Fachwerkhäuser in Limburg – Geschichten aus der Altstadt
Die Fachwerkhäuser in Limburg zählen zu den schönsten Fachwerkensembles Deutschlands. Mit sieben erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor 1300 und zahlreichen mittelalterlichen Häusern bieten sie einen einzigartigen Einblick in die Geschichte des Fachwerkbaus. Bei einer Fachwerkführung habe ich spannende Geschichten und Hintergründe über die historischen Gebäude erfahren.
Wenn ihr durch die Altstadt von Limburg an der Lahn spaziert, wirkt es ein wenig, als würdet ihr in ein lebendiges Bilderbuch eintauchen. Eng verwinkelte Gassen, Kopfsteinpflaster und ein geschlossenes Ensemble aus liebevoll erhaltenen Fachwerkhäusern erzählen hier Geschichten, die weit über unsere Zeit hinausreichen. Sie führen direkt hinein ins frühe Mittelalter. Besonders bemerkenswert ist, dass Limburg mit seinen sieben erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor 1300 eine architektonische Seltenheit bewahrt hat. In dieser Dichte ist dies kaum ein zweites Mal zu finden. Mitten in diesem historischen Gefüge steht mit dem „Römer 2-4-6“ eines der ältesten freistehenden Fachwerkhäuser Deutschlands. Ein Bauwerk, das nicht nur durch sein Alter beeindruckt, sondern auch durch seine besondere Bedeutung für die Forschung: Es war eines der ersten Fachwerkhäuser Deutschlands, dessen Alter durch wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen werden konnte.
Wie alt ist Fachwerk wirklich?
Besonders faszinierend fand ich die Erklärung zur Bestimmung des Alters der Häuser. Die Forschenden nutzen dafür die sogenannte Dendrochronologie. Jeder Baum hinterlässt in seinem Holz eine Art natürlichen Fingerabdruck aus Jahresringen. Anhand dieser Ringmuster lässt sich genau feststellen, wann ein Baum gefällt wurde. Da die Zimmerleute die Stämme damals meist direkt nach dem Fällen verbauten, kann man daraus auch das Alter eines Hauses ableiten. Dabei kam bei den Holzarbeiten immer nur die Axt zum Einsatz und keine Säge. Durch diese Behandlung war das Holz länger haltbar. So zeigten Untersuchungen, dass einige Gebäude der Limburger Altstadt bereits vor mehr als 700 Jahren errichtet wurden. Was für den Besucher wie ein altes Fachwerkhaus aussieht, ist damit tatsächlich ein Stück Mittelalter, das bis heute erhalten geblieben ist.

In der historischen Altstadt von Limburg wird Fachwerk nicht nur sichtbar, sondern spürbar als Ausdruck von Handwerk, Alltagsleben und Baukunst über Jahrhunderte hinweg. Ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie viel Geschichte in diesen Balken steckt, wenn man genau hinschaut. Ich besuche sehr gerne die Altstadt, gehe seit über 20 Jahren bekannte Wege und entdecke dennoch immer wieder was Neues. Es lohnt sich, nicht nur unten zu schauen, sondern auch den Blick nach oben zu richten, denn auch dort lassen sich Kunst, Kultur und Geschichte entdecken.
Vor Jahren hatte ich schonmal die Gelegenheit, den Römer 2-4-6 von innen zu sehen und einiges über die Geschichte dieses Hauses zu erfahren. In letzter Zeit wuchs die Neugierde auf die Geschichten hinter den Fassaden der anderen Häuser und so nahm ich vor kurzem an einer Fachwerkführung der Tourist-Information teil und lauschte den spannenden Ausführungen des Limburgführers.
