Kirberg entdecken – Spaziergang durch den historischen Ortskern
Bisher war für mich Kirberg ein Ortsteil von Hünfelden, den ich passiere, wenn ich von Limburg nach Wiesbaden auf der B417 unterwegs bin. Ich habe mir nun bewusst Zeit genommen, den alten Ortskern zu entdecken und möchte Euch auf einen Spaziergang mitnehmen.
Bei meiner Recherche zu „Burgen und Schlösser im Landkreis Limburg-Weilburg“ bin ich darauf gestoßen, dass es auch in Kirberg eine Burg gab. Das hat mich neugierig gemacht. Denn eine Burgruine war mir bei meinen bisherigen Fahrten durch Kirberg noch nie aufgefallen. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf so viele schöne Fachwerkhäuser zu stoßen. Und auch wenn viele der alten Gehöfte hinter Mauern und Toren liegen und sich deshalb nicht immer aus der Nähe betrachten lassen, lohnt sich der Blick in die Straßen und auf die Details.
Auf der Suche nach der Burg
Wegen der Burg bin ich gekommen. Doch die musste ich tatsächlich erst einmal ein wenig suchen, da sie mitten im Grünen liegt und sich dadurch nur erahnen lässt, wie groß sie ist. Leider hatte ich bei meinem Rundgang keine Möglichkeit, auf die Burg zu gehen. Die Aussichtsplattform kann nur im Rahmen bestimmter Veranstaltungen besucht werden. Das möchte ich bei Gelegenheit unbedingt nachholen. Sehr bildprägend ist hingegen die evangelische Pfarrkirche, welche das Ortsbild stark dominiert. Vor der Kirche gibt ein Modell einen Überblick über den Ortskern und seine historischen Gebäude.

Mich interessiert auch die Geschichte hinter der Burg. Diese wurde 1355 errichtet und 1790 zum Abbruch freigegeben. Heute wird sich darum bemüht, die bestehenden Gemäuer zu erhalten. Einige Bereiche wurden bereits restauriert. Doch wie kam Kirberg eigentlich zu einer Burg? Johann I. von Nassau-Mehrenberg und Gerhard VII. von Diez beschlossen 1355, das Dorf Kirchdorf mit den beiden Siedlungen Bubenheim und Sindersbach zu einer Stadt zusammen zu führen und mit einer Mauer zu umgeben. Vor der Burg stand auf dem isolierten Felsen eine Kirche, deren Ursprung bis in die fränkische Zeit des 8. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann. Sie musste dem Burgbau weichen.
Kirberg mit Stadtrechten
Zeitgleich wurde die Ringmauer und die heutige Pfarrkirche errichtet und der Ort erhielt Stadtrechte. Steine aus dem Abbruch verwendeten die Menschen im Straßenbau und zur Errichtung von Gebäuden. Nach Errichtung der Burg mit ihrer Mauer erhielt der Ort den Namen „Kirchburg“, woraus sich später der heutige Name Kirberg entwickelte. Die Wehranlage stellte zwar den Machtanspruch dar, jedoch war sie niemals ständiger Wohnsitz.
Direkt neben der Pfarrkirche zieht das Alte Rathaus den Blick auf sich. Ein imposantes Fachwerkgebäude lädt zum Entdecken ein. Dieses wurde im 18. Jahrhundert anstelle eines mittelalterlichen Burgmannenhauses errichtet. Heute beherbergt es das Heimatmuseum, welches der Verein „Einst & Jetzt“ pflegt. Besonders faszinierend fand ich die Türklopfer am Gebäude, große Ringe, welche von Löwen im Maul gehalten werden. Ebenfalls neben der Pfarrkirche befindet sich eines der ältesten erhaltenen Spritzenhäuser aus dem Jahr 1753, in dem die Feuerspritze für das gesamte Amt Kirberg mit Heringen, Neesbach, Nauheim und Ohren untergestellt war.

