreiche Spuren des Lahn-Marmors zu entdecken. Bei einer Führung waren wir in Limburg unterwegs.

Entlang der Lahn hat sich über die verschiedenen Erdzeitalter und damit verbundenen plattentektonischen Bewegungen ein ganz besonderer, polierfähiger Kalkstein gebildet, der als Lahn-Marmor weltweit bekannt ist. Auch wenn er seit den 1970er Jahren nicht mehr abgebaut wird, sind nicht nur auf der Welt, sondern auch im Landkreis Limburg-Weilburg seine Spuren zu finden.

Spuren des Lahn-Marmors

In diesem Jahr widmet das Lahn-Marmor-Museum in Villmar dem Lahn-Marmor im Barock eine Sonderausstellung verbunden mit einigen Führungen in der Region. Die Barockzeit gilt als erste Blütezeit des Lahn-Marmors. Der farbenprächtige, faszinierend gemusterte Stein war beliebt für die Ausstattung repräsentativer Gebäude wie Schlösser und Kirchen. Auf Hochglanz poliert machte er einiges her.

Zwar gingen viele Werke während des 30-jährigen Krieges, in der Zeit der Säkularisierung und in den Weltkriegen verloren, aber es sind auch zahlreiche Spuren in der Region und weltweit zu finden. Um einen Einblick in die Vielfalt der Verwendung zu geben, lud das Lahn-Marmor-Museum am Wochenende dazu ein, Lahn-Marmor in Limburg zu entdecken.

Die Führung begann in der Stadtkirche Limburg. In dieser ehemaligen Barfüßerkirche des Franziskaner Bettelordens gibt es gleiche mehrere Stücke aus Lahn-Marmor. Kommt man in die Kirche hinein, befinden sich an beiden Eingängen Weihwasserbecken. Weihwasser war nichts Alltägliches, sondern besonderes Wasser und daher sollte dies auch in besonderen Becken gefüllt werden. Leider lässt sich nicht immer genau sagen, um welchen besonderen Lahn-Marmor es sich handelt. Manche, die sich intensiv damit beschäftigen, können diesen anhand Farbe und Maserung zuordnen. Aber ohne Unterlagen ist dies nicht für jeden Stein machbar.

Lahn-Marmor in der Stadtkirche Limburg

Epitaphe aus Lahn-Marmor

Ein besonderes Augenmerk galt den drei Epitaphen in der Stadtkirche. Hierbei handelt es sich um Bildwerke, die auf Begräbnisse hinweisen. Ein Epitaph besteht immer aus drei Teilen – einem unteren Teil, wo geschrieben steht, wem die Platte gilt und wann derjenige verstorben ist. In der Mitte befindet sich immer ein Bild, welches Aussagen zum Leben des Verstorbenen enthält und der obere Bereich nennt sich Auszug.

Die Epitaphe in der Stadtkirche sind der Familie Walderdorf zuzuordnen. Auf ihnen finden sich Aussagen zu den Familienverhältnissen, die Wappen des Stammbaumes sind dargestellt. Dem Stammbaum wurde in der damaligen Zeit eine große Bedeutung zugemessen, denn nur mit dem richtigen Stammbaum war es möglich, bestimmte Ämter überhaupt zu erreichen. Wenn man sich die einzelnen Epitaphe anschaut, kann man einiges entdecken wie unten in dem Foto dargestellt.

Hierbei handelt es sich um das Epitaph von Johann Peter und Magdalena Walderdorff. Beide sind links und rechts der Säulen dargestellt. Im Feld über Johann Peter befinden sich Rüstung und Waffen – es werden seine Tätigkeiten dargestellt. Über ihr im Feld sind Stickrahmen, Schere, Stoffe und Gebetsutensilien zu erkennen. In der Mitte sitzen zwei Putten, welche die beiden betrauern.

Für die Epitaphe wurde der wertvollste Lahn-Marmor verwendet, der Schupach Schwarz. Mit seiner weißen Maserung gehörte er zu den edelsten Steinen, die hier in der Region abgebaut wurden.

Epitaph in der Stadtkirche Limburg

Lahn-Marmor auf dem Friedhof

Von der Stadtkirche aus ging es hoch auf den Friedhof an dem, denn auch da befinden sich Grabsteine aus Lahn-Marmor, doch diese sind etwas unscheinbarer als die Kunstwerke in der Kirche. Da ist es schon gut, dass darauf hingewiesen wird, dass diese aus Lahn-Marmor sind, denn das ungeübte Auge erkennt dies nicht.

Zum einen ist die Grabplatte des Künstlers Arnold Hensler aus Lahn-Marmor. Daneben befindet sich eine Gruppe aus Grabkreuzen aus dem Lahn-Marmor Schupbach Schwarz, die Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts gestaltet wurden. Sie sehen sich alle sehr ähnlich und bilden eine interessante Gruppierung.

