Zum Hauptinhalt springen

Autor: Heike Lachnit

Weinbach von oben

Weinbach – eine kleine Entdeckungsreise

Weinbach gehört zu den kleineren Kommunen im Landkreis Limburg-Weilburg und wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt einiges zwischen Lahn und Weil.

Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Weinbach die Ortsteile Blessenbach, Edelsberg, Elkerhausen, Freienfels, Fürfurt und Gräveneck. Historische Burgen, Wanderwege, die Lahn, die Weil und Spuren des Bergbaus und früherer Zeiten machen die Kommune zu einem abwechslungsreichen Ziel für Entdeckungen. Ich möchte euch mitnehmen auf eine kleine Reise durch die Gemeinde und zeigen, warum es sich lohnt, auch den weniger bekannten Orten im Landkreis Aufmerksamkeit zu schenken.

Weinbach – Hauptort der Kommune

Durch Weinbach fließt der Weinbach, viel mehr gesagt, unter Weinbach fließt er hindurch. Die Quelle des Weinbach befindet sich in Wolfenhausen, er mündet in der Weil.
Der Hauptort der Kommune wirkt recht unscheinbar. Die Ersterwähnung war 1344, doch große Bedeutung hatte dieser Ort selbst nie gehabt. Es war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, später Wohnort für die vielen Arbeiter, die im Bergbau in der Region tätig waren. Das Wappen weist auf die Herkunft des Namens hin, denn das Wappen trägt ein goldenes Weinblatt, welches auf den ehemaligen Weinanbau in der Region hinweist. Die Wellenlinie im Wappen weist auf den Weinbach hin. Das Beil im oberen Teil des Wappens weist auf das Rittergeschlecht der „von Elkerhausen“ hin. Dazu später mehr. Mitten im Ort steht die denkmalgeschützte evangelische Kirche, welche aus 1728 stammt.

Kirche in Weinbach

Direkt gegenüber vom Rathaus befindet sich das Alte Spritzenhaus. Dieses hat eine neue Nutzung erfahren und dient inzwischen u.a. der Kunstinitiative Weinbach für Malkurse, Einblicke in kreatives Arbeiten und für Ausstellungen. Hier ist ein schöner Kulturort entstanden. Auf dem Platz zwischen Rathaus und Spritzenhaus findet zudem immer am 1. Mittwoch im Monat der Weinbacher Regionalmarkt statt.

Wenn man sich die Zeit nimmt und den Berg hochläuft, gibt es einen schönen Blick über Weinbach. Es ist sehr gut zu erkennen, wie sich das Dorf in das Tal einbettet. Wenn ihr in Weinbach unterwegs seid, kann ich einen Besuch der Pilzfarm Noll empfehlen.

Weinbach von oben

Weinbach wirkt ein wenig vergessen. Die anderen Ortsteile sind nach teilweise besser bekannt. Beginnen wir bei Freienfels, welches durch die Freienfelser Ritterspiele weit über die Region hinaus bekannt sein dürfte.

Freienfels – Wo das Mittelalter wohnt

Freienfels ist vermutlich der bekannteste Ortsteil der Gemeinde. Vor allem während der Freienfelser Ritterspiele wird der kleine Ort jedes Jahr zum Mittelalterzentrum, welches aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern Mitwirkende und Besucher anlockt. Ins Leben gerufen wurde dieses Spektakel, um die Burg Freienfels instand zu halten. Diese ist frei zugänglich und ich empfehle einen Besuch außerhalb der Ritterspiele, um sie sich in Ruhe anzuschauen. Die Burg thront hoch über dem Weiltal.

Burgruine Freienfels
Burg Freienfels hoch über dem Weiltal

Am Fuße der Burg führt der Weiltalweg entlang. Dies ist ein wunderschöner Weg für Radfahrer und Wanderer. Mitten in die Natur eingebettet führt der Weg die Weil entlang.

Fürfurt und Gräveneck an der Lahn

Die zwei Ortsteile Fürfurt und Gräveneck liegen direkt an der Lahn und sind dadurch vom Lahntourismus geprägt. In einem Kanu sitzend und auf der Lahn paddelnd, ist noch die schönste Art, das Lahntal zu entdecken. Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, die Region über den Lahnradweg oder den Lahnwanderweg an der Lahn entlang oder über den Lahnhöhenweg zu entdecken.