Der Ursprung der heutigen Altstadt liegt in einer Katastrophe: Im Jahr 1289 zerstörte ein verheerender Brand die Bebauung unterhalb des Dombergs nahezu vollständig. Da Limburg bereits damals als bedeutende Handelsstadt an der Hohen Straße zwischen Frankfurt und Köln florierte, konnte der Wiederaufbau rasch erfolgen. Heute existieren 360 Häuser in der Altstadt. Es gibt nur weniger Städte in Deutschland, in denen die mittelalterliche Bebauung nahezu erhalten ist.
Die Sanierung der Limburger Altstadt
In den 1970/80er Jahren war die Altstadt sehr heruntergekommen. Viele Gebäude befanden sich in einem schlechten Zustand, Fassaden waren verwittert und zahlreiche Häuser standen vor dem Verfall. Die Politik stellte damals Überlegungen an, ob die Gebäude alle abgerissen oder in die Erhaltung investiert werden sollte. Man entschied sich für die Sanierung und die gesamte Altstadt steht heute unter Denkmalschutz. Durch Förderungen und auch bis heute sehr liebevolle Sanierungen sind seit den 1970er Jahren über 24 Millionen Euro in den Erhalt der Altstadt geflossen. Durch die farbigen Fassaden wirken die Gassen heute freundlicher und heller als damals. Alle Fachwerkhäuser in Limburg wurden in Skelettbauweise errichtet. Das bedeutet, die vorwiegend aus Eichenholz gewonnenen Balken wurden senkrecht und waagerecht miteinander verbunden und mit einem Lehm-Stroh-Gemisch und später mit Lehmziegeln ausgekleidet.
Dabei lassen sich zwei Typen an Bauweisen bei den Fachwerkhäusern finden. Vor dem 15. Jahrhundert hat man sehr oft die Ständerbauweise, bei der ein langer Eckständer von unten bis oben hindurchgeht. Da lange Eichenstämme zunehmend schwerer zu beschaffen waren, setzte sich ab dem 15. Jahrhundert die Rahmenbauweise durch. Bei diesen Häusern sind die Eckständer nur noch ein Stockwerk hoch und es wird ein Rahmen aufgelegt, auf dem dann die nächste Etage aufgebaut wird. Bei der Rahmenbauweise kamen dann zusätzlich Schmuckformen aus Holz hinzu wie das Andreaskreuz oder der Hessenmann. Neben ihrer statischen Funktion dienten diese Elemente oft auch als dekorativer Schmuck und verliehen den Häusern ihr charakteristisches Erscheinungsbild. Um 15hundert tauchen auch mal ovale Schmuckformen auf, wie bei einem Haus am Bischofsplatz zu sehen. Später findet man diese Bauweise nicht mehr vor.

Fachwerkhäuser Limburg – lebendige Geschichte
Fachwerk ist übrigens nicht gleich Fachwerk. In Deutschland werden die historischen Fachwerkhäuser meist drei großen Regionen zugeordnet: dem norddeutschen, dem mitteldeutschen und dem süddeutschen Fachwerk. Limburg gehört dabei zum mitteldeutschen Fachwerkraum. Typisch für diese Bauweise sind mehrgeschossige Bürgerhäuser mit vorkragenden Obergeschossen, dekorativen Schmuckformen und einer oft aufwendigen Gestaltung der Fassaden. Gerade in wohlhabenden Handelsstädten wie Limburg spiegelte sich der Wohlstand der Bewohner auch in der Architektur wider. Wer durch die Altstadt geht, entdeckt deshalb nicht nur Häuser, sondern auch kunstvolle Zimmermannsarbeit aus mehreren Jahrhunderten.
Beim Gang durch die Altstadt wird aber auch deutlich, dass hier Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensverhältnissen wohnten. Neben repräsentativen Häusern wohlhabender Kaufleute finden sich auch deutlich kleinere Gebäude. In der Fleischgasse stehen beispielsweise Häuser mit einer Grundfläche von nur rund 21 Quadratmetern, die einst Handwerkern und ihren Familien als Zuhause dienten. Gerade diese Mischung aus großen und kleinen Gebäuden macht den besonderen Reiz der Limburger Altstadt aus und vermittelt bis heute ein lebendiges Bild des mittelalterlichen Stadtlebens.
