Zum Hauptinhalt springen

Monat: September 2024

Weinbach von oben

Weinbach – eine kleine Entdeckungsreise

Weinbach wirkt recht unscheinbar und nach besonderen Plätzen gefragt, muss manch einer eventuell etwas länger überlegen.
Doch mit seinen Ortsteilen Blessenbach, Edelsberg, Elkerhaus, Freienfels, Fürfurt und Gräveneck hat die Kommune manch schöne Dinge zu entdecken. Gerne möchte ich zu einer kleinen Entdeckungsreise in der drittkleinsten Kommune des Landkreises einladen. Weinbach liegt an der Lahn und der Weil, Radwege und verschiedene Wanderwege führen an Weinbach vorbei und es lohnt sich, auch dem kleinen Ort ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

Weinbach – Hauptort der Kommune

Durch Weinbach fließt der Weinbach, viel mehr gesagt, unter Weinbach fließt er hindurch. Die Quelle des Weinbach befindet sich in Wolfenhausen, er mündet in der Weil.
Der Hauptort der Kommune wirkt recht unscheinbar. Die Ersterwähnung war 1344, doch große Bedeutung hatte dieser Ort selbst nie gehabt. Es war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, später Wohnort für die vielen Arbeiter, die im Bergbau in der Region tätig waren. Das Wappen weist auf die Herkunft des Namens hin, denn das Wappen trägt ein goldenes Weinblatt, welches auf den ehemaligen Weinanbau in der Region hinweist. Die Wellenlinie im Wappen weist auf den Weinbach hin. Das Beil im oberen Teil des Wappens weist auf das Rittergeschlecht der „von Elkerhausen“ hin. Dazu später mehr.

Mitten im Ort steht die denkmalgeschützte evangelische Kirche, welche aus 1728 stammt.

Kirche in Weinbach

Direkt gegenüber vom Rathaus befindet sich das Alte Spritzenhaus. Dieses hat eine neue Nutzung erfahren und dient inzwischen u.a. der Kunstinitiative Weinbach für Malkurse, Einblicke in kreatives Arbeiten und für Ausstellungen. Hier ist ein schöner Kulturort entstanden. Auf dem Platz zwischen Rathaus und Spritzenhaus findet zudem immer am 1. Mittwoch im Monat der Weinbacher Regionalmarkt statt.

Wenn man sich die Zeit nimmt und den Berg hochläuft, gibt es einen schönen Blick über Weinbach. Es ist sehr gut zu erkennen, wie sich das Dorf in das Tal einbettet. Wenn ihr in Weinbach unterwegs seid, kann ich einen Besuch der Pilzfarm Noll empfehlen.

Weinbach von oben

Weinbach wirkt ein wenig vergessen. Die anderen Ortsteile sind nach außen hin besser bekannt. Beginnen wir bei Freienfels, welches durch die Freienfelser Ritterspiele weit über die Region hinaus bekannt sein dürfte.

Freienfels – Wo das Mittelalter wohnt

Im nächsten Jahr feiern die Freienfelser Ritterspiele ein großes Jubiläum – sie finden dann zum 30. Mal statt. Es ist ein riesen Mittelalterspektakel, dass aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern Mitwirkende und Besucher anlockt. Ins Leben gerufen wurde dieses Spektakel, um die Burg Freienfels instand zu halten. Diese ist frei zugänglich und ich empfehle einen Besuch außerhalb der Ritterspiele, um sie sich in Ruhe anzuschauen. Die Burg thront hoch über dem Weiltal.

Burgruine Freienfels
Burg Freienfels hoch über dem Weiltal

Am Fuße der Burg führt der Weiltalweg entlang. Dies ist ein wunderschöner Weg für Radfahrer und Wanderer. Mitten in die Natur eingebettet führt der Weg die Weil entlang.

Fürfurt und Gräveneck an der Lahn

Die zwei Ortsteile Fürfurt und Gräveneck liegen direkt an der Lahn und sind dadurch vom Lahntourismus geprägt. In einem Kanu sitzend und auf der Lahn paddelnd, ist noch die schönste Art, das Lahntal zu entdecken. Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, die Region über den Lahnradweg oder den Lahnwanderweg an der Lahn entlang oder über den Lahnhöhenweg zu entdecken.

Weinbach-Fürfurt an der Lahn

Doch es gibt nicht die Lahn alleine, welche einen Besuch lohnenswert macht. Im Wald von Fürfurt gibt es eine Gesteinsformation, welche darauf hinweist, dass es in der Gegend vor rund 380 Millionen Jahren Vulkanismus gab. Durch diesen Vulkanismus entstand erst der bekannt Lahnmarmor. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich einen Besuch des Lahn-Marmor-Museums in Villmar.

