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Monat: Oktober 2026

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Erinnerungsort Weilmünster – Ein Ort gegen das Vergessen

Weilmünster verbindet man heute vor allem mit dem idyllischen Weiltal und der Natur des Taunus. Doch mitten in diesem Ort befindet sich mit dem Lern- und Erinnerungsort Weilmünster nun ein Platz, der an ein besonders dunkles Kapitel der regionalen Geschichte erinnert. 

In der damaligen Landesheilanstalt Weilmünster wurden während der Zeit des Nationalsozialismus tausende psychisch kranke und behinderte Menschen entrechtet, vernachlässigt und ermordet. Andere wurden von hier aus in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert und dort getötet. Weilmünster war damit ein zentraler Tatort der nationalsozialistischen Krankenmorde in Hessen.

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Heute erinnert der Lern- und Erinnerungsort Weilmünster an die Menschen, die hier Opfer dieser Verbrechen wurden. In der historischen Klinikkapelle ist eine Dauerausstellung entstanden, die die Geschichte der damaligen Anstalt und die Schicksale der Opfer sichtbar macht. Träger des Projekts ist der Verein „Weilburg erinnert e. V.“, der gemeinsam mit der Vitos Weil-Lahn gGmbH und der Gedenkstätte Hadamar den Lern- und Erinnerungsort aufgebaut hat.

„Unser Anliegen ist es, den Opfern ihre Namen und Gesichter zurückzugeben, ihre Geschichten zu erzählen und das geplante Vergessen der Täter zu durchkreuzen.“

Ich habe den Erinnerungsort besucht und möchte euch mitnehmen an einen Ort, der nicht leicht ist, den ich aber für wichtig halte. Denn auch die Geschichte von Limburg-Weilburg besteht aus Kapiteln, die wehtun und die dennoch nicht vergessen werden dürfen.

Geschichte der Landesheilanstalt Weilmünster

Der Lern- und Erinnerungsort Weilmünster ergänzt dabei die Gedenkstätte Hadamar, über die ich bereits berichtet habe. Während Hadamar heute vor allem als Ort der nationalsozialistischen Krankenmorde mit der dortigen Tötungsanstalt bekannt ist, richtet sich der Blick in Weilmünster auf die Geschichte der damaligen Landesheilanstalt und die Menschen, die dort lebten, behandelt werden sollten und zu Opfern der NS-Verbrechen wurden. Und der Erinnerungsort verharrt dabei nicht nur in der Vergangenheit. Die Ausstellung wirft einen Blick darauf, wie es nach der NS-Zeit mit der Heilanstalt an sich, aber auch dem Thema Inklusion kranker Menschen in die Gesellschaft weiterging. Sie gibt Einblicke in die Aufarbeitung der Geschichte vor Ort und sie zeigt mit aktuellen Zitaten auf, wie wichtig solche Orte sind, damit „Nie wieder“ keine leere Floskel bleibt.

Seit 2020 hat der Verein „Weilburg erinnert“ an dieser Ausstellung gearbeitet, hat Gespräche geführt, Geschichte aufgearbeitet und den Lern- und Erinnerungsort Weilmünster gestaltet. Am 26. September 2026 wurde die Dauerausstellung in der alten Kapelle auf dem Klinikgelände eröffnet. Die Kapelle hat einen sehr hohen Innenraum. Sie ist allein bereit sehr imposant durch ihre Architektur, ihre großen, runden, bunten Fenster. Es war eine Herausforderung für den Verein, diesen Raum zu gestalten, so dass Raum und Kapelle für sich wirken können und sich nicht gegenseitig erdrücken, wie der Vereinsvorsitzende Markus Huth erzählt.

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Blick in den Erinnerungsort Weilmünster

Schmale Holztürme bilden das Grundgerüst der einzelnen Stationen. An ihnen sind Plakate, Zitate, geschichtliche Dokumente und Bilder befestigt. An jeder Station hängen große gelbe Sprechblasen herunter. Auf ihnen steht „Was denkst Du?“ und dazu auf der Rückseite verschiedene Fragen. Sie unterbrechen die reine Wissensvermittlung und fordern dazu auf, sich selbst mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen.

Die Dauerausstellung möchte Geschichte sichtbar und erfahrbar machen. Einmal im Monat öffnet die Ausstellung in der historischen Klinikkapelle ihre Türen. Daneben soll es pädagogisch begleitete Rundgänge und Workshops geben, in denen sich mit den Verbrechen auseinandergesetzt wird, die hier verübt wurden. Gleichzeitig regen die Fragen dazu an, was die Geschichte für unser heutiges Verständnis von Menschenwürde, Teilhabe und Verantwortung bedeutet.

Fragen "Was denkst Du?"

