Seit Herbst 2024 ist der Kurpark in Bad Camberg um eine Attraktion reicher – der Barfußpfad lädt zum Entdecken ein.
Barfuß laufen auf verschiedenen Untergründen ist eine besondere Erfahrung, welche Körper und Seele stärkt und somit perfekt in das Konzept des Kurparkes passt.
Barfußpfad Bad Camberg
Der Kurpark in Bad Camberg bietet bereits eine große Vielfalt für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Neben einem Kräutergarten, Kneipp-Bädern, einem Sportparkour und Spazierwegen gibt es eine weitere Attraktion zu entdecken, die sich vor allem der Gesundheit der Füße widmet – der Barfußpfad. Als ein Rundweg angelegt, ist er für alle Besucher und Besucherinnen geeignet, die gerne erfahren möchten, wie es ist, auch verschiedenen Untergründen zu laufen. Rund um den Pfad gibt es Bäume, so dass es sich anfühlt, als ob man sich mitten in der Natur befindet.
Doch was ist das Besondere an einem Barfußpfad? Barfußlaufen auf unterschiedlichen Naturmaterialien ist mehr als nur ein kleines Abenteuer für die Füße. Es ist ein wohltuendes Erlebnis für Körper und Geist. Es ist eine kleine Auszeit in der Natur.
Die Untergründe sind sehr vielgestaltig – Holz, Stroh, kleine runde Steine, kleine spitze Steine, große grobe Steine, große runde Steine oder Erde. Jeder Untergrund fühlt sich für die Fußsohlen anders an. Auf dem einen Untergrund ist ein sicheres Gehen ohne Probleme möglich, auf einem anderen Untergrund fühlt man sich unsicher und balanciert sehr vorsichtig über die Fläche.
Barfußlaufen für unsere Gesundheit
Doch warum tut uns das Barfußlaufen so gut? Unsere Fußsohlen besitzen zahlreiche Nervenenden. Wie bei einer Reflexzonenmassage sprechen unterschiedliche Bodenbeläge jeweils andere Zonen in der Fußsohle an. Ein Gang über den Pfad kann Verspannungen lösen, die Durchblutung fördern und sogar innere Organe stimulieren.
Durch die bewusste Wahrnehmung des Untergrundes und die vorsichtige Fortbewegung, um sich nicht zu verletzen, ist jeder ganz bei sich. Diese Achtsamkeit entschleunigt und öffnet alle Sinne. Daher könnt ihr dies auch nutzen, um ganz bei euch zu sein und eine kleine Auszeit vom Alltag nehmen.
Zudem kräftigt dies die Beinmuskulatur, denn es werden ständig kleine Ausgleichsbewegungen gemacht. Das trainiert nicht nur die Tiefenmuskulatur, sondern verbessert auch Haltung und Balance. Wenn ihr Rückenprobleme oder Gelenkbeschwerden habt, ist dies ein Pluspunkt für euch.
Ein gutes Barfuß-Erlebnis
Zum Schluss noch ein paar Tipps, damit euer Erlebnis auf dem Barfußpfad gut wird.
Am besten plant ihr einen Besuch bei trockenem Wetter. Wobei auch ein feuchter Untergrund seinen Reiz haben kann. Für saubere Füße danach lohnt sich ein kleines Handtuch oder Feuchttücher. Wer empfindliche Füße hat, sollte langsam starten und Pausen zwischendurch machen. Und hört auf euch selbst. Das Begehen des Pfades soll Spaß machen und nicht schmerzen.
Der Barfußpfad Bad Camberg ist eine Einladung, sich selbst wieder zu spüren. Mit jedem Schritt erlebt ihr einen intensiven Kontakt mit der Natur und bekommt ein Bewusstsein für den eigenen Körper. Besucht nur den Pfad oder bindet ihn ein in einen kleinen Spaziergang.
Informationen
Am Rande des Rundweges gibt es mehrere Sitzgelegenheiten, um die Schuhe auszuziehen oder eine kurze Pause zu machen. Schwierige Untergründe sind mit einem Geländer aus Holz gesichert, falls man sich unsicher beim Drüberlaufen fühlt.
Der Barfußpfad Bad Camberg ist nicht ganz so leicht zu finden, wenn man sich vor Ort nicht ganz so gut auskennt. Er liegt am Ende des Rundweges im Kurpark, wo sich die Obertorstraße und der Blumenweg bei der Kastanienallee kreuzen.
Ihr habt Lust, noch ein wenig rund um Bad Camberg wandern zu gehen? Dann folgt von dort gerne dem Wegweiser zum Baumwipfelweg in rund drei Kilometer Entfernung und genießt einen Blick über Bad Camberg hinweg.
Mittelhessen ist reich an industriellen Kulturgütern. Alle zwei Jahre, an den Tagen der Industriekultur, lassen sich zahlreiche Geschichten entdecken. Sie erzählen von der Industrie, die einmal war und die Region geprägt hat.
Die Tage der Industriekultur Mittelhessen finden diesen Jahr vom 27. Juni bis zum 06. Juli in Mittelhessen statt. Zahlreiche Stätten öffnen ihre Türen und gewähren Einblicke, die sonst eher selten sind. Auch im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es einige interessante Veranstaltungen.
Industriekultur erleben in Mittelhessen
Industriekultur klingt vielleicht erst einmal nach Ruß, Maschinenlärm und alten Backsteinmauern. Doch dahinter steckt weit mehr. Es sind Geschichten von Erfindergeist, Wandel und regionaler Identität. In Mittelhessen prägen diese Spuren der industriellen Entwicklung bis heute das Gesicht ganzer Orte. Einmal im Jahr laden sie dazu ein, entdeckt zu werden.
Mit den 4. Tagen der Industriekultur Mittelhessen rückt diese facettenreiche Vergangenheit erneut in den Fokus. In den fünf mittelhessischen Landkreisen – Gießen, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg – öffnen in dieser Zeit erneut viele besondere Orte ihre Türen. Alte Werkhallen, technische Denkmäler, Museen und Touren entlang historischer Wege machen greifbar, was sonst leicht übersehen wird. Die industrielle Vergangenheit ist ein lebendiger Teil unserer Gegenwart.
Welche Veranstaltungen im Landkreis Limburg-Weilburg im Rahmen der Aktion stattfinden, habe ich nachfolgend zusammengestellt.
1. Eröffnung und Vortrag im Lahn-Marmor-Museum
Am 27. Juni werden die Tage der Industriekultur offiziell im Lahn-Marmor-Museum eröffnet. Um 17 Uhr beginnt das Event unter dem Motto „Marmor, Stein und Eisen spricht – Industriekultur meets Klassik“. Das Lahn-Marmor-Museum in Villmar steht für die geologische Geschichte im Lahnbecken. Dort erfahren die Besucher zahlreiche Fakten zur Entstehung des Lahnmarmors, zum Abbau und zur Nutzung. Neben der offiziellen Eröffnungsfeier lädt das Museum am 04.07. um 18 Uhr zu einem Vortrag über den Lahn-Marmor ein und wo dieser weltweit in welchen Bauwerken bis heute zu finden ist. Mehr zur Vortragsveranstaltung finden ihr hier.