Weinbach-Fürfurt an der Lahn

Doch es gibt nicht die Lahn alleine, welche einen Besuch lohnenswert macht. Im Wald von Fürfurt gibt es eine Gesteinsformation, welche darauf hinweist, dass es in der Gegend vor rund 380 Millionen Jahren Vulkanismus gab. Durch diesen Vulkanismus entstand erst der bekannt Lahnmarmor. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich einen Besuch des Lahn-Marmor-Museums in Villmar.

Während Fürfurt sich an die Lahn anschmiegt, befindet sich Gräveneck hoch über der Lahn. Direkt an der Lahn gibt es einen Campingplatz. Doch nicht nur durch die Lahn wird der Ortsteil interessant. Die bereits erwähnten Ritter von Elkerhausen errichteten im Jahr 1352 die Höhenburg Neu-Elkerhausen, nachdem sie ihre Burg in Elkerhausen verloren hatten. An diese Burg erinnern heute noch Mauerreste. Doch damit nicht genug. Als Belagerungsburg Graf Philipps von Nassau wurde die Burg Gräveneck 1395 errichtet. Von dieser ist heute nur noch ein Gewölbekeller übrig. Bei dem Krieg gegen die Elkerhäuser Ritter dürfte es sich um einen Stellvertreterkrieg gehandelt haben.

Elkerhausen – Sitz der Ritter

Nachdem wir von den Ritter bereits ein wenig gehört haben, geht es nun nach Elkerhausen, im Weinbachtal gelegen. Bei der Burg Elkerhausen handelt es sich um eine ehemalige Wasserburg, welche mitten im Ort ist und sich in Privatbesitz befindet.

Als bei dieser 1352 die Verteidigungsanlagen zerstört wurden und die Ritter keine neue Burg bauen durften, errichteten diese in Gräveneck auf einem Diezer Lehen die Burg Neu-Elkerhausen, wie oben beschrieben.

Burg Elkerhausen

Der Ort Elkerhausen wirkt heute recht unscheinbar, doch es lohnt sich, ihm einen Besuch abzustatten. Einige Wanderwege führen an Elkerhausen vorbei – der Höhenlahnweg wie auch der Lahn-Camino sowie der  Schinderhannespfad laden zum wandern ein.

Dies ist ein kleiner Einblick in die Gemeinde Weinbach. Sie hat einiges an verstecktem Potential und wenn man bei einer Wanderung an ihr vorbeikommt, sollte man sich einen Moment Zeit nehmen, um zu schauen, was sie alles bereithält. Auch nach mehreren Jahren gibt es für mich im Landkreis noch Orte, an denen ich genauer hinschauen möchte. Genau das macht den Reiz von Limburg-Weilburg für mich aus. Hinter vielen unscheinbaren Orten steckt eine Geschichte, eine Landschaft oder ein besonderer Platz, den es zu entdecken lohnt.

 

Auf dem Bild gibt es einen Blick vom Balkon im Windhof Weilburg

Windhof Weilburg- Vom Jagdschloss zum Wohnheim

Nutzungen können sich ändern, wie der Windhof Weilburg auf erstaunliche Weise zeigt. Vom barocken Jagdschloss zum Wohnheim gab es eine interessante Metamorphose, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.

Steht man auf dem Areal des Windhof Weilburg, sieht alles sehr stimmig aus und erscheint aus einer Epoche zu stammen. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals fand eine Führung statt und dabei erfuhren die Besucher, dass der äußere Schein trügt und das Areal ganz viel zu erzählen hat.

Windhof Weilburg – Vorbild Versailles

Auf der Fläche des Windhof Weilburg befand sich vor langer Zeit ein landwirtschaftlicher Betrieb, heute beherbergt er 150 Studenten der staatlichen Fachschule Weilburg-Hadamar. Und dazwischen kann das Gelände auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Das Hofgut trug den Namen „Wynthusin“ und wurde bereits 1327 erwähnt. Ab 1671 taucht die Bezeichnung Windhof auf. Diese rührt wohl von der erhöhten Lage her, die en Winden ungeschützt ausgesetzt war.