Es gibt einige Schmuckstücke in der Limburger Altstadt wie der bereits erwähnte Römer 2-4-6, der Geschichte erzählt. Ein weiteres Haus, welches mit zu den ältesten zählt, findet sich in der Kolpingstraße aus dem Jahr 1290. Auch dieses Haus sollte eigentlich abgerissen werden. Als bei der Untersuchung der Hölzer jedoch das Alter des Hauses ermittelt wurde, entschied man sich für eine Sanierung.

In der Barfüßergasse gibt es Häuser, die sich aufgrund ihrer Fassade wunderbar in das Fachwerkensembles einfügen. Doch der Stadtführer erzählte die Geschichte dahinter. Manche Häuser waren so marode, dass man sich bei der Sanierung für den Erhalt der Fassaden entschieden hatte, aber das Haus an sich abgerissen hatte und durch einen massiven Bau ersetzte. Wie auf dem unteren Bild zu sehen, lässt sich dies nicht anhand des Erscheinungsbildes erahnen.

Historischen Hallenhäuser der Limburger Altstadt
Ein besonderes Merkmal der Limburger Altstadt sind die Hallenhäuser. Rund 40 dieser Gebäude haben sich bis heute erhalten. Die erste Etage war meist als riesige Halle mit einer Höhe über fünf Meter konzipiert. Sie diente als Empfangsraum oder auch Lagerraum der Händler. In den oberen Etagen wohnten die Menschen. Als im 18./19. Jahrhundert der Wohnraum knapp wurde, wurden häufig Zwischendecken in diese Hallen eingezogen und bei der Sanierung wieder entfernt. Die Spuren dieser Zwischendecken sind bis heute im Holz zu sehen.
Das Besondere an Limburg sind nicht nur einzelne herausragende Gebäude. Erst das Zusammenspiel von engen Gassen, kleinen Handwerkerhäusern, großen Kaufmannshäusern und dem Dom über der Altstadt vermittelt noch heute einen Eindruck davon, wie eine mittelalterliche Stadt einst ausgesehen haben könnte. Viele der Häuser standen bereits, als Ritter, Händler und Pilger durch Limburg zogen. Sie überstanden Brände, Kriege, wirtschaftliche Krisen und den Wandel der Jahrhunderte. Dass sie heute noch das Stadtbild prägen, ist alles andere als selbstverständlich. Wer durch die Gassen der Altstadt geht, entdeckt einen außergewöhnlichen Schatz mittelalterlicher Baukunst. Viele der Gebäude zählen zu den ältesten erhaltenen Fachwerkhäusern Deutschlands. Sie erzählen Geschichten aus einer Zeit, als Limburg bereits eine bedeutende Handelsstadt war.
Auch nach mehr als 20 Jahren hier vor Ort habe ich bei dieser Führung neue Details an Fassaden, Balken oder Gassen entdeckt und nochmal neue Seiten an der Altstadt kennengelernt. Und vielleicht macht genau das den besonderen Reiz der Limburger Altstadt aus. Dieser Beitrag kann nur einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt des Limburger Fachwerks geben. Wer tiefer eintauchen möchte, dem kann ich eine Fachwerkführung der Tourist-Information nur empfehlen. Viele Details und Geschichten erschließen sich erst, wenn man mit offenen Augen durch die Gassen geht und weiß, worauf man achten muss.
Weitere Informationen
Ihr möchtet gerne selbst die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern in Limburg im Rahmen einer Führung entdecken? Dann informiert Euch gerne bei der Tourist-Info.
Kontakt:
Telefon: 06431 – 6166
E-Mail: touristinfo@stadt.limburg.de
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag 10 – 16 Uhr
Sonntag 11 – 15 Uhr (April- Ende Oktober)
Feiertage 11 -15 Uhr
Sonntage im Advent 11 – 15 Uhr