2. Kochen wie früher
Wer wissen möchte, wie die Bergleute damals kochten, ist bei der VHS in Weilburg richtig. Dort wird am 04.07. von 18 bis 21 Uhr ein Kochkurs zum Thema angeboten. Bei vielen Themenwanderungen in der Region rund um den Bergbau bietet Naturführer Christian Radkovsky verschiedene ehemalige Köstlichkeiten an. Bei diesem Kochkurs besteht nun die Gelegenheit, diese nachzukochen. Mehr zur Veranstaltung findet ihr hier.
3. Rohstoffe aus der Region für die Nutzer der Welt
In einem Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde dreht sich alles um die Rohstoffe, welche in der Region gewonnen werden und welche Bedeutung sie weltweit für die verschiedenen Nutzer haben. Es gibt einen Vortrag von Prof. Dr. Otto Volk zum Thema „Marmorabbau für die Region“ und von RP Dr. Christoph Ullrich zum Thema „Bedeutung des oberflächennahen Rohstoffabbaus für die Zukunft der Region“. Diese Veranstaltung findet am 03.07. um 18 Uhr beim Buss Sand- und Kieswerk statt. Mehr dazu hier.
Industriekultur rund um die heutige Werkstadt
4. Von der Bahnindustrie zum Einkaufserlebnis
Die Führung „Mit dem Auge des Architekten“ könnt ihr die Werkstadt in Limburg am 30.06. nochmal neu entdecken. Wen man mit offenen Augen durch das Gebäude geht, sind die Spuren überall sichtbar. Und dies war den Architekten und Investor durchaus gewollt. Die alten Strukturen sollten bewahrt und nicht vernichtet werden. Die Architekten plaudern bei der Führung aus dem Nähkästchen und geben manch neue Einblicke. Eine Anmeldung ist notwendig. Alle weiteren Informationen findet ihr hier.
5. Das Bahnausbesserungswerk in Limburg
Rund um das ehemalige Bahnausbesserungswerk wird ein weiterer Vortrag mit Führung am 01.07. angeboten. Über 140 Jahre hat dieses Werk das Leben der Menschen und die Region geprägt. es wird die Entwicklung des Werkes aufgezeigt, die unterschiedlichen Produktionen im Werk sowie der Niedergang des Werkes als einst größtem Arbeitgeber in der Region beschrieben. Mehr zur Veranstaltung findet ihr hier.
6. Der Spitzbunker in Limburg
Den Spitzbunker in Limburg bei der Werkstadt kennen viele Menschen von außen. Im Rahmen der Tage der Industriekultur öffnet er seine Türen und es besteht zweimal (01. sowie 03.07.) die Gelegenheit, ihn auch von innen zu besuchen. Wer sich vorher schonmal ein wenig informieren möchte, kann diesen Beitrag lesen.
Eine weitere Veranstaltung dreht sich rund um das Thema Eisenbahn und Industrialisierung und was dies damals für die Region bedeutete. Auch diese Veranstaltung findet in der Werkstadt statt, eine Anmeldung ist notwendig.
Mehr zu den Tagen der Industriekultur findet ihr auf der Seite der Industriekultur Mittelhessen oder besucht die Industriekultur auf Instagram.
Der Spitzbunker in Limburg erhebt sich prägend empor. Viele kennen ihn vom Sehen: Der markante Turm neben dem Parkdeck der WERKStadt Limburg ist Teil des Stadtbildes – doch nur wenige wissen um seine Geschichte. Der Spitzbunker ist ein Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus und gehört zu den letzten erhaltenen Exemplaren seiner Bauart. Der Historiker Dr. Bernd A. Weil hat diesem besonderen Bauwerk ein eigenes Buch gewidmet.
Ein Denkmal mitten im Alltag
Heute ist der Turm nahezu vollständig von Efeu überwuchert. Von außen wirkt er beinahe wie ein verwunschener Überrest einer anderen Zeit – und genau das ist er auch. Der Bunker steht unter Denkmalschutz, denn er ist einer der wenigen noch im Originalzustand erhaltenen Winkel-Türme.
Wer über das Gelände der WERKStadt schlendert, entdeckt neben modernen Geschäften und Parkplätzen auch Spuren der industriellen Vergangenheit. Das ehemalige Reichsbahnwerk, in dem der Bunker steht, wurde 1862 gegründet und blieb bis 2002 in Betrieb. Der rund 20 Meter hohe Betonkoloss mit seiner spitz zulaufenden Form wirkt heute wie ein Fremdkörper zwischen Einkaufszentrum und Parkdeck. Doch genau das macht ihn so auffällig. Der Bau ist ein sogenannter Winkel-Turm – benannt nach dem Konstrukteur Leo Winkel aus Duisburg. Zwischen 1936 und 1941 wurden rund 200 dieser Bunker in Deutschland und Österreich errichtet. Sie dienten dem militärischen Luftschutz, insbesondere für Mitarbeiter von Rüstungsbetrieben und der Reichsbahn.
Ein Turm, der Bomben trotzen sollte
Der Spitzbunker in Limburg wurde 1941 gebaut, um die Beschäftigten des Reichsbahn-Ausbesserungswerks vor Luftangriffen zu schützen. Limburg war damals ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und spielte eine zentrale Rolle in der kriegswichtigen Logistik. Der Turm bietet Platz für bis zu 500 Personen. Drei Türen ermöglichten einen schnellen Zugang, innen führten Wendeltreppen mit nummerierten Holzbänken nach oben. Die massiven Betonwände – bis zu zwei Meter dick – konnten Gasangriffen standhalten, gleichzeitig war der Turm belüftbar. Die spitze Dachform war so konzipiert, dass Bomben abgleiten sollten, ohne zu explodieren.
Heute ist der Bunker nahezu vollständig mit Efeu und anderen Kletterpflanzen bewachsen. Er steht unter Denkmalschutz und gilt als authentisches Beispiel nationalsozialistischer Rüstungsarchitektur. Außen wie innen ist er im Originalzustand erhalten – eine Seltenheit unter den noch existierenden Luftschutzbauten. Dr. Bernd A. Weil aus Selters-Eisenbach hat dem Bauwerk ein umfassendes Buch gewidmet. Es enthält zahlreiche Fotos – auch aus dem Inneren des Bunkers – sowie die originale Patentschrift des Winkel-Turms. In seiner dreizigsten Buchveröffentlichung geht Weil auch auf die elf Luftangriffe auf Limburg und das nahegelegene Stammlager XII A in Diez ein. Er schreibt aus fundierter Perspektive – unter anderem war er bereits als Gutachter für das Hessische Kultusministerium und die Bundeszentrale für politische Bildung tätig.
Über dem Waldbrunner Ortsteil Ellar thront eine kleine Burg – die Burg Ellar. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige Wegefestung. Durch das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, konnte diese Burg ab 1975 renoviert werden und lädt zu einem Besuch ein.
Die Burg Ellar thront über den Ortsteil von Waldbrunn.
Die genaue Geschichte der Burg ist nicht mehr bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass sie vom Grafen aus Diez als Höhenburg zur Sicherung zweier alter Landstraßen – die „Hohe Straße“ sowie die „Alte Landstraße durch den Forstwald“ errichtet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus 1323 mit einem Heinricus Burggraf zu Ellar, welcher sich im Gefolge des Grafen Emicho von Nassauer Hadamar befand. Zudem gibt es aus dem Ende des 13. Jahrhundert Rechnungen über Futter für den Taubenschlag im Burgturm.