Um 1713 wurde das Jagd- und Lustschloss Windhof von Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg erbaut. Dieser lebte als junger Mann im französischen Versailles und erlebte dort den Barock. Dies faszinierte ihn sehr und nach diesem Vorbild wollte er Weilburg umgestalten. Aus dem maroden Städtchen Weilburg schaffte er das heutige barocke Schloss mit Schlosskirche und Marktplatz. Nach dem französischen Vorbild baute er vor rund 300 Jahren die ganze Stadt um und errichtete ein kleines Versailles. Da auf dem Hügel, wo das Schloss sitzt, der Platz einschränkend wirkte, gab es große Pläne von einem Jagdschloss mit umfangreichen Gartenanlagen – in Sichtachsen zum Schloss und der barocken Wasserversorgung angelegt.

Der Windhof war als Rückzugsort für den Adel gedacht. Der Mittelpunkt des Jagdschloss war ein Tanzsaal mit hoher Decke, unter der Decke konnten die Musiker sitzen und die Musik rieselte nach unten. Auf dem Balkon stehend gab es einen wunderschönen Blick zum Schloss hinüber, vor dem Jagdschloss befand sich ein Ententeich. Links und rechts vom Jagdschloss waren weiterhin Stallungen und Wirtschaftsgebäude untergebracht.

Jagdschloss Windhof Weilburg

Umnutzung in den 1930er Jahren

In den 1930er Jahren kam es zu einer Umnutzung – an dem Standort sollte eine Hochschule für Lehrer entstehen. Dies war verbunden mit massiven Umbauarbeiten. Der Ententeich wurde trockengelegt, um einen Veranstaltungsort zu schaffen und die Fläche als Thingplatz zu nutzen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurden teilweise bis auf die Kellermauern abgetragen und neu hochgezogen. Auch wenn die Anlage heute erscheint wie aus einer Epoche, aus einem Guss, sind viele Teile davon gar nicht so alt. Eine Hochschule für Lehrer wurde nie fertig gestellt. Im Zweiten Weltkrieg war die Wehrmacht dort stationiert und nach dem Krieg hatte die US-Armee einen Stützpunkt dort. Und wie bereits erwähnt, ist der Windhof heute Wohnheim für Studenten. Seit 1963 nutzt die staatliche Fachschule das Gelände.

Und wieder ein Stück Metamorphose, denn aus dem Tanzsaal wurde ein Sportsaal, dann Aula und Mensa. Zahlreiche Funktionen erfüllte dieser Raum, was ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen ist.

Bei der Führung gab es Einblicke, die man so sonst nicht hat. So gibt es parallel zu dem eine Gebäude einen unterirdischen Gang. Von seiner Gestaltung und der Lage handelte es sich wohl um einen Gang zur Entwässerung zwischen Ententeich und Kellerräumen.

Windhof Weilburg

Weilburg ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten. Ich kann nur jedem empfehlen, sich Zeit für einen Rundgang durch Weilburg zu nehmen. Sehr imponiert hat mich auch die Geschichte rund um die Schlosskirche Weilburg, die von einem Ort der Machtdemonstration zu einem Ort der Demokratie wurde.

Euch gefallen meine Tipps aus dem Landkreis? Dann freue ich mich, wenn ihr mir einen virtuellen Kaffee spendiert.

 

Auf dem Bild ist die Schlosskirche Weilburg zu sehen

Schlosskirche Weilburg – Machtdemonstration und Demokratie

Gebaut, um den absoluten Machtanspruch des Fürsten sichtbar zu machen, ist die Schlosskirche Weilburg heute ein Ort der Demokratie und des Miteinanders. 

Manchmal betritt man ein Gebäude und freut sich einfach an der Gestaltung und der Wirkung des Raumes auf einen selbst. Und manchmal hat man die Möglichkeit, mehr über ein Gebäude zu erfahren und viel tiefer in die Materie einzudringen. Dies war möglich am Tag des offenen Denkmals in der Schlosskirche in Weilburg. Dank der Führung von Pfarrer Guido Hepke sehe ich die Schlosskirche heute mit anderen Augen.