Ringmauer von Kirberg
Läuft man in den alten Ortskern hinein, tauchen immer wieder Teile der ehemaligen Ringmauer auf. Mal steht ein Stück ganz selbstverständlich neben einem Haus, mal entdeckt man es erst, wenn man zwischen zwei Gebäuden hindurchschaut. Heute wirken diese Mauerreste beinahe wie ein natürlicher Bestandteil des Ortsbildes. Sie gehören zu Gärten und Grundstücken und fügen sich so selbstverständlich in den Ort ein, dass man leicht übersehen kann, was eigentlich dahintersteckt.

Dabei umschloss die Befestigung früher den gesamten Ort. Kirberg besaß sogar Stadtrechte. Die Errichtung der Ringmauer begann ab 1355; im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden große Teile der Befestigung abgetragen. Geblieben sind einzelne Abschnitte, die heute eher beiläufig wirken und gerade deshalb für mich zu den spannenden Entdeckungen des Rundgangs gehören. Doch die heutige Bebauung innerhalb dieser Mauern erzählt noch eine weitere Geschichte. 1710 gab es einen großen Brand innerhalb der Burgmauern, der große Teile des alten Ortskerns zerstörte. Viele der heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden als direkte Folge des Feuers im frühen 18. Jahrhundert wieder neu errichtet und vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie es früher hier ausgesehen hat.
Viele denkmalgeschütze Gebäude
Ein ebenfalls imposantes Gebäude ist der Steinsche Hof, ein Fachwerkbau, aus dem Jahr 1481 mit ursprünglich sechs Türmen. Er gehörte zunächst der Adelsfamilie von Reifenberg und ging später in den Besitz von Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein über. Seine Reformbestrebungen trugen ab 1786 unter anderem zur Aufhebung der Leibeigenschaft auf dem Land bei.

Wenn ihr selbst durch die Burgstraße geht, kommt ihr an zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden vorbei. Dazu gehören die ehemalige Puppenwerkstatt aus etwa 1670, das Nassau-Usingische Amtshaus von 1769, der Freiadelshof der Schütz von Holzhausen aus dem Jahr 1594, die ehemalige Amtskellerei und der Freiadelsbesitz, eine mittelalterliche Hofanlage von 1710 sowie das evangelische Pfarrhaus von 1760. Wer Kirberg auf eigene Faust erkunden möchte, kann dabei auf einen Audioguide des Vereins „Einst & Jetzt“ zurückgreifen. Ich habe ihn bei meinem Rundgang selbst ausprobiert und fand es spannend, den Ort nicht nur zu sehen, sondern gleichzeitig mehr über seine Geschichte und Entwicklung zu erfahren.
Ich lade euch gerne zu einem Rundgang durch diesen Ortsteil von Hünfelden ein. Mein erster Rundgang hat jedenfalls dafür gesorgt, dass Kirberg für mich nicht länger nur ein Ort an der B417 ist. Die Burg selbst konnte ich bei meinem ersten Besuch leider noch nicht näher kennenlernen. Vielleicht ist das ein Grund, Kirberg noch einmal zu besuchen.
Informationen
Anfahrt nach Kirberg
Nach Kirberg gelangt ihr über die B417. Ich habe auf dem Pendlerparkplatz in der Limburger Straße geparkt und bin dann innerhalb von 7 Minuten in den alten Ortskern hineingelaufen. Als erstes kommt ihr dabei an der Ringmauer an.
Heimatmuseum
Zu verschiedenen Akionstagen, am Tag des offenen Denkmals sowie zum Hünfeldener Winterzauber öffnet das Heimatmuseum seine Türen.
Mehr erfahrt ihr beim Verein Einst&Jetzt e.V.
Audioguide
Auf der Internet-Seite „hünfelden.digital“ habt ihr die Möglichkeit, Kirberg per Audioguide zu entdecken. Zudem besitzen die historischen Häuser einen QR-Code, mit dem ihr direkt zum Beitrag zu dem Gebäude gelangt.