Kleine Geschichte der Burg Ellar
Es gab eine Herrschaft Ellar mit urkundlicher Erwähnung aus 1337 mit ihren vier Zehnten Lahr, Elsoff, Frickhofen und Niederzeuzheim. Das Zehnt Lahr bestand aus aus den Orten Ellar, Hausen, Fussingen, Lahr und Hintermeilingen – den heutigen Ortsteilen von Waldbrunn. Dies zeigt, dass die heute bestehenden Verbindungen seit dem 13. Jahrhundert bestanden. Die Urkunde besagt, dass Johann von Nassau-Hadamar die Burg und das Tal Ellar für 1450 Mark Limburger Währung vom Diezer Grafen erwarb. Mit dem Übergang an Nassau-Dillenburg wurde die Burg 1557 entbehrlich und verfiel ab dann. Während des 30-jährigen Krieges suchten die Dörfler Schutz in der Burg. Später nutzten die Bewohner die Steine der Burg als Baumaterial für ihre eigenen Häuser. Die Burg wurde ausgeschlachtet und zum Abladen von Schutt missbraucht.
Blick über die Region
Oben auf dem Bergfried stehend gibt es einen wunderschönen Blick über den Ort und in die Landschaft hinein. Ebenfalls gibt es von diesem Turm aus einen guten Blick auf die Anlage selbst. Diese ist annähernd rechteckig mit den Außenmaßen 21 x 27 Meter. Die Grundfläche ist rund 600 Quadratmeter groß. Die Grundmauern sind rund zwei Meter dick und bestehen aus Basaltsteinen. Im Inneren gibt es keine ursprünglichen Gebäudeanlagen mehr. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein, welcher seit 1975 die Burg saniert, hat im Inneren durch eine Holzkonstruktion eine Überdachung sowie einen zweite Etage geschaffen.
Bereits ab 1969 wurden Maßnahmen zur Sanierung der Burg eingeleitet. Bevor die ersten Sanierungsarbeiten an der Ruine begannen, war zwischendurch sogar ein kompletter Abriss im Gespräch. Doch dann übernahm der Verkehrs- und Verschönerungsverein die Sanierung und machte die Burg zu dem, was sie heute ist. Jedes Jahr Anfang August feiert der Verein ein Burgfest. Die Einnahmen aus diesem Burgfest fließen wiederum in die Sanierungsarbeiten hinein.
Informationen zur Burg Ellar
Kirchstraße 2
65620 Waldbrunn-Ellar
Öffnungszeiten
1.Mai bis 30. September 9 bis 20 Uhr
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
Auf den Wanderwegen im östlichen Westerwald lohnt es sich, einen Besuch auf der kleinen Burg Ellar mit einzuplanen.
Die Burg Ellar ist nur eine von zahlreichen Burgen und Schlössern im Landkreis Limburg-Weilburg. Einen Überblick zu den verschiedenen historischen Gebäuden findet ihr hier.
Flohmärkte sind eine sehr schöne Gelegenheit, alten Dingen ein zweites Leben zu ermöglichen. Das Stöbern und Suchen, das selber Verkaufen, der Kontakt mit den anderen Menschen, das Spazieren zwischen den Ständen – ein Flohmarkt kann so vieles sein. Damit ihr keine Termine mehr verpasst von den Flohmärkten in Limburg-Weilburg, soll es hier eine Übersicht an Terminen geben.
Nachhaltiges Konsumieren
Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und leider landen viele Dinge, viel zu schnell im Müll. Dies ist sehr schade. Eine nachhaltige Form des Konsums ist dann eine Weiterverwertung von Dingen, die man selbst nicht mehr benötigt.
So sind zum Beispiel viel zu viele Kleidungsstücke im Umlauf. Jeder kauft sich im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Die Altkleidersammlung stößt an ihre Grenzen. Viele alte Kleider landen einfach in den Restmüll. Laut einer EU-Verordnung ist dies ab de 01.01.2025 verboten. Doch wie dies aufgefangen werden soll, ist noch nicht ganz klar.
Daher bietet sich ein Flohmarkt wunderbar dafür an, seine Kleidung, die man selbst nicht mehr tragen möchte, zu verkaufen. Nachfolgend gibt es eine Übersicht an Terminen. Ich versuche, immer zu sein. Gerne könnt ihr mir auch Eure Flohmärkte melden. Da häufig Nachfragen kommen – ich sammle die Daten nur zusammen und biete sie als Übersicht an. Wer sich zu einem Flohmarkt anmelden möchte oder Informationen zu einem Flohmarkt sucht, muss sich bitte direkt an die Veranstalter wenden.
Flohmärkte im Landkreis
Limburg-Weilburg
Zu den Kinderbasaren dürfen Schwangere mit Nachweis meist eine halbe Stunde früher rein.
Samstag, 20. 06.2026
11 – 16 Uhr Girls Flohmarkt Gemeinschaftshaus Ahlbach
ab 17 Uhr Second-Hand-Nachtflohmarkt in Lindenholzhausen untere Stiegelstraße, Kirchstraße sowie anliegende Höfe
Sonntag, 21.06.2026
08 – 14 Uhr Höfeflohmarkt in Eschenau
11 – 15 Uhr Dorfflohmarkt in Selters an der Lahn
Wann finden die nächsten Flohmärkte im Landkreis Limburg-Weilburg statt?
Auf dieser Seite findest du eine regelmäßig aktualisierte Übersicht über Flohmärkte, Kinderbasare und Dorfflohmärkte im Landkreis Limburg-Weilburg.
Wo kann ich Kleidung und Spielsachen verkaufen?
Viele Kinderbasare und Flohmärkte im Landkreis bieten die Möglichkeit, Kleidung, Spielzeug und Haushaltswaren weiterzuverkaufen.
Wie melde ich mich für einen Flohmarkt an?
Die Anmeldung erfolgt direkt bei den jeweiligen Veranstaltern. Diese Seite dient ausschließlich als Terminübersicht. Ich bin selbst kein Veranstalter eines Floh- oder Trödelmarktes.
Gibt es Kinderflohmärkte im Landkreis Limburg-Weilburg?
Ja, regelmäßig finden Kinderflohmärkte und Basare in verschiedenen Orten des Landkreises statt.
Wie kommt mein Flohmarkt auf diese Seite?
Schreibe mir gerne eine Nachricht und ich nehme den Flohmarkt in die Liste mit auf.
Die Kelten haben im Landkreis Limburg-Weilburg zahlreiche Spuren hinterlassen. Von mächtigen Ringwallanlagen über alte Handelswege bis hin zu spektakulären Funden wie dem 2026 entdeckten keltischen Fürstengrab bei Bad Camberg reicht das Erbe dieser frühen Kultur. Wer heute durch den Westerwald, das Limburger Becken oder das Oberlahngebiet wandert, begegnet vielerorts den Überresten keltischer Siedlungen und Befestigungsanlagen. Dieser Beitrag nimmt euch mit auf eine Spurensuche zu den wichtigsten keltischen Orten im Landkreis Limburg-Weilburg.
Die wichtigsten keltischen Orte im Landkreis Limburg-Weilburg
Fürstengrab Bad Camberg
Dornburg
Heidenhäuschen
Domberg Limburg
Oberlahngebiet
Herrnwäldchen
Riesenburg
Brechen
Wer waren die Kelten?