Auf dem Bild ist die Schlosskirche Weilburg zu sehen

Schlosskirche Weilburg als Machtdemonstration

Wer die barocke Schlossanlage in Weilburg besucht, kommt an der Schlosskirche nicht vorbei. Sie zählt zu den Denkmälern in Deutschland, ist die größte, lutherische, durch einen Fürsten gebaute Kirche und gilt als bedeutendste evangelische Kirchenbau aus der frühen Neuzeit in Hessen (so im Prospekt des Stadtrundgangs Weilburg zu lesen).

Über die Obere Orangerie ist die Schlosskirche mit dem Schloss verbunden und sie steht als Symbol für das absolutistische Weltbild, welches damals unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg existierte. Bevor die Schlosskirche erbaut wurde, standen dort die Andreas- und die Martinskirche. Doch für den Grafen, der in seiner Jugend durch ein Leben in Versailles geprägt wurde, waren diese alt und nicht prächtig genug, so dass diese abgerissen und durch den neuen, barocken Kirchenbau ersetzt wurden. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche fand auch eine umfangreiche Renovierung und Erweiterung des Schlosses zur heutigen Anlage statt. Der Abbruch der beiden alten Kirchen und Neubau der Schlosskirche fanden zwischen 1707 und 1713 statt.

Neben der Schlosskirche befindet sich das alte Rathaus, heute Restaurant und Musikschule. Somit war die städtische Selbstverwaltung direkt neben der Kirche in das damalige Herrschaftssystem eingebunden und für den Magistrat gab es eine Gottesdienstpflicht. Dieser nicht nachzukommen, konnte sich negativ auf die Personen auswirken.

Und so ist auch die Aufteilung der Kirche eine reine Machtdemonstration des damaligen Fürsten gewesen. Die Geistlichkeit – dargestellt im Altar, der Kanzel und der Orgel – stehen der Weltlichkeit – die Sitzbänke des Magistrates und der Fürstenloge – gegenüber. Im Kirchenraum befanden sich Sitzbänke, die streng nach Ortschaften getrennt waren. Je höher der Stand, umso bessere Sitzplätze gab es und je näher man dem Fürsten saß, umso besser war der eigene Stand. Der Gottesdienst war für den Fürsten eine Möglichkeit, Hof zu halten und sich zu zeigen. Er stand über allem. Und die Sitzbänke waren so angeordnet, dass ihm niemand seiner Untertanen den Rücken zukehren konnte. Die Kirche stand damals für eine riesige Prachtentfaltung: „Ich bin der Fürst und alle sind mit untertan!“

Auf dem Bild seht ihr die Fenster der Fürstenloge in der Schlosskirche Weilburg

Schlosskirche als Ort der Demokratie

Über der Loge befindet sich ein Halbkuppelgewölbe aus Ziegelstein, welches mit reichlich Stuck verziert ist. Auch bei dieser Gestaltung ist zu sehen, dass alles aufs Repräsentieren ausgelegt war.

Doch heute ist die Fürstenloge leer, niemand „thront“ mehr über den Besuchern des Gottesdienstes. An besonderen Tagen wird sie für Führungen geöffnet. Die Farbe sind verblasst, die einstmalige Herrlichkeit erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Und auch der Kircheninnenraum und die Anordnung der Bänke wurde verändert. Die Besucher sitzen in einer kreisförmigen Anordnung, alle sitzen auf einer Höhe. Dies führt zu einer anderen Interpretation des des Kirchenraumes. „Alle sitzen im Kreis, alle sind gleich, es macht das demokratische Miteinander aller sichtbar“, so Pfarrer Guido Hepke bei der Führung. Und er wünscht sich, dass die Fürstenloge auf immer leer bleibt und das demokratische Miteinander erhalten bleibt. Mehr dazu auch in diesem Statement von ihm.