Gedenkfriedhof

Wenn ihr die Kapelle verlasst und euch links haltet, dann gelangt ihr zum Gedenkfriedhof für die Opfer der NS-Euthanasie. Seit 1897 gehört er mit zur Klinik Weilmünster. Bis 1996 fanden Bestattungen statt. Neben den Opfern der NS-Zeit fanden auch viele Mitarbeiter der Anstalt ihre letzte Ruhestätte dort. Ebenfalls integriert ist ein jüdischer Friedhof dort. Dort finden sich Grabstätten von 65 bis 68 Menschen jüdischer Abstammung aus der Zeit zwischen 1900 und 1946. Im Jahr 2003 wurde der Friedhof als Gedenkstätte gestaltet. Zahlreiche Tafeln nennen die Namen der NS-Opfer, wenige Lebensgeschichten sind überliefert und sind dort zu lesen.

Gedenkfriedhof Weilmünster

Informationen zum Erinnerungsort Weilmünster

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster
auf dem Klinikgelände
Gebäude Kapelle
Weilstraße 10
35789 Weilmünster

Am Wellersberg unterhalb der Klinik befindet sich ein Parkplatz.

Die Ausstellung ist für Individualbesucher nur am ersten Samstag im Monat geöffnet. Für Gruppen sind nach vorheriger Anmeldung auch andere Termine möglich
Jeden ersten Samstag im Monat von 14 – 18 Uhr
Eintritt frei, der Verein freut sich über Spenden.

Gruppen mit mehr als 5 Personen bitte vorher anmelden: info@weilburg-erinnert.de

Homepage

Lern- und Erinnerungsort Weilmünster

Am Klinikgelände entlang führt der Weiltalradweg. Dann plant doch gerne bei eurer nächsten Radtour ein Besuch des Erinnerungsortes mit ein.

 

 

 

Altes Rathaus Kirberg

Kirberg entdecken – Spaziergang durch den historischen Ortskern

Bisher war für mich Kirberg ein Ortsteil von Hünfelden, den ich passiere, wenn ich von Limburg nach Wiesbaden auf der B417 unterwegs bin. Ich habe mir nun bewusst Zeit genommen, den alten Ortskern zu entdecken und möchte Euch auf einen Spaziergang mitnehmen.

Bei meiner Recherche zu „Burgen und Schlösser im Landkreis Limburg-Weilburg“ bin ich darauf gestoßen, dass es auch in Kirberg eine Burg gab. Das hat mich neugierig gemacht. Denn eine Burgruine war mir bei meinen bisherigen Fahrten durch Kirberg noch nie aufgefallen. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf so viele schöne Fachwerkhäuser zu stoßen. Und auch wenn viele der alten Gehöfte hinter Mauern und Toren liegen und sich deshalb nicht immer aus der Nähe betrachten lassen, lohnt sich der Blick in die Straßen und auf die Details.

Auf der Suche nach der Burg

Wegen der Burg bin ich gekommen. Doch die musste ich tatsächlich erst einmal ein wenig suchen, da sie mitten im Grünen liegt und sich dadurch nur erahnen lässt, wie groß sie ist. Leider hatte ich bei meinem Rundgang keine Möglichkeit, auf die Burg zu gehen. Die Aussichtsplattform kann nur im Rahmen bestimmter Veranstaltungen besucht werden. Das möchte ich bei Gelegenheit unbedingt nachholen. Sehr bildprägend ist hingegen die evangelische Pfarrkirche, welche das Ortsbild stark dominiert. Vor der Kirche gibt ein Modell einen Überblick über den Ortskern und seine historischen Gebäude.

Burg Kirberg

Mich interessiert auch die Geschichte hinter der Burg. Diese wurde 1355 errichtet und 1790 zum Abbruch freigegeben. Heute wird sich darum bemüht, die bestehenden Gemäuer zu erhalten. Einige Bereiche wurden bereits restauriert. Doch wie kam Kirberg eigentlich zu einer Burg? Johann I. von Nassau-Mehrenberg und Gerhard VII. von Diez beschlossen 1355, das Dorf Kirchdorf mit den beiden Siedlungen Bubenheim und Sindersbach zu einer Stadt zusammen zu führen und mit einer Mauer zu umgeben. Vor der Burg stand auf dem isolierten Felsen eine Kirche, deren Ursprung bis in die fränkische Zeit des 8. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann. Sie musste dem Burgbau weichen.

Kirberg mit Stadtrechten

Zeitgleich wurde die Ringmauer und die heutige Pfarrkirche errichtet und der Ort erhielt Stadtrechte. Steine aus dem Abbruch verwendeten die Menschen im Straßenbau und zur Errichtung von Gebäuden. Nach Errichtung der Burg mit ihrer Mauer erhielt der Ort den Namen „Kirchburg“, woraus sich später der heutige Name Kirberg entwickelte. Die Wehranlage stellte zwar den Machtanspruch dar, jedoch war sie niemals ständiger Wohnsitz.