Als Kelten wird eine Volksgruppe der Eisenzeit in Europa bezeichnet. Die Herkunft des Namens liegt im Dunkeln, es handelt sich laut Historiker wohl um eine Eigenbezeichnung mit indogermanischen Wurzeln. Vieles stammt von Überlieferungen wie von Herodot oder anderen griechischen und römischen Chronisten aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus, von den Kelten fehlen leider fast vollständig irgendwelche Schrifterzeugnisse. Die mündliche Weitergabe von Geschehnissen hatte wohl einen hohen Stellenwert in der Kultur. Die Kenntnisse erschließen sich dann oft über Fundstücke. Es handelte sich nie um ein geschlossenes Volk oder Nation, es handelt sich vielmehr um zahlreiche unterschiedliche ethnische Gruppen mit einer ähnlichen Kultur. Von Spanien bis nach Schottland, von Frankreich bis nach Slowenien und Kroatien hatten die Kelten ein großes Verbreitungsgebiet. Die festlandkeltischen Sprache sind gestorben, die inselkeltische Sprache wird in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne gesprochen (Quelle Wikipedia)
Die Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg lassen sich der Hallstattzeit oder ältere Eiszeit (ab etwa 800 v.Chr.) und der Latènezeit oder jüngere Eiszeit (von etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt) zuordnen.
In der Region zeugen Überreste von der Anwesenheit der Kelten. Dies sind insbesondere ihre Wallanlagen und Oppida aus der Hallstatt- und Latènezeit, die oft strategisch auf Bergrücken liegen. Moderne Technologien wie Lidar-Scans machen verschliffene Strukturen der keltischen Anlagen sichtbar und zeigen, dass sie oft größer waren als an der Oberfläche erkennbar. Die Kelten errichteten zudem mächtige Wallkonstruktionen mit Gräben und teilweise mehrfachen Ringwällen, die heute noch die Landschaft prägen und die tiefe historische Bedeutung der Region für die keltische Kultur veranschaulichen. Diese zahlreichen Bodendenkmäler geben eine Ahnung davon, wie es damals gewesen ist. Neben den Bodendenkmäler gab es in der Region zahlreiche Funde, die von den Kelten erzählen.
Das neue keltische Fürstengrab in Bad Camberg
Im Juni 2026 wurde bei Bad Camberg eine archäologische Entdeckung bekannt, die weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregte. Bei geomagnetischen Untersuchungen auf einer Fläche nahe der A3, auf welcher ein Solarpark entstehen soll, stießen Archäologen auf ein keltisches Fürstengrab aus der frühen Eisenzeit. Mit einem derart bedeutenden Fund hatte zuvor niemand gerechnet. Die bisherigen Untersuchungen brachten bereits zahlreiche außergewöhnliche Grabbeigaben ans Licht. Neben den Resten einer eisernen Lanzenspitze fanden die Forscher Goldschmuck sowie Beschläge von zwei hölzernen Wagenrädern. Solche Wagenbestattungen gelten als Hinweis auf eine Person von hohem gesellschaftlichem Rang und sind typisch für die keltische Oberschicht der Hallstattzeit.
Bislang wurden rund 100 Fundstücke dokumentiert. Restauratoren und Archäologen hoffen, durch die Auswertung der Funde mehr über die Identität und den gesellschaftlichen Status der bestatteten Person zu erfahren. Nach derzeitigem Stand lässt sich das Grab in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus datieren. Damit ist diese Person in den ähnlichen Zeitraum wie der „Keltenfürst vom Glauberg“ im Wetteraukreis einzuordnen. Der Fund ist für den Taunus von besonderer Bedeutung, da es sich um das erste Fürstengrab im Taunus handelt. Zudem sind nur wenige Wagengräber in Hessen bekannt. Keltische Fürstengräber zählen zu den spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der Eisenzeit und geben Einblicke in eine Gesellschaft, über die nur wenige schriftliche Quellen existieren. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, sodass in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse erwartet werden. Dieser Fund unterstreicht, dass Hessen eine herausgehobene Rolle im keltischen Kulturraum spielte.
Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg
Die Dornburg – das größte keltische Oppidum der Region
Die Dornburg zählt zu den größeren Anlagen im Landkreis, obwohl nur noch die Hälfte übrig ist nach dem Basaltabbau in der Region. Der Kultur- und Geschichtsverein Frickhofen hat den Keltenweg angelegt, um die Menschen mit auf eine kleine Reise zu nehmen und etwas über die Kelten in der namensgebenden Dornburg zu geben.
Hoch auf einer Basaltkuppel zwischen Frickhofen und Wilsenroth befinden sich Überreste der Anlage. Die Dornburg war ab dem 6. Jahrhundert vor Chr. (Späthallstattzeit) besiedelt und im Vergleich zu anderen Höhenburgen bis in die späte Latènezeit bewohnt. Das Oppidum, eine stadtähnliche Struktur, wurde durch Ringwälle und Mauern gesichert. Die „Rödches Mauer“ gibt einen Eindruck davon, wie groß die Anlage mal war. Funde von Münzen, Schmuckgegenständen, Eisengegenstände, Fiebeln und Keramik erzählen von den Kelten. Von ehemals rund 37 Hektar sind heute noch 18 Hektar übrig.
Heidenhäuschen im Westerwald
Beim Heidenhäuschen im handelt es sich um ein Plateau, welches zwischen Ellar, Hangenmeilingen, Hintermeilingen, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach auf einer Basaltrippe liegt. Das Plateau dehnt sich über drei Kilometer in Nord-Süd-Richtung aus, westlich davon befindet sich das Elbbachtal und östlich davon das Limburger Becken.
Durch archäologische Funde ist eine frühzeitige Besiedlung des Plateaus nachweisbar. Es gibt durch Funde einer Steinkiste sowie Graburnen Nachweise einer Besiedlung vor den Kelten. Die Kelten legten mehrere Ringwälle an, Beziehungen zum sechs Kilometer entfernten Oppidum Dornburg sind zu vermuten. Auch Münzfunde gab es vor Ort. Die Germanen verdrängten mit der Zeit die Kelten, siedelten aber ebenfalls auf dem Plateau. Heute ist das Heidenhäuschen eingebettet in ein 140 Hektar großes Naturschutzgebiet.
Mordschau in Elz
In Elz sind ebenfalls keltische Spuren zu finden. Der Flurname „Mordschau“ soll auf einen keltischen Ursprung zurückgehen. Besonders bemerkenswert sind jedoch die mehr als 90 Hügelgräber im Elzer Wald. Sie gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen vorgeschichtlicher Besiedlung in diesem Teil des Landkreises und zeigen, dass die Region bereits lange vor dem Mittelalter genutzt wurde.
Keltische Spuren auf dem Limburger Domberg
Immer wieder gab es Funde auf dem Domberg in Limburg, welche auf eine frühe Besiedlung hindeuten. Bei dem Bau der Autobahn um 1936/37 fand man keltische Gegenstände. Bei Arbeiten an der Autobahnbrücke 2012 fand man Überreste einer Siedlung aus der Latènezeit sowie einen Silbermünzfund aus der Zeit 65 bis 40 v.Chr., welche ein „tanzendes Männlein“ als Bild trug. Im Jahr 2009 gab es eine unvermutet große Anzahl an gut erhaltenen Funden, so dass auch die Frage im Raum stand, ob es auf dem Domberg eventuell einen Fürstensitz gab.