Restaurierung der Orgel

Wer sich bei der Führung zum Tag des offenen Denkmals unter das Dach wagte, konnte einige interessante Dinge zur Orgel erfahren, welche sich gerade in der Restaurierung befindet. Ursprünglich wurde eine barocke Orgel eingebaut. 1902/03 wurde diese durch eine Sauer-Orgel ersetzt. In den 1970er Jahren fand eine Restaurierung statt und es wurden wieder einige alte barocke Pfeifen in die Orgel integriert. Und dann stimmte das Klangbild gar nicht mehr. Dank einer Denkmalförderung vom Bund sowie einer hohen Spendenbereitschaft wird die Orgel aktuell restauriert und soll hoffentlich bis zum Reformationstag wieder ihren vollen Klang entfalten können. Schlosskirche Weilburg mit Blick auf die Werkstatt der OrgelrestaurationZahlreiche Geschichten und Einblicke hält die Schlosskirche Weilburg für die Besucher bereit. Nicht alle Geheimnisse sind jederzeit zu entdecken, daher die Augen offenhalten, wenn Führungen angeboten werden.

Mehr zur Schlosskirche Weilburg erfahrt ihr auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Weilburg.

 

Auf dem Bild ist das Plakat zur Ausstellung von Martin Volk inmitten von grünen Pflanzen

Martin Volk – ein expressiver Künstler des Barocks

Das Diözesanmuseum hat zu einer Vernissage zur aktuellen Ausstellung „Martin Volk – Ein Hadamarer Künstler des Barocks“ eingeladen. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. November 2024 zu sehen.

Die Figuren von Martin Volk sind in zahlreichen Kirchen in der Region zu sehen – der Hochaltar und die Kanzel der Liebfrauenkirche in Hadamar, die Seitenaltäre in der Kirche St. Peter in Niederzeuzheim, der Altar der Brückenkapelle im Limburger Dom oder auch die Reste des Hochaltars und die Kanzel in der St. Anna Kirche in Limburg. Dort befinden sie sich in einem Gesamtwerkkunstwerk. Auch der Hl. Nepomuk auf der Steinernen Brücke in Hadamar dürfte so manchem bekannt sein. Jetzt widmet sich das Diözesanmuseum in einer Sonderausstellung den Figuren von Martin Volk und einzeln für sich betrachtet, wirken sie völlig anders und das expressive, theatralische lässt sich nochmal mehr erfassen.

Auf dem Bild ist eine Skulptur zu sehen, die nach oben schaut und einen Schlüssel hält

700 Jahre Hadamar

Die Sonderausstellung findet im Rahmen des 700-jährigen Stadtfestes der Stadt Hadamar statt. Der Hadamarer Barock sowie die Hadamarer Schule sei Bestandteil der Stadtgeschichte, so Bürgermeister Michael Ruoff zur Eröffnung der Ausstellung. Daher sei er sehr dankbar, dass das Diözesanmuseum die Aufmerksamkeit auf diese Epoche lenkt. Einen Einblick gab Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft, Direktor vom Diözesanmuseum.

Es sei schon sehr interessant, dass Martin Volk sowie die beiden Brüder Johann Theodor Thüringer und Johann Nikolaus Thüringer aus einem unbedeutenden kleinen Ort bei Münnerstadt, Franken, nach Hadamar kamen und hier in ihren Werkstätten wirkten. In ihren Kunstwerken finden sich immer wieder spätgotische Stilelemente des Künstlers Tilmann Riemenschneider (1460 – 1531), der seine Werkstatt in Franken hatte.

Die Hadamarer Schule fasst die künstlerischen Werkstätten zusammen, die es im 17. Jahrhundert in der Fürstenstadt gab. Hier kam es zum Zusammenwirken verschiedener Kulturorte, denn die Hadamarer Schule wie auch das Hadamarer Gymnasium besaßen eine hohe Qualität, so dass die Menschen für ihre Ausbildung nicht nach Weilburg oder Herborn gingen, sondern in die Fürstenstadt kamen. Und während es im Hadamarer Raum keine Figuren aus Mainz, Trier oder Köln zu finden gibt, wurden Figuren aus Hadamar in andere Kulturräume exportiert und sind u.a. auch im Rheingau zu finden.

Expressive Figuren

Doch was macht diese Figuren so besonders? Um dies herauszufinden, empfehle ich einen Besuch der Ausstellung oder einer der am Anfang erwähnten Kirchen. Die Figuren wirken lebendig. Durch die Haare scheint der Wind zu gehen, die Kleidung scheint in Bewegung. Die Figuren haben Charakter. Diese expressive Darstellung war ein Merkmal von Martin Volk. Bei den Jesuiten, die an ihrer Schule viel Theater spielten, ließ er sich inspirieren, so dass die Figuren theatralisch wirken, sich in Theaterposen befinden.