Spuren des Lahn-Marmors findet ihr ebenfalls im Dom Limburg wie auch in der Villmarer Kirche.

Innenraum der Stadtkirche Limburg

Stadtkirche Limburg – Eine ehemalige Barfüßerkirche

Die Stadtkirche Limburg geht manchmal neben dem Limburger Dom unter. Aber auch sie erzählt eine interessante Geschichte.

Den Dom kennt jeder in Limburg, doch die Stadtkirche Limburg, obwohl mitten in der Altstadt gelegen, fristet ein kleines Schattendasein. Dabei hat auch sie die Geschichte in der Stadt mitgeprägt und weiß so einiges zu erzählen.

STadtkirche Limburg - Franziskanerkirche

Stadtkirche Limburg

Vom Kornmarkt zum Bischofsplatz führt die Barfüßerstraße und sie gibt einen Hinweis auf die Ursprünge der Stadtkirche. Bei dieser handelt es sich um eine Barfüßerkirche, eine ehemalige Franziskanerkirche. Die Franziskaner sind ein Bettelorden, welcher sich der radikalen Armut verschrieben hat. Die Kirche ist dem Hl. Sebastian geweiht. Um 1232 ließ sich der Orden nieder. Um 1320 herum begannen sie wohl mit dem Bau der Kirche. Diese ist wie alle Kirchen der Bettelorden weit, hell, mit großen Arkaden und relativ schmucklos.

Innenraum Stadtkirche Limburg

Die Einfachheit der Lebensweise des Ordens schlägt sich auch im Kirchenbau wieder. Man befand sich – in Bezug zum Dom – unten bei den einfachen Leuten, übernahm seelsorgerische Aufgaben und war für das gemeine Volk da. Im 15. Jahrhundert schlossen sich die Limburger Franziskaner der noch strengeren Observanzbewegung an. Ihren gesamten Besitz übertrugen sie dem Erzischof von Trier. Während der Reformation zwischen 1577 und 1582 war das Kloster geschlossen.

Im 17. Jahrhundert gab es mit der Weiterführung des Klosters einen Aufschwung. Es fanden Umbauten im barocken Stil statt. In dieser Zeit wurde unter anderem die barocke Decke eingezogen. Viele der Kunstgaben, welche heute in der Kirche zu sehen sind, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die vorhandenen Altäre lassen sich sogar auf das Ende des 19. Jahrhunderts datieren. 1813 fiel das Kloster der Säkularisierung zum Opfer, 1820 wurde es in Stadtkirche umbenannt. 1827 übernahm das Bistum Limburg die Stadtkirche als Hauskapelle des Bischofs von Limburg.

Lahn-Marmor in der Stadtkirche

Weil die Bettelorden nahe beim Volk waren, waren sie beliebte Stätten für Begräbnisse. Die Menschen hatten den Glauben, dass Bettelorden ewig bestehen und daher ewig für ihr Seelenheil beten würden. Daher galten sie als „Garant für die Ewigkeit“. In der Stadtkirche befinden sich einige Epitaphe. Hierbei handelt es sich um Bildwerke, welche auf Begräbnisse hinweisen. Sie sind ein Erinnerungsmal in der Kirche, wo das eigentliche Grab liegt, ist nicht mehr immer bekannt.

In der Stadtkirche gibt es drei Epithaphe, welche alle eine Verbindung zu der Familie Walderdorff haben. Ein weitere Besonderheit ist, dass sie alle aus dem Lahn-Marmor Schupbach Schwarz hergestellt wurden. Lahn-Marmor war ein beliebter, hochpreisiger Lahn-Marmor ab 1590. Er wurde besonders in repräsentativen Gebäuden verbaut. Spuren von ihm sind weltweit bis heute zu finden. 

Epitaph in der Stadtkirche Limburg

Doch diese Epitaphe sind nicht die einzigen Spuren diesen schönen Kalksteines in der Kirche. Die Weihwasserbecken am Eingang der Kirche sind ebenfalls aus Lahn-Marmor. Weihwasser ist nichts alltägliches und daher wurden die Becken aus diesem besonderen Kalkstein gefertigt. Da dieser Werkstoff wohl sehr gefallen hat, aber auch sehr hochpreisig war, wurden die Brüstungsfelder unterhalb der Orgel in Marmor-Optik gestaltet. Die Orgel selbst stammt aus den 1680er Jahren.

Weihwasserbecken

Ich kann Euch sehr empfehlen, wenn ihr auf einem Stadtrundgang in Limburg unterwegs seid, auch die Stadtkirche mal zu besuchen.

Ihr wollt mehr über den Lahn-Marmor erfahren? Dann kann ich Euch einen Besuch des Lahn-Marmor-Museums in Villmar empfehlen.

Quelle: Führung durch die Kirche sowie Wikipedia