Die Ringwallanlagen im Oberlahngebiet
Die Oberlahnregion hat mit die höchste Dichte an keltischen Siedlungen. Das Waldgebiet ist gekennzeichnet von den Resten der Ringwallanlage Almerskopf und Höhburg in Merenberg, der Wallanlage Roter Kopf und der Wallanlage Hinterster Kopf in Löhnberg sowie dem Scheuernberger Kopf in Weilburg. Es war ein größeres eisenzeitliches bis keltisches Siedlungsgebiet. Neben den Wallresten finden sich noch viele Abschnittswälle und Podien der Besiedlung und Landwirtschaft dieser vorgeschichtlichen Kulturen.
Der Scheuernberger Kopf besteht noch heute aus einem sichtbaren ovalen Doppelringwall. Die Höhburg ist eine noch gut sichtbare, über einen Hektar große Ringwallanlage. Sie gilt als Keimzelle der keltischen Besiedlung in dieser Region. Neben dem Hauptwall gibt es mehrere Wälle um kleinere Plateaus, auf denen Ackerbau und Besiedlung stattfand. Diese Flächen werden auch Podien genannt. Diese Wälle und Plateaus sind auch heute noch sichtbar.
Der Rote Kopf und der Hinterste Kopf folgten erst später. Der Rote Kopf befindet sich zwischen Merenberg und Löhnberg. die 0,6 Hektar großen Wallanlagen sind völlig verschliffen, nach Süden hin sind noch Abschnittwälle sowie Siedlungspodien erkennbar. Ebenfalls in Merenberg liegt noch der Almerskopf, eine Ringwallanlage aus der mittleren Latènezeit, die heute vollständig bewaldet ist. Teilweise sind Steine des Walls noch sichtbar.
Herrnwäldchen in Selters-Haintchen
Vor über 90 Jahren gab es einen Fund eines latènezeitlichen Unterstempels zur Münzprägung. Erst 2019 wurde diese Ringwallanlage dadurch erst bekannt. Rund um die Anlage gibt es eine erzreiche Landschaft. Hier wurde Eisen gewonnen, was ebenfalls durch zahlreiche Verhüttungs- und Schmiedestätten rund um die Wallanlage nachgewiesen ist. Bergbau existierte dort bis in die Neuzeit. Ebenfalls wurde eine kunstvolle Glasperle gefunden sowie Keramikfunde von Drehscheibenware und Vorratsgefäßen. Das Gelände ist jedoch stark kontaminiert mit Munitionsresten aus der Sprengung eines Munitionsdepots gegen Ende des zweiten Weltkrieges.
Die Ringwallanlage Riesenburg liegt nahe der keltischen Hünerstraße, ein wichtiger Verbindungsweg (Höhenweg) zwischen den einzelnen keltischen Befestigungsanlagen. Der leicht ovale Ringwall liegt auf einem Bergrücken auf einer Fläche von 4,2 Hektar. Es handelt sich hierbei um ein ausgewiesenes Kulturdenkmal. Der Ringwall ist bis heute gut zu erkennen. Tonscherben- und Münzfunden erzählen vom Leben vor Ort. In diesem Siedlungsgebiet fand der Abbau von Eisenerz sowie dessen Verarbeitung statt.
Wallanlage Steeden
Durch einen Kalksteinbruch in den 1950er Jahren ist diese Anlage auf dem Herrenplatz komplett abgetragen und mit Wasser gefüllt. Dennoch gab es keramische Funde von Gefäßfragmenten sowie Tierknochen, die auf eine Besiedlung hinweisen. Auch außerhalb deuten wichtige Funde wie in den Höhlen „Wilde Scheuer“ auf eine frühzeitliche Besiedlung bereits in Jungpaläolithikum. Auch die Höhlen sind heute nicht mehr existent, doch es gibt Fotografien aus den 1920er Jahren.
Der Name Brechen hat einen keltischen Ursprung und ist bis heute überliefert. Der keltische Name lautet „Brachina“ und bedeutet „an der Berglehne“.
Wie auch an anderen Orten wurden die Kelten in der Region Stück für Stück von den Germanen verdrängt. Durch die Erschließung von Neubaugebieten kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Funden, die ein wenig Aufschluss darüber geben, wie die Kelten hier lebten.
Dieser Beitrag über die Kelten im Landkreis Limburg-Weilburg ist eine kleine Zusammenfassung aus verschiedenen Quellen und eigenen Wanderungen, sie erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Du möchtest auch in Zukunft von meiner Arbeit profitieren und mehr über den Landkreis Limburg-Weilburg erfahren? Dann spendiere mir gerne einen Kaffee.
Hoch über der Lahn thront der Limburger Dom und ist weit hin sichtbar – egal, ob ihr auf der A3 unterwegs seid, von verschiedenen Richtungen aus nach Limburg hineinfahrt oder in Limburg selbst unterwegs seid. Ehemals auf dem 1000 Mark-Schein abgebildet, in seiner Farbigkeit und mit den meisten Kirchentürmen ist der Limburger Dom ein Wahrzeichen für die Region. Seine Geschichte geht bis ins 9. Jahrhundert zurück. Ich nehme euch gerne in den Dom mit und erzähle euch ein wenig über ihn.
Der Dom erzählt Geschichten
Über 20 Jahre wohne ich bereits in der Region und natürlich war ich auch schon viele Male im Dom und kenne einiges zu seiner Geschichte. Aber ich hatte bisher noch nie eine Führung mitgemacht und dies habe ich nun nachgeholt. Zum einen habe ich tatsächlich neue Dinge über dieses faszinierende Bauwerk erfahren. Und zum anderen war ich das erste Mal auf der Empore oben und habe Ecken gesehen, welche ich bisher noch nicht kannte. Daher kann ich nur jedem eine Führung empfehlen. Dies ist keine Wiederholung der Geschichte des Doms, da gibt es bessere Seiten, die einen tiefen Einblick gewähren. Ich möchte euch einfach mitnehmen auf einen kleinen Exkurs und euch Lust darauf machen, den Dom nochmal neu zu entdecken.
Die Kirche, wie sie heute hoch über der Lahn thront, wurde 1235 als Stifts- und Pfarrkirche geweiht und wurde 1827 mit der Gründung des Bistums Limburg auch Bischofskirche. Doch ihre Ursprünge gehen noch weiter zurück. Graf Konrad Kurzbold (etwa 885–948) hatte keine Frau und keine Kinder. Also stellte er sich wohl die Frage, wer nach seinem Tod für ihn beten würde? Aus diesem Grund gründete er den Kanonikerstift, welcher die erste Kirche baute, die dem Hl. Georg gewidmet war. Die Pfarrer nahmen ihre Aufgabe sehr ernst und beteten täglich mehrere Stunden. Als die Limburger Kaufleute zu Wohlstand kamen, immerhin lag die Stadt an der Handelsstraße zwischen Frankfurt und Köln, errichteten sie zusammen mit dem Kanonikerstift um 1180 herum eine neue Kirche an gleicher Stelle.
Im Grundriss stimmte sie mit der alten Kirche überein, aber als viergeschossiger Bau wurde sie bedeutend höher. Um 1235 wurde die heutige Kirche geweiht und erhielt neben dem hl. Georg auch den hl. Nikolaus als Pfarrpatron. Der Kanonikerstift wurde 1803 aufgelöst. Für den Bau wurde Material aus der Region verwendet. Bruchsteine befinden sich unter dem Putz. Im Chor ist Lahn-Marmor aus der Region verarbeitet und einzelne Elemente wie das Tabernakel, die Grabplatte von Konrad Kurzbold oder auch das Taufbecken bestehen aus Sandstein.
