Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg: Fürstengrab, Ringwälle und mehr

Die Kelten haben im Landkreis Limburg-Weilburg zahlreiche Spuren hinterlassen. Von mächtigen Ringwallanlagen über alte Handelswege bis hin zu spektakulären Funden wie dem 2026 entdeckten keltischen Fürstengrab bei Bad Camberg reicht das Erbe dieser frühen Kultur. Wer heute durch den Westerwald, das Limburger Becken oder das Oberlahngebiet wandert, begegnet vielerorts den Überresten keltischer Siedlungen und Befestigungsanlagen. Dieser Beitrag nimmt euch mit auf eine Spurensuche zu den wichtigsten keltischen Orten im Landkreis Limburg-Weilburg.
Die wichtigsten keltischen Orte im Landkreis Limburg-Weilburg
- Fürstengrab Bad Camberg
- Dornburg
- Heidenhäuschen
- Domberg Limburg
- Oberlahngebiet
- Herrnwäldchen
- Riesenburg
- Brechen
Wer waren die Kelten?
Als Kelten wird eine Volksgruppe der Eisenzeit in Europa bezeichnet. Die Herkunft des Namens liegt im Dunkeln, es handelt sich laut Historiker wohl um eine Eigenbezeichnung mit indogermanischen Wurzeln. Vieles stammt von Überlieferungen wie von Herodot oder anderen griechischen und römischen Chronisten aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus, von den Kelten fehlen leider fast vollständig irgendwelche Schrifterzeugnisse. Die mündliche Weitergabe von Geschehnissen hatte wohl einen hohen Stellenwert in der Kultur. Die Kenntnisse erschließen sich dann oft über Fundstücke. Es handelte sich nie um ein geschlossenes Volk oder Nation, es handelt sich vielmehr um zahlreiche unterschiedliche ethnische Gruppen mit einer ähnlichen Kultur. Von Spanien bis nach Schottland, von Frankreich bis nach Slowenien und Kroatien hatten die Kelten ein großes Verbreitungsgebiet. Die festlandkeltischen Sprache sind gestorben, die inselkeltische Sprache wird in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne gesprochen (Quelle Wikipedia)
Die Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg lassen sich der Hallstattzeit oder ältere Eiszeit (ab etwa 800 v.Chr.) und der Latènezeit oder jüngere Eiszeit (von etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt) zuordnen.
In der Region zeugen Überreste von der Anwesenheit der Kelten. Dies sind insbesondere ihre Wallanlagen und Oppida aus der Hallstatt- und Latènezeit, die oft strategisch auf Bergrücken liegen. Moderne Technologien wie Lidar-Scans machen verschliffene Strukturen der keltischen Anlagen sichtbar und zeigen, dass sie oft größer waren als an der Oberfläche erkennbar. Die Kelten errichteten zudem mächtige Wallkonstruktionen mit Gräben und teilweise mehrfachen Ringwällen, die heute noch die Landschaft prägen und die tiefe historische Bedeutung der Region für die keltische Kultur veranschaulichen. Diese zahlreichen Bodendenkmäler geben eine Ahnung davon, wie es damals gewesen ist. Neben den Bodendenkmäler gab es in der Region zahlreiche Funde, die von den Kelten erzählen.
Das neue keltische Fürstengrab in Bad Camberg
Im Juni 2026 wurde bei Bad Camberg eine archäologische Entdeckung bekannt, die weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregte. Bei geomagnetischen Untersuchungen auf einer Fläche nahe der A3, auf welcher ein Solarpark entstehen soll, stießen Archäologen auf ein keltisches Fürstengrab aus der frühen Eisenzeit. Mit einem derart bedeutenden Fund hatte zuvor niemand gerechnet. Die bisherigen Untersuchungen brachten bereits zahlreiche außergewöhnliche Grabbeigaben ans Licht. Neben den Resten einer eisernen Lanzenspitze fanden die Forscher Goldschmuck sowie Beschläge von zwei hölzernen Wagenrädern. Solche Wagenbestattungen gelten als Hinweis auf eine Person von hohem gesellschaftlichem Rang und sind typisch für die keltische Oberschicht der Hallstattzeit.