Während Fürfurt sich an die Lahn anschmiegt, befindet sich Gräveneck hoch über der Lahn. Direkt an der Lahn gibt es einen Campingplatz. Doch nicht nur durch die Lahn wird der Ortsteil interessant. Die bereits erwähnten Ritter von Elkerhausen errichteten im Jahr 1352 die Höhenburg Neu-Elkerhausen, nachdem sie ihre Burg in Elkerhausen verloren hatten. An diese Burg erinnern heute noch Mauerreste. Doch damit nicht genug. Als Belagerungsburg Graf Philipps von Nassau wurde die Burg Gräveneck 1395 errichtet. Von dieser ist heute nur noch ein Gewölbekeller übrig. Bei dem Krieg gegen die Elkerhäuser Ritter dürfte es sich um einen Stellvertreterkrieg gehandelt haben.

Elkerhausen – Sitz der Ritter

Nachdem wir von den Ritter bereits ein wenig gehört haben, geht es nun nach Elkerhausen, im Weinbachtal gelegen. Bei der Burg Elkerhausen handelt es sich um eine ehemalige Wasserburg, welche mitten im Ort ist und sich in Privatbesitz befindet.

Als bei dieser 1352 die Verteidigungsanlagen zerstört wurden und die Ritter keine neue Burg bauen durften, errichteten diese in Gräveneck auf einem Diezer Lehen die Burg Neu-Elkerhausen, wie oben beschrieben.

Burg Elkerhausen

Der Ort Elkerhausen wirkt heute recht unscheinbar, doch es lohnt sich, ihm einen Besuch abzustatten. Einige Wanderwege führen an Elkerhausen vorbei – der Höhenlahnweg wie auch der Lahn-Camino sowie der  Schinderhannespfad laden zum wandern ein.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Gemeinde Weinbach. Sie hat einiges verstecktes Potential und wenn man bei einer Wanderung an ihr vorbeikommt, sollte man sich einen Moment Zeit nehmen, um zu schauen, was sie alles bereithält. Auch ich habe noch nicht alle Ortsteile besucht und freue mich darauf, auch diese noch zu entdecken.

 

Auf dem Bild gibt es einen Blick vom Balkon im Windhof Weilburg

Windhof Weilburg- Vom Jagdschloss zum Wohnheim

Nutzungen können sich ändern, wie der Windhof Weilburg auf erstaunliche Weise zeigt. Vom barocken Jagdschloss zum Wohnheim gab es eine interessante Metamorphose, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.

Steht man auf dem Areal des Windhof Weilburg, sieht alles sehr stimmig aus und erscheint aus einer Epoche zu stammen. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals fand eine Führung statt und dabei erfuhren die Besucher, dass der äußere Schein trügt und das Areal ganz viel zu erzählen hat.

Windhof Weilburg – Vorbild Versailles

Auf der Fläche des Windhof Weilburg befand sich vor langer Zeit ein landwirtschaftlicher Betrieb, heute beherbergt er 150 Studenten der staatlichen Fachschule Weilburg-Hadamar. Und dazwischen kann das Gelände auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Das Hofgut trug den Namen „Wynthusin“ und wurde bereits 1327 erwähnt. Ab 1671 taucht die Bezeichnung Windhof auf. Diese rührt wohl von der erhöhten Lage her, die en Winden ungeschützt ausgesetzt war.

Um 1713 wurde das Jagd- und Lustschloss Windhof von Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg erbaut. Dieser lebte als junger Mann im französischen Versailles und erlebte dort den Barock. Dies faszinierte ihn sehr und nach diesem Vorbild wollte er Weilburg umgestalten. Aus dem maroden Städtchen Weilburg schaffte er das heutige barocke Schloss mit Schlosskirche und Marktplatz. Nach dem französischen Vorbild baute er vor rund 300 Jahren die ganze Stadt um und errichtete ein kleines Versailles. Da auf dem Hügel, wo das Schloss sitzt, der Platz einschränkend wirkte, gab es große Pläne von einem Jagdschloss mit umfangreichen Gartenanlagen – in Sichtachsen zum Schloss und der barocken Wasserversorgung angelegt.