Grabplatte Konrad Kurzbold von oben
Zahl „7“ mit starker Symbolkraft
Der Bauherr hat sich zahlreiche Gedanken beim Bau gemacht. Zum einen übernahm der Bauherr spätromantische und frühgotische Elemente. Diese Kombination gibt es sonst hier in der Region nicht. Die Zahl „7“ hat eine gewaltige Symbolkraft und die sieben Türme als Bindeglied zwischen Himmel und Erde verdeutlichen dies. Die sieben Türme könnten für die sieben Schöpfungstage, die sieben Wochentage, die sieben Tugenden und sieben Todsünden stehen. Es gibt sieben Sakramente. Die Zahl stehe für die Vollkommenheit von Gott, so hieß es in der Führung.
Die Kirche vermittelt den Eindruck von „einer Stadt auf dem Berg“. Im Flyer steht, mit dieser Kirche wollte man den Himmel darstellen und die Vision von Johannes in der Apokalypse träfe auf diesen Bau zu:“Ich sah das neue Jerusalem, die himmlische Stadt von Gott her auf die Erde herabkommend, geschmückt wie eine Braut und gegründet auf den Grundsteinen der zwölf Apostel.“
Ursprünglich war die Kirche sehr bunt, denn mitten auf dem Fels hoch über die Stadt sollte sie die lebendige Braut Christi darstellen. Später bei den Preußen wurde der farbige Putz abgeschlagen und die Kirche erschien grau auf grauem Stein. In den 60er Jahren erhielt sie jedoch wieder ihre Farbigkeit, die bis heute den Dom erstrahlen lässt. Zwölf massive Pfeiler im Inneren der Kirche erinnern an die 12 Apostel. Und die vielen Arkaden in den Emporen wirken wie offene Tore, der Mittelgang als Hauptstraße und auf drei Ebenen lässt sich das gesamte Haus umlaufen. Die „Bewohner“ dieser Arkaden sind als Fresken dargestellt – es sind die Apostel, Propheten und Heilige.
Die Offenheit des Limburger Doms im Inneren
Bilder an der Wand
Überhaupt sind 70 bis 75 Prozent der Original-Fresken bis heute erhalten und teilweise über 800 Jahre alt. Bei einer großen Renovierung in den 70er Jahren wurden diese Fresken freigelegt und als Originale belassen. Daher wirken manche Fresken unvollständig, bruchstückhaft, aber sie alle vermitteln einen Eindruck der Kirche wie sie vor 800 Jahren war.
Die älteste und wertvollste Freske mit dem zur damaligen Zeit wertvollen Blau
So sind es die Fresken an der Wand, welche einen Eindruck davon vermitteln, welche Aufgabe einzelne Räumlichkeiten in der Kirche haben. Das Südquerhaus, in dem heute Bänke stehen, war wohl ursprünglich der Raum für die Taufen. Auf dem Boden befindet sich ein runder Kreis, auf dem wohl das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert stand. Dieser befindet sich heute weiter vorne in einer Nische. An der Wand hoch oben auf der Westseite unter dem Gewölbe befindet sich eine Freske von Johannes dem Täufer. Unten befindet sich ein Bild von Samson, der durch seine langen Haare stark war und symbolisch dafür steht, dass durch die Taufe jeder die Verbindung zu Gott erhält und damit wahre Stärke.
Hinauf auf die Empore
Viele Dinge wie die Grabplatte von Konrad Kurzbold oder das Taufbecken kannte ich aus meinen vorherigen Besuchen im Limburger Dom. Das erste mal hatte ich die Gelegenheit, hinter den Chor langlaufen zu können. Auf der Mauer ist die Geschichte Jesu dargestellt in sehr eindrucksvollen Bildern.
Nachdem wir unten einmal rumgelaufen sind, ging es einen Stock nach oben auf die erste Empore und dies war tatsächlich neu für mich. Wir kamen direkt vor der großen Orgel zum stehen, eine Klais-Orgel aus dem Jahr 1978 mit 4222 Orgelpfeifen. Von dort gab es einen wunderbaren, nochmal völlig anderen Blick auf das Kirchenschiff, welches hell und warm vor uns lag. Auch der Blick auf die Apostel und Heiligen zwischen den Arkadenbögen war nochmal viel imposanter. An einem Fenster gibt es einen unverstellten Blick auf die Bruchsteinmauer, es gibt architektonische Zeichnungen wie auch Zeichnungen von Georg und den Drachen an der Wand, es gibt Eindrücke der verschiedenen Farbigkeiten im Dom und im Südquerhaus ist eine sehr schmale, enge Treppe zu sehen, die weiter nach oben führt.
Architektonische Zeichnung an der Wand
Verschiedene Farben im Laufe der Jahrhunderte
Wenn man aufmerksam durch den Dom geht, spürt man das Alter dieses Gebäudes. Nicht nur in den Gegenständen, die aus ihren jeweiligen Epochen erzählen. Sondern auch in den Stufen, welche abgerundet und ausgetreten sind. Dies ist nur ein kleiner Einblick in die zahlreichen Geschichten des Doms. Ich kann nur jedem empfehlen, der ein wenig Zeit hat, eine solche Führung mal mitzumachen und ein wenig mehr über dieses Wahrzeichen in Limburg zu erfahren.
Ihr habt Lust auf eine Führung im Dom? Dann wendet Euch bitte an das Büro für Domführungen im Bistum Limburg. Die rund einstündige Führung kostet 3 Euro.
Zum Dom gibt es ebenfalls einen wunderbaren Bildband mit faszinierenden Einblicken.
Ihr habt Lust auf noch mehr Wissen und ein kleines Quiz? Dann geht doch in die „Georg“-App, die Lern- und Quiz-App zum Limburger Dom.
Wenn Ihr oben auf dem Domplateau seid, dann geht auch gerne rechts am Dom vorbei zum Limburger Schloss. Ebenfalls auf dem Domberg befindet sich das Diözesanmuseum, in welchem ihr den Domschatz bewundern könnt.
Weinbach wirkt recht unscheinbar und nach besonderen Plätzen gefragt, muss manch einer eventuell etwas länger überlegen. Doch mit seinen Ortsteilen Blessenbach, Edelsberg, Elkerhaus, Freienfels, Fürfurt und Gräveneck hat die Kommune manch schöne Dinge zu entdecken. Gerne möchte ich zu einer kleinen Entdeckungsreise in der drittkleinsten Kommune des Landkreises einladen. Weinbach liegt an der Lahn und der Weil, Radwege und verschiedene Wanderwege führen an Weinbach vorbei und es lohnt sich, auch dem kleinen Ort ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.
Weinbach – Hauptort der Kommune
Durch Weinbach fließt der Weinbach, viel mehr gesagt, unter Weinbach fließt er hindurch. Die Quelle des Weinbach befindet sich in Wolfenhausen, er mündet in der Weil.
Der Hauptort der Kommune wirkt recht unscheinbar. Die Ersterwähnung war 1344, doch große Bedeutung hatte dieser Ort selbst nie gehabt. Es war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, später Wohnort für die vielen Arbeiter, die im Bergbau in der Region tätig waren. Das Wappen weist auf die Herkunft des Namens hin, denn das Wappen trägt ein goldenes Weinblatt, welches auf den ehemaligen Weinanbau in der Region hinweist. Die Wellenlinie im Wappen weist auf den Weinbach hin. Das Beil im oberen Teil des Wappens weist auf das Rittergeschlecht der „von Elkerhausen“ hin. Dazu später mehr.