Bislang wurden rund 100 Fundstücke dokumentiert. Restauratoren und Archäologen hoffen, durch die Auswertung der Funde mehr über die Identität und den gesellschaftlichen Status der bestatteten Person zu erfahren. Nach derzeitigem Stand lässt sich das Grab in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus datieren. Damit ist diese Person in den ähnlichen Zeitraum wie der „Keltenfürst vom Glauberg“ im Wetteraukreis einzuordnen. Der Fund ist für den Taunus von besonderer Bedeutung, da es sich um das erste Fürstengrab im Taunus handelt. Zudem sind nur wenige Wagengräber in Hessen bekannt. Keltische Fürstengräber zählen zu den spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der Eisenzeit und geben Einblicke in eine Gesellschaft, über die nur wenige schriftliche Quellen existieren. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, sodass in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse erwartet werden. Dieser Fund unterstreicht, dass Hessen eine herausgehobene Rolle im keltischen Kulturraum spielte.
Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg
Die Dornburg – das größte keltische Oppidum der Region
Die Dornburg zählt zu den größeren Anlagen im Landkreis, obwohl nur noch die Hälfte übrig ist nach dem Basaltabbau in der Region. Der Kultur- und Geschichtsverein Frickhofen hat den Keltenweg angelegt, um die Menschen mit auf eine kleine Reise zu nehmen und etwas über die Kelten in der namensgebenden Dornburg zu geben.
Hoch auf einer Basaltkuppel zwischen Frickhofen und Wilsenroth befinden sich Überreste der Anlage. Die Dornburg war ab dem 6. Jahrhundert vor Chr. (Späthallstattzeit) besiedelt und im Vergleich zu anderen Höhenburgen bis in die späte Latènezeit bewohnt. Das Oppidum, eine stadtähnliche Struktur, wurde durch Ringwälle und Mauern gesichert. Die „Rödches Mauer“ gibt einen Eindruck davon, wie groß die Anlage mal war. Funde von Münzen, Schmuckgegenständen, Eisengegenstände, Fiebeln und Keramik erzählen von den Kelten. Von ehemals rund 37 Hektar sind heute noch 18 Hektar übrig.

Heidenhäuschen im Westerwald
Beim Heidenhäuschen im handelt es sich um ein Plateau, welches zwischen Ellar, Hangenmeilingen, Hintermeilingen, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach auf einer Basaltrippe liegt. Das Plateau dehnt sich über drei Kilometer in Nord-Süd-Richtung aus, westlich davon befindet sich das Elbbachtal und östlich davon das Limburger Becken.
Durch archäologische Funde ist eine frühzeitige Besiedlung des Plateaus nachweisbar. Es gibt durch Funde einer Steinkiste sowie Graburnen Nachweise einer Besiedlung vor den Kelten. Die Kelten legten mehrere Ringwälle an, Beziehungen zum sechs Kilometer entfernten Oppidum Dornburg sind zu vermuten. Auch Münzfunde gab es vor Ort. Die Germanen verdrängten mit der Zeit die Kelten, siedelten aber ebenfalls auf dem Plateau. Heute ist das Heidenhäuschen eingebettet in ein 140 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Mordschau in Elz
In Elz sind ebenfalls keltische Spuren zu finden. Der Flurname „Mordschau“ soll auf einen keltischen Ursprung zurückgehen. Besonders bemerkenswert sind jedoch die mehr als 90 Hügelgräber im Elzer Wald. Sie gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen vorgeschichtlicher Besiedlung in diesem Teil des Landkreises und zeigen, dass die Region bereits lange vor dem Mittelalter genutzt wurde.
Keltische Spuren auf dem Limburger Domberg
Immer wieder gab es Funde auf dem Domberg in Limburg, welche auf eine frühe Besiedlung hindeuten. Bei dem Bau der Autobahn um 1936/37 fand man keltische Gegenstände. Bei Arbeiten an der Autobahnbrücke 2012 fand man Überreste einer Siedlung aus der Latènezeit sowie einen Silbermünzfund aus der Zeit 65 bis 40 v.Chr., welche ein „tanzendes Männlein“ als Bild trug. Im Jahr 2009 gab es eine unvermutet große Anzahl an gut erhaltenen Funden, so dass auch die Frage im Raum stand, ob es auf dem Domberg eventuell einen Fürstensitz gab.
Die Ringwallanlagen im Oberlahngebiet
Die Oberlahnregion hat mit die höchste Dichte an keltischen Siedlungen. Das Waldgebiet ist gekennzeichnet von den Resten der Ringwallanlage Almerskopf und Höhburg in Merenberg, der Wallanlage Roter Kopf und der Wallanlage Hinterster Kopf in Löhnberg sowie dem Scheuernberger Kopf in Weilburg. Es war ein größeres eisenzeitliches bis keltisches Siedlungsgebiet. Neben den Wallresten finden sich noch viele Abschnittswälle und Podien der Besiedlung und Landwirtschaft dieser vorgeschichtlichen Kulturen.