Der Windhof war als Rückzugsort für den Adel gedacht. Der Mittelpunkt des Jagdschloss war ein Tanzsaal mit hoher Decke, unter der Decke konnten die Musiker sitzen und die Musik rieselte nach unten. Auf dem Balkon stehend gab es einen wunderschönen Blick zum Schloss hinüber, vor dem Jagdschloss befand sich ein Ententeich. Links und rechts vom Jagdschloss waren weiterhin Stallungen und Wirtschaftsgebäude untergebracht.

Jagdschloss Windhof Weilburg

Umnutzung in den 1930er Jahren

In den 1930er Jahren kam es zu einer Umnutzung – an dem Standort sollte eine Hochschule für Lehrer entstehen. Dies war verbunden mit massiven Umbauarbeiten. Der Ententeich wurde trockengelegt, um einen Veranstaltungsort zu schaffen und die Fläche als Thingplatz zu nutzen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurden teilweise bis auf die Kellermauern abgetragen und neu hochgezogen. Auch wenn die Anlage heute erscheint wie aus einer Epoche, aus einem Guss, sind viele Teile davon gar nicht so alt. Eine Hochschule für Lehrer wurde nie fertig gestellt. Im Zweiten Weltkrieg war die Wehrmacht dort stationiert und nach dem Krieg hatte die US-Armee einen Stützpunkt dort. Und wie bereits erwähnt, ist der Windhof heute Wohnheim für Studenten. Seit 1963 nutzt die staatliche Fachschule das Gelände.

Und wieder ein Stück Metamorphose, denn aus dem Tanzsaal wurde ein Sportsaal, dann Aula und Mensa. Zahlreiche Funktionen erfüllte dieser Raum, was ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen ist.

Bei der Führung gab es Einblicke, die man so sonst nicht hat. So gibt es parallel zu dem eine Gebäude einen unterirdischen Gang. Von seiner Gestaltung und der Lage handelte es sich wohl um einen Gang zur Entwässerung zwischen Ententeich und Kellerräumen.

Windhof Weilburg

Weilburg ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten. Ich kann nur jedem empfehlen, sich Zeit für einen Rundgang durch Weilburg zu nehmen. Sehr imponiert hat mich auch die Geschichte rund um die Schlosskirche Weilburg, die von einem Ort der Machtdemonstration zu einem Ort der Demokratie wurde.

Euch gefallen meine Tipps aus dem Landkreis? Dann freue ich mich, wenn ihr mir einen virtuellen Kaffee spendiert.

 

Auf dem Bild ist die Schlosskirche Weilburg zu sehen

Schlosskirche Weilburg – Machtdemonstration und Demokratie

Gebaut, um den absoluten Machtanspruch des Fürsten sichtbar zu machen, ist die Schlosskirche Weilburg heute ein Ort der Demokratie und des Miteinanders. 

Manchmal betritt man ein Gebäude und freut sich einfach an der Gestaltung und der Wirkung des Raumes auf einen selbst. Und manchmal hat man die Möglichkeit, mehr über ein Gebäude zu erfahren und viel tiefer in die Materie einzudringen. Dies war möglich am Tag des offenen Denkmals in der Schlosskirche in Weilburg. Dank der Führung von Pfarrer Guido Hepke sehe ich die Schlosskirche heute mit anderen Augen.

Auf dem Bild ist die Schlosskirche Weilburg zu sehen

Schlosskirche Weilburg als Machtdemonstration

Wer die barocke Schlossanlage in Weilburg besucht, kommt an der Schlosskirche nicht vorbei. Sie zählt zu den Denkmälern in Deutschland, ist die größte, lutherische, durch einen Fürsten gebaute Kirche und gilt als bedeutendste evangelische Kirchenbau aus der frühen Neuzeit in Hessen (so im Prospekt des Stadtrundgangs Weilburg zu lesen).

Über die Obere Orangerie ist die Schlosskirche mit dem Schloss verbunden und sie steht als Symbol für das absolutistische Weltbild, welches damals unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg existierte. Bevor die Schlosskirche erbaut wurde, standen dort die Andreas- und die Martinskirche. Doch für den Grafen, der in seiner Jugend durch ein Leben in Versailles geprägt wurde, waren diese alt und nicht prächtig genug, so dass diese abgerissen und durch den neuen, barocken Kirchenbau ersetzt wurden. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche fand auch eine umfangreiche Renovierung und Erweiterung des Schlosses zur heutigen Anlage statt. Der Abbruch der beiden alten Kirchen und Neubau der Schlosskirche fanden zwischen 1707 und 1713 statt.