Mitten im Ort steht die denkmalgeschützte evangelische Kirche, welche aus 1728 stammt.
Direkt gegenüber vom Rathaus befindet sich das Alte Spritzenhaus. Dieses hat eine neue Nutzung erfahren und dient inzwischen u.a. der Kunstinitiative Weinbach für Malkurse, Einblicke in kreatives Arbeiten und für Ausstellungen. Hier ist ein schöner Kulturort entstanden. Auf dem Platz zwischen Rathaus und Spritzenhaus findet zudem immer am 1. Mittwoch im Monat der Weinbacher Regionalmarkt statt.
Wenn man sich die Zeit nimmt und den Berg hochläuft, gibt es einen schönen Blick über Weinbach. Es ist sehr gut zu erkennen, wie sich das Dorf in das Tal einbettet. Wenn ihr in Weinbach unterwegs seid, kann ich einen Besuch der Pilzfarm Noll empfehlen.
Weinbach wirkt ein wenig vergessen. Die anderen Ortsteile sind nach außen hin besser bekannt. Beginnen wir bei Freienfels, welches durch die Freienfelser Ritterspiele weit über die Region hinaus bekannt sein dürfte.
Freienfels – Wo das Mittelalter wohnt
Im nächsten Jahr feiern die Freienfelser Ritterspiele ein großes Jubiläum – sie finden dann zum 30. Mal statt. Es ist ein riesen Mittelalterspektakel, dass aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern Mitwirkende und Besucher anlockt. Ins Leben gerufen wurde dieses Spektakel, um die Burg Freienfels instand zu halten. Diese ist frei zugänglich und ich empfehle einen Besuch außerhalb der Ritterspiele, um sie sich in Ruhe anzuschauen. Die Burg thront hoch über dem Weiltal.
Burg Freienfels hoch über dem Weiltal
Am Fuße der Burg führt der Weiltalweg entlang. Dies ist ein wunderschöner Weg für Radfahrer und Wanderer. Mitten in die Natur eingebettet führt der Weg die Weil entlang.
Fürfurt und Gräveneck an der Lahn
Die zwei Ortsteile Fürfurt und Gräveneck liegen direkt an der Lahn und sind dadurch vom Lahntourismus geprägt. In einem Kanu sitzend und auf der Lahn paddelnd, ist noch die schönste Art, das Lahntal zu entdecken. Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, die Region über den Lahnradweg oder den Lahnwanderweg an der Lahn entlang oder über den Lahnhöhenweg zu entdecken.
Doch es gibt nicht die Lahn alleine, welche einen Besuch lohnenswert macht. Im Wald von Fürfurt gibt es eine Gesteinsformation, welche darauf hinweist, dass es in der Gegend vor rund 380 Millionen Jahren Vulkanismus gab. Durch diesen Vulkanismus entstand erst der bekannt Lahnmarmor. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich einen Besuch des Lahn-Marmor-Museums in Villmar.
Während Fürfurt sich an die Lahn anschmiegt, befindet sich Gräveneck hoch über der Lahn. Direkt an der Lahn gibt es einen Campingplatz. Doch nicht nur durch die Lahn wird der Ortsteil interessant. Die bereits erwähnten Ritter von Elkerhausen errichteten im Jahr 1352 die Höhenburg Neu-Elkerhausen, nachdem sie ihre Burg in Elkerhausen verloren hatten. An diese Burg erinnern heute noch Mauerreste. Doch damit nicht genug. Als Belagerungsburg Graf Philipps von Nassau wurde die Burg Gräveneck 1395 errichtet. Von dieser ist heute nur noch ein Gewölbekeller übrig. Bei dem Krieg gegen die Elkerhäuser Ritter dürfte es sich um einen Stellvertreterkrieg gehandelt haben.
Elkerhausen – Sitz der Ritter
Nachdem wir von den Ritter bereits ein wenig gehört haben, geht es nun nach Elkerhausen, im Weinbachtal gelegen. Bei der Burg Elkerhausen handelt es sich um eine ehemalige Wasserburg, welche mitten im Ort ist und sich in Privatbesitz befindet.
Als bei dieser 1352 die Verteidigungsanlagen zerstört wurden und die Ritter keine neue Burg bauen durften, errichteten diese in Gräveneck auf einem Diezer Lehen die Burg Neu-Elkerhausen, wie oben beschrieben.
Burg Elkerhausen
Der Ort Elkerhausen wirkt heute recht unscheinbar, doch es lohnt sich, ihm einen Besuch abzustatten. Einige Wanderwege führen an Elkerhausen vorbei – der Höhenlahnweg wie auch der Lahn-Camino sowie der Schinderhannespfad laden zum wandern ein.
Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Gemeinde Weinbach. Sie hat einiges verstecktes Potential und wenn man bei einer Wanderung an ihr vorbeikommt, sollte man sich einen Moment Zeit nehmen, um zu schauen, was sie alles bereithält. Auch ich habe noch nicht alle Ortsteile besucht und freue mich darauf, auch diese noch zu entdecken.
Nutzungen können sich ändern, wie der Windhof Weilburg auf erstaunliche Weise zeigt. Vom barocken Jagdschloss zum Wohnheim gab es eine interessante Metamorphose, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.
Steht man auf dem Areal des Windhof Weilburg, sieht alles sehr stimmig aus und erscheint aus einer Epoche zu stammen. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals fand eine Führung statt und dabei erfuhren die Besucher, dass der äußere Schein trügt und das Areal ganz viel zu erzählen hat.
Windhof Weilburg – Vorbild Versailles
Auf der Fläche des Windhof Weilburg befand sich vor langer Zeit ein landwirtschaftlicher Betrieb, heute beherbergt er 150 Studenten der staatlichen Fachschule Weilburg-Hadamar. Und dazwischen kann das Gelände auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Das Hofgut trug den Namen „Wynthusin“ und wurde bereits 1327 erwähnt. Ab 1671 taucht die Bezeichnung Windhof auf. Diese rührt wohl von der erhöhten Lage her, die en Winden ungeschützt ausgesetzt war.
Um 1713 wurde das Jagd- und Lustschloss Windhof von Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg erbaut. Dieser lebte als junger Mann im französischen Versailles und erlebte dort den Barock. Dies faszinierte ihn sehr und nach diesem Vorbild wollte er Weilburg umgestalten. Aus dem maroden Städtchen Weilburg schaffte er das heutige barocke Schloss mit Schlosskirche und Marktplatz. Nach dem französischen Vorbild baute er vor rund 300 Jahren die ganze Stadt um und errichtete ein kleines Versailles. Da auf dem Hügel, wo das Schloss sitzt, der Platz einschränkend wirkte, gab es große Pläne von einem Jagdschloss mit umfangreichen Gartenanlagen – in Sichtachsen zum Schloss und der barocken Wasserversorgung angelegt.
Der Windhof war als Rückzugsort für den Adel gedacht. Der Mittelpunkt des Jagdschloss war ein Tanzsaal mit hoher Decke, unter der Decke konnten die Musiker sitzen und die Musik rieselte nach unten. Auf dem Balkon stehend gab es einen wunderschönen Blick zum Schloss hinüber, vor dem Jagdschloss befand sich ein Ententeich. Links und rechts vom Jagdschloss waren weiterhin Stallungen und Wirtschaftsgebäude untergebracht.