Der Scheuernberger Kopf besteht noch heute aus einem sichtbaren ovalen Doppelringwall. Die Höhburg ist eine noch gut sichtbare, über einen Hektar große Ringwallanlage. Sie gilt als Keimzelle der keltischen Besiedlung in dieser Region. Neben dem Hauptwall gibt es mehrere Wälle um kleinere Plateaus, auf denen Ackerbau und Besiedlung stattfand. Diese Flächen werden auch Podien genannt. Diese Wälle und Plateaus sind auch heute noch sichtbar.
Der Rote Kopf und der Hinterste Kopf folgten erst später. Der Rote Kopf befindet sich zwischen Merenberg und Löhnberg. die 0,6 Hektar großen Wallanlagen sind völlig verschliffen, nach Süden hin sind noch Abschnittwälle sowie Siedlungspodien erkennbar. Ebenfalls in Merenberg liegt noch der Almerskopf, eine Ringwallanlage aus der mittleren Latènezeit, die heute vollständig bewaldet ist. Teilweise sind Steine des Walls noch sichtbar.
Herrnwäldchen in Selters-Haintchen
Vor über 90 Jahren gab es einen Fund eines latènezeitlichen Unterstempels zur Münzprägung. Erst 2019 wurde diese Ringwallanlage dadurch erst bekannt. Rund um die Anlage gibt es eine erzreiche Landschaft. Hier wurde Eisen gewonnen, was ebenfalls durch zahlreiche Verhüttungs- und Schmiedestätten rund um die Wallanlage nachgewiesen ist. Bergbau existierte dort bis in die Neuzeit. Ebenfalls wurde eine kunstvolle Glasperle gefunden sowie Keramikfunde von Drehscheibenware und Vorratsgefäßen. Das Gelände ist jedoch stark kontaminiert mit Munitionsresten aus der Sprengung eines Munitionsdepots gegen Ende des zweiten Weltkrieges.

Die Riesenburg in Weilmünster-Rohnstadt
Die Ringwallanlage Riesenburg liegt nahe der keltischen Hünerstraße, ein wichtiger Verbindungsweg (Höhenweg) zwischen den einzelnen keltischen Befestigungsanlagen. Der leicht ovale Ringwall liegt auf einem Bergrücken auf einer Fläche von 4,2 Hektar. Es handelt sich hierbei um ein ausgewiesenes Kulturdenkmal. Der Ringwall ist bis heute gut zu erkennen. Tonscherben- und Münzfunden erzählen vom Leben vor Ort. In diesem Siedlungsgebiet fand der Abbau von Eisenerz sowie dessen Verarbeitung statt.
Wallanlage Steeden
Durch einen Kalksteinbruch in den 1950er Jahren ist diese Anlage auf dem Herrenplatz komplett abgetragen und mit Wasser gefüllt. Dennoch gab es keramische Funde von Gefäßfragmenten sowie Tierknochen, die auf eine Besiedlung hinweisen. Auch außerhalb deuten wichtige Funde wie in den Höhlen „Wilde Scheuer“ auf eine frühzeitliche Besiedlung bereits in Jungpaläolithikum. Auch die Höhlen sind heute nicht mehr existent, doch es gibt Fotografien aus den 1920er Jahren.

Kelten in Brechen
Der Name Brechen hat einen keltischen Ursprung und ist bis heute überliefert. Der keltische Name lautet „Brachina“ und bedeutet „an der Berglehne“.
Wie auch an anderen Orten wurden die Kelten in der Region Stück für Stück von den Germanen verdrängt. Durch die Erschließung von Neubaugebieten kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Funden, die ein wenig Aufschluss darüber geben, wie die Kelten hier lebten.
Mehr zu Kelten in Hessen erfahrt in dem Buch „Kelten Land Hessen“.
Dieser Beitrag über die Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg ist eine kleine Zusammenfassung aus verschiedenen Quellen und eigenen Wanderungen, sie erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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Hinweis
Weil es immer wieder vorkommt – für Anfragen zu Events, Veranstaltungen, Museen oder anderen Ausflugstipps wenden Sie sich bitte direkt an die Betreiber, Organisatoren oder Einrichtungen. Alle Kontakte habe ich am Ende der Texte verlinkt. Ich schreibe nur darüber, kann aber keine spezifischen Auskünfte geben.