Neben der Schlosskirche befindet sich das alte Rathaus, heute Restaurant und Musikschule. Somit war die städtische Selbstverwaltung direkt neben der Kirche in das damalige Herrschaftssystem eingebunden und für den Magistrat gab es eine Gottesdienstpflicht. Dieser nicht nachzukommen, konnte sich negativ auf die Personen auswirken.

Und so ist auch die Aufteilung der Kirche eine reine Machtdemonstration des damaligen Fürsten gewesen. Die Geistlichkeit – dargestellt im Altar, der Kanzel und der Orgel – stehen der Weltlichkeit – die Sitzbänke des Magistrates und der Fürstenloge – gegenüber. Im Kirchenraum befanden sich Sitzbänke, die streng nach Ortschaften getrennt waren. Je höher der Stand, umso bessere Sitzplätze gab es und je näher man dem Fürsten saß, umso besser war der eigene Stand. Der Gottesdienst war für den Fürsten eine Möglichkeit, Hof zu halten und sich zu zeigen. Er stand über allem. Und die Sitzbänke waren so angeordnet, dass ihm niemand seiner Untertanen den Rücken zukehren konnte. Die Kirche stand damals für eine riesige Prachtentfaltung: „Ich bin der Fürst und alle sind mit untertan!“

Auf dem Bild seht ihr die Fenster der Fürstenloge in der Schlosskirche Weilburg

Schlosskirche als Ort der Demokratie

Über der Loge befindet sich ein Halbkuppelgewölbe aus Ziegelstein, welches mit reichlich Stuck verziert ist. Auch bei dieser Gestaltung ist zu sehen, dass alles aufs Repräsentieren ausgelegt war.

Doch heute ist die Fürstenloge leer, niemand „thront“ mehr über den Besuchern des Gottesdienstes. An besonderen Tagen wird sie für Führungen geöffnet. Die Farbe sind verblasst, die einstmalige Herrlichkeit erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Und auch der Kircheninnenraum und die Anordnung der Bänke wurde verändert. Die Besucher sitzen in einer kreisförmigen Anordnung, alle sitzen auf einer Höhe. Dies führt zu einer anderen Interpretation des des Kirchenraumes. „Alle sitzen im Kreis, alle sind gleich, es macht das demokratische Miteinander aller sichtbar“, so Pfarrer Guido Hepke bei der Führung. Und er wünscht sich, dass die Fürstenloge auf immer leer bleibt und das demokratische Miteinander erhalten bleibt. Mehr dazu auch in diesem Statement von ihm.

Restaurierung der Orgel

Wer sich bei der Führung zum Tag des offenen Denkmals unter das Dach wagte, konnte einige interessante Dinge zur Orgel erfahren, welche sich gerade in der Restaurierung befindet. Ursprünglich wurde eine barocke Orgel eingebaut. 1902/03 wurde diese durch eine Sauer-Orgel ersetzt. In den 1970er Jahren fand eine Restaurierung statt und es wurden wieder einige alte barocke Pfeifen in die Orgel integriert. Und dann stimmte das Klangbild gar nicht mehr. Dank einer Denkmalförderung vom Bund sowie einer hohen Spendenbereitschaft wird die Orgel aktuell restauriert und soll hoffentlich bis zum Reformationstag wieder ihren vollen Klang entfalten können. Schlosskirche Weilburg mit Blick auf die Werkstatt der OrgelrestaurationZahlreiche Geschichten und Einblicke hält die Schlosskirche Weilburg für die Besucher bereit. Nicht alle Geheimnisse sind jederzeit zu entdecken, daher die Augen offenhalten, wenn Führungen angeboten werden.

Mehr zur Schlosskirche Weilburg erfahrt ihr auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Weilburg.

 

Auf dem Bild ist das Plakat zur Ausstellung von Martin Volk inmitten von grünen Pflanzen

Martin Volk – ein expressiver Künstler des Barocks

Das Diözesanmuseum hat zu einer Vernissage zur aktuellen Ausstellung „Martin Volk – Ein Hadamarer Künstler des Barocks“ eingeladen. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. November 2024 zu sehen.

Die Figuren von Martin Volk sind in zahlreichen Kirchen in der Region zu sehen – der Hochaltar und die Kanzel der Liebfrauenkirche in Hadamar, die Seitenaltäre in der Kirche St. Peter in Niederzeuzheim, der Altar der Brückenkapelle im Limburger Dom oder auch die Reste des Hochaltars und die Kanzel in der St. Anna Kirche in Limburg. Dort befinden sie sich in einem Gesamtwerkkunstwerk. Auch der Hl. Nepomuk auf der Steinernen Brücke in Hadamar dürfte so manchem bekannt sein. Jetzt widmet sich das Diözesanmuseum in einer Sonderausstellung den Figuren von Martin Volk und einzeln für sich betrachtet, wirken sie völlig anders und das expressive, theatralische lässt sich nochmal mehr erfassen.