Umnutzung in den 1930er Jahren
In den 1930er Jahren kam es zu einer Umnutzung – an dem Standort sollte eine Hochschule für Lehrer entstehen. Dies war verbunden mit massiven Umbauarbeiten. Der Ententeich wurde trockengelegt, um einen Veranstaltungsort zu schaffen und die Fläche als Thingplatz zu nutzen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurden teilweise bis auf die Kellermauern abgetragen und neu hochgezogen. Auch wenn die Anlage heute erscheint wie aus einer Epoche, aus einem Guss, sind viele Teile davon gar nicht so alt. Eine Hochschule für Lehrer wurde nie fertig gestellt. Im Zweiten Weltkrieg war die Wehrmacht dort stationiert und nach dem Krieg hatte die US-Armee einen Stützpunkt dort. Und wie bereits erwähnt, ist der Windhof heute Wohnheim für Studenten. Seit 1963 nutzt die staatliche Fachschule das Gelände.
Und wieder ein Stück Metamorphose, denn aus dem Tanzsaal wurde ein Sportsaal, dann Aula und Mensa. Zahlreiche Funktionen erfüllte dieser Raum, was ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen ist.
Bei der Führung gab es Einblicke, die man so sonst nicht hat. So gibt es parallel zu dem eine Gebäude einen unterirdischen Gang. Von seiner Gestaltung und der Lage handelte es sich wohl um einen Gang zur Entwässerung zwischen Ententeich und Kellerräumen.
Weilburg ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten. Ich kann nur jedem empfehlen, sich Zeit für einen Rundgang durch Weilburg zu nehmen. Sehr imponiert hat mich auch die Geschichte rund um die Schlosskirche Weilburg, die von einem Ort der Machtdemonstration zu einem Ort der Demokratie wurde.
Euch gefallen meine Tipps aus dem Landkreis? Dann freue ich mich, wenn ihr mir einen virtuellen Kaffee spendiert.
Gebaut, um den absoluten Machtanspruch des Fürsten sichtbar zu machen, ist die Schlosskirche Weilburg heute ein Ort der Demokratie und des Miteinanders.
Manchmal betritt man ein Gebäude und freut sich einfach an der Gestaltung und der Wirkung des Raumes auf einen selbst. Und manchmal hat man die Möglichkeit, mehr über ein Gebäude zu erfahren und viel tiefer in die Materie einzudringen. Dies war möglich am Tag des offenen Denkmals in der Schlosskirche in Weilburg. Dank der Führung von Pfarrer Guido Hepke sehe ich die Schlosskirche heute mit anderen Augen.
Schlosskirche Weilburg als Machtdemonstration
Wer die barocke Schlossanlage in Weilburg besucht, kommt an der Schlosskirche nicht vorbei. Sie zählt zu den Denkmälern in Deutschland, ist die größte, lutherische, durch einen Fürsten gebaute Kirche und gilt als bedeutendste evangelische Kirchenbau aus der frühen Neuzeit in Hessen (so im Prospekt des Stadtrundgangs Weilburg zu lesen).
Über die Obere Orangerie ist die Schlosskirche mit dem Schloss verbunden und sie steht als Symbol für das absolutistische Weltbild, welches damals unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg existierte. Bevor die Schlosskirche erbaut wurde, standen dort die Andreas- und die Martinskirche. Doch für den Grafen, der in seiner Jugend durch ein Leben in Versailles geprägt wurde, waren diese alt und nicht prächtig genug, so dass diese abgerissen und durch den neuen, barocken Kirchenbau ersetzt wurden. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche fand auch eine umfangreiche Renovierung und Erweiterung des Schlosses zur heutigen Anlage statt. Der Abbruch der beiden alten Kirchen und Neubau der Schlosskirche fanden zwischen 1707 und 1713 statt.
Neben der Schlosskirche befindet sich das alte Rathaus, heute Restaurant und Musikschule. Somit war die städtische Selbstverwaltung direkt neben der Kirche in das damalige Herrschaftssystem eingebunden und für den Magistrat gab es eine Gottesdienstpflicht. Dieser nicht nachzukommen, konnte sich negativ auf die Personen auswirken.
Und so ist auch die Aufteilung der Kirche eine reine Machtdemonstration des damaligen Fürsten gewesen. Die Geistlichkeit – dargestellt im Altar, der Kanzel und der Orgel – stehen der Weltlichkeit – die Sitzbänke des Magistrates und der Fürstenloge – gegenüber. Im Kirchenraum befanden sich Sitzbänke, die streng nach Ortschaften getrennt waren. Je höher der Stand, umso bessere Sitzplätze gab es und je näher man dem Fürsten saß, umso besser war der eigene Stand. Der Gottesdienst war für den Fürsten eine Möglichkeit, Hof zu halten und sich zu zeigen. Er stand über allem. Und die Sitzbänke waren so angeordnet, dass ihm niemand seiner Untertanen den Rücken zukehren konnte. Die Kirche stand damals für eine riesige Prachtentfaltung: „Ich bin der Fürst und alle sind mit untertan!“
Schlosskirche als Ort der Demokratie
Über der Loge befindet sich ein Halbkuppelgewölbe aus Ziegelstein, welches mit reichlich Stuck verziert ist. Auch bei dieser Gestaltung ist zu sehen, dass alles aufs Repräsentieren ausgelegt war.
Doch heute ist die Fürstenloge leer, niemand „thront“ mehr über den Besuchern des Gottesdienstes. An besonderen Tagen wird sie für Führungen geöffnet. Die Farbe sind verblasst, die einstmalige Herrlichkeit erst auf den zweiten Blick zu erkennen.
Und auch der Kircheninnenraum und die Anordnung der Bänke wurde verändert. Die Besucher sitzen in einer kreisförmigen Anordnung, alle sitzen auf einer Höhe. Dies führt zu einer anderen Interpretation des des Kirchenraumes. „Alle sitzen im Kreis, alle sind gleich, es macht das demokratische Miteinander aller sichtbar“, so Pfarrer Guido Hepke bei der Führung. Und er wünscht sich, dass die Fürstenloge auf immer leer bleibt und das demokratische Miteinander erhalten bleibt. Mehr dazu auch in diesem Statement von ihm.
Restaurierung der Orgel
Wer sich bei der Führung zum Tag des offenen Denkmals unter das Dach wagte, konnte einige interessante Dinge zur Orgel erfahren, welche sich gerade in der Restaurierung befindet. Ursprünglich wurde eine barocke Orgel eingebaut. 1902/03 wurde diese durch eine Sauer-Orgel ersetzt. In den 1970er Jahren fand eine Restaurierung statt und es wurden wieder einige alte barocke Pfeifen in die Orgel integriert. Und dann stimmte das Klangbild gar nicht mehr. Dank einer Denkmalförderung vom Bund sowie einer hohen Spendenbereitschaft wird die Orgel aktuell restauriert und soll hoffentlich bis zum Reformationstag wieder ihren vollen Klang entfalten können. Zahlreiche Geschichten und Einblicke hält die Schlosskirche Weilburg für die Besucher bereit. Nicht alle Geheimnisse sind jederzeit zu entdecken, daher die Augen offenhalten, wenn Führungen angeboten werden.