Direkt neben der Pfarrkirche zieht das Alte Rathaus den Blick auf sich. Ein imposantes Fachwerkgebäude lädt zum Entdecken ein. Dieses wurde im 18. Jahrhundert anstelle eines mittelalterlichen Burgmannenhauses errichtet. Heute beherbergt es das Heimatmuseum, welches der Verein „Einst & Jetzt“ pflegt. Besonders faszinierend fand ich die Türklopfer am Gebäude, große Ringe, welche von Löwen im Maul gehalten werden. Ebenfalls neben der Pfarrkirche befindet sich eines der ältesten erhaltenen Spritzenhäuser aus dem Jahr 1753, in dem die Feuerspritze für das gesamte Amt Kirberg mit Heringen, Neesbach, Nauheim und Ohren untergestellt war.

Altes Rathaus

Ringmauer von Kirberg

Läuft man in den alten Ortskern hinein, tauchen immer wieder Teile der ehemaligen Ringmauer auf. Mal steht ein Stück ganz selbstverständlich neben einem Haus, mal entdeckt man es erst, wenn man zwischen zwei Gebäuden hindurchschaut. Heute wirken diese Mauerreste beinahe wie ein natürlicher Bestandteil des Ortsbildes. Sie gehören zu Gärten und Grundstücken und fügen sich so selbstverständlich in den Ort ein, dass man leicht übersehen kann, was eigentlich dahintersteckt.

Ringmauer Kirberg

Dabei umschloss die Befestigung früher den gesamten Ort. Kirberg besaß sogar Stadtrechte. Die Errichtung der Ringmauer begann ab 1355; im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden große Teile der Befestigung abgetragen. Geblieben sind einzelne Abschnitte, die heute eher beiläufig wirken und gerade deshalb für mich zu den spannenden Entdeckungen des Rundgangs gehören. Doch die heutige Bebauung innerhalb dieser Mauern erzählt noch eine weitere Geschichte. 1710 gab es einen großen Brand innerhalb der Burgmauern, der große Teile des alten Ortskerns zerstörte. Viele der heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden als direkte Folge des Feuers im frühen 18. Jahrhundert wieder neu errichtet und vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie es früher hier ausgesehen hat.

Viele denkmalgeschütze Gebäude

Ein ebenfalls imposantes Gebäude ist der Steinsche Hof, ein Fachwerkbau, aus dem Jahr 1481 mit ursprünglich sechs Türmen. Er gehörte zunächst der Adelsfamilie von Reifenberg und ging später in den Besitz von Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein über. Seine Reformbestrebungen trugen ab 1786 unter anderem zur Aufhebung der Leibeigenschaft auf dem Land bei.

Steinsche Haus Kirberg

Wenn ihr selbst durch die Burgstraße geht, kommt ihr an zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden vorbei. Dazu gehören die ehemalige Puppenwerkstatt aus etwa 1670, das Nassau-Usingische Amtshaus von 1769, der Freiadelshof der Schütz von Holzhausen aus dem Jahr 1594, die ehemalige Amtskellerei und der Freiadelsbesitz, eine mittelalterliche Hofanlage von 1710 sowie das evangelische Pfarrhaus von 1760. Wer Kirberg auf eigene Faust erkunden möchte, kann dabei auf einen Audioguide des Vereins „Einst & Jetzt“ zurückgreifen. Ich habe ihn bei meinem Rundgang selbst ausprobiert und fand es spannend, den Ort nicht nur zu sehen, sondern gleichzeitig mehr über seine Geschichte und Entwicklung zu erfahren.

Ich lade euch gerne zu einem Rundgang durch diesen Ortsteil von Hünfelden ein. Mein erster Rundgang hat jedenfalls dafür gesorgt, dass Kirberg für mich nicht länger nur ein Ort an der B417 ist. Die Burg selbst konnte ich bei meinem ersten Besuch leider noch nicht näher kennenlernen. Vielleicht ist das ein Grund, Kirberg noch einmal zu besuchen.

Informationen

Anfahrt nach Kirberg

Nach Kirberg gelangt ihr über die B417. Ich habe auf dem Pendlerparkplatz in der Limburger Straße geparkt und bin dann innerhalb von 7 Minuten in den alten Ortskern hineingelaufen. Als erstes kommt ihr dabei an der Ringmauer an.

Heimatmuseum

Zu verschiedenen Akionstagen, am Tag des offenen Denkmals sowie zum Hünfeldener Winterzauber öffnet das Heimatmuseum seine Türen.
Mehr erfahrt ihr beim Verein Einst&Jetzt e.V.

Audioguide

Auf der Internet-Seite „hünfelden.digital“ habt ihr die Möglichkeit, Kirberg per Audioguide zu entdecken. Zudem besitzen die historischen Häuser einen QR-Code, mit dem ihr direkt zum Beitrag zu dem Gebäude gelangt.

Wenn ihr in Kirberg seid, macht gerne auch einen Abstecher nach Gnadenthal, ein Ort, an dem ihr zur Ruhe kommen könnt.