Auf dem Bild ist eine Skulptur zu sehen, die nach oben schaut und einen Schlüssel hält

700 Jahre Hadamar

Die Sonderausstellung findet im Rahmen des 700-jährigen Stadtfestes der Stadt Hadamar statt. Der Hadamarer Barock sowie die Hadamarer Schule sei Bestandteil der Stadtgeschichte, so Bürgermeister Michael Ruoff zur Eröffnung der Ausstellung. Daher sei er sehr dankbar, dass das Diözesanmuseum die Aufmerksamkeit auf diese Epoche lenkt. Einen Einblick gab Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft, Direktor vom Diözesanmuseum.

Es sei schon sehr interessant, dass Martin Volk sowie die beiden Brüder Johann Theodor Thüringer und Johann Nikolaus Thüringer aus einem unbedeutenden kleinen Ort bei Münnerstadt, Franken, nach Hadamar kamen und hier in ihren Werkstätten wirkten. In ihren Kunstwerken finden sich immer wieder spätgotische Stilelemente des Künstlers Tilmann Riemenschneider (1460 – 1531), der seine Werkstatt in Franken hatte.

Die Hadamarer Schule fasst die künstlerischen Werkstätten zusammen, die es im 17. Jahrhundert in der Fürstenstadt gab. Hier kam es zum Zusammenwirken verschiedener Kulturorte, denn die Hadamarer Schule wie auch das Hadamarer Gymnasium besaßen eine hohe Qualität, so dass die Menschen für ihre Ausbildung nicht nach Weilburg oder Herborn gingen, sondern in die Fürstenstadt kamen. Und während es im Hadamarer Raum keine Figuren aus Mainz, Trier oder Köln zu finden gibt, wurden Figuren aus Hadamar in andere Kulturräume exportiert und sind u.a. auch im Rheingau zu finden.

Expressive Figuren

Doch was macht diese Figuren so besonders? Um dies herauszufinden, empfehle ich einen Besuch der Ausstellung oder einer der am Anfang erwähnten Kirchen. Die Figuren wirken lebendig. Durch die Haare scheint der Wind zu gehen, die Kleidung scheint in Bewegung. Die Figuren haben Charakter. Diese expressive Darstellung war ein Merkmal von Martin Volk. Bei den Jesuiten, die an ihrer Schule viel Theater spielten, ließ er sich inspirieren, so dass die Figuren theatralisch wirken, sich in Theaterposen befinden.

Auf dem Bild sind zwei Frauenfiguren mit Federn in der Hand zu sehen

Ihr außergewöhnliches Schaffen fiel mit der Geschichte zusammen. Im 16. Jahrhundert fand mit der Reformation der Bildersturm statt. Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke der katholischen Kirche wurden zerstört, die Kirchen leergeräumt. Auch in Hadamar verbreitete sich das reformatorische Gedankengut. Unter Fürst Johann Ludwig in der neu gegründeten Grafschaft Nassau-Hadamar fand die Rekatholisierung um 1629/30 statt und es bedarf im hohen Maße Kunstwerke für die Kirchen. Künstler der verschiedenen Kunstrichtungen wanderten nach Hadamar ein und vor allem die Bildhauer entwickelten ein sehr hohes Niveau.

Mann mit Schlüssel in der Hand

Neben den einzelnen Figuren wird die Ausstellung ergänzt von deckenhohen Fotografien der Altäre in der Region, aus denen die Figuren nicht entnommen wurden. So ergibt die Ausstellung eine interessante Gesamtkomposition, die durch sich alleine wirkt.

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung

Wer mehr über Martin Volk und den Hadamarer Barock erfahren möchte, ist zu weiteren Veranstaltungen eingeladen.

24.09.2024 um 18.30 Uhr Nassau-Hadamar, ein kleines Fürstentum auf großer Bühne (Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft)

15.Oktober 2024 um 18.30 Uhr Hadamarer Barock. Kunst aus der Provinz – alles andere als provinziell (Dominik Müller)

06. November 2024 um 18.30 Uhr Barock und Gegenreformation – Die Jesuiten im Fürstentum Nassau-Hadamar (Oliver Teufer