Auf dem Bild sind zwei Frauenfiguren mit Federn in der Hand zu sehen

Ihr außergewöhnliches Schaffen fiel mit der Geschichte zusammen. Im 16. Jahrhundert fand mit der Reformation der Bildersturm statt. Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke der katholischen Kirche wurden zerstört, die Kirchen leergeräumt. Auch in Hadamar verbreitete sich das reformatorische Gedankengut. Unter Fürst Johann Ludwig in der neu gegründeten Grafschaft Nassau-Hadamar fand die Rekatholisierung um 1629/30 statt und es bedarf im hohen Maße Kunstwerke für die Kirchen. Künstler der verschiedenen Kunstrichtungen wanderten nach Hadamar ein und vor allem die Bildhauer entwickelten ein sehr hohes Niveau.

Mann mit Schlüssel in der Hand

Neben den einzelnen Figuren wird die Ausstellung ergänzt von deckenhohen Fotografien der Altäre in der Region, aus denen die Figuren nicht entnommen wurden. So ergibt die Ausstellung eine interessante Gesamtkomposition, die durch sich alleine wirkt.

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung

Wer mehr über Martin Volk und den Hadamarer Barock erfahren möchte, ist zu weiteren Veranstaltungen eingeladen.

24.09.2024 um 18.30 Uhr Nassau-Hadamar, ein kleines Fürstentum auf großer Bühne (Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft)

15.Oktober 2024 um 18.30 Uhr Hadamarer Barock. Kunst aus der Provinz – alles andere als provinziell (Dominik Müller)

06. November 2024 um 18.30 Uhr Barock und Gegenreformation – Die Jesuiten im Fürstentum Nassau-Hadamar (Oliver Teufer

Geopark Westerwald-Lahn-Taunus lädt zum Entdecken ein

Der Landkreis Limburg-Weilburg steckt voller Geschichte und bildet damit ein Teil des fast 4.000 Quadratmeter großen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten im Landkreis Limburg-Weilburg nehmen uns auf eine Entdeckungsreise mit. 

Nach dem Motto „Wo Marmor, Stein und Eisen spricht…
… und der Ton die Musik macht.“ handelt es sich hier um den Geopark der Rohstoffe.

Geopark Westerwald-Lahn-Taunus

In ganz Deutschland gibt es insgesamt ein Netzwerk aus 22 Geoparks, die sich alle unterschiedlichen Themen widmen. Der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus ist der Geopark der Rohstoffe und bietet faszinierende Naturdenkmäler, alte Industrieanlagen, Höhlen zum entdecken und kühles Nass aus dem Boden.

Auf dem Bild seht ihr eine Hand, die ein Prospekt vom Geopark Westerwald-Lahn-Taunus hält

Der Geopark gliedert sich nochmal in zehn GeoInformationszentren, welche eine Verbindung zu den einzelnen Geoparkstationen herstellen. Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es zwei GeoInformationszentren: das Lahn-Marmor-Museum in Villmar sowie die Kubacher Kristallhöhle.

Ansonsten haltet die Augen auf, wenn ihr in der Region unterwegs seid. Einen Geopunkt erkennt ihr anhand einer rechteckigen Gabione, meist gefüllt mit Steinen, die eine Tafel halten, auf denen ihr näheres zu diesem Punkt erfahrt. So bekommt ihr einen Einblick in die vielfältigen Rohstoffe des Landkreises. Dazu zählen verschiedene Gesteinsarten, Wasser aus dem Boden oder auch Glas. Bei den Gesteinen könnt ihr etwas über Basalt, Lahn-Marmor, Ton, Eisenerz oder Kalk erfahren.  Selterswassermuseum Niederselters

Und dann gibt es noch die GeoRouten, die einzelne Punkten miteinander verbinden, wie hier auf dem Wegweiser die Marmorroute, welche mitten durch Aumenau führt.

Georoute Geopark Westerwald-Lahn-Taunus

Nachfolgend gibt es eine kleine Auswahl an Geopunkten und Geotopen im Landkreis Limburg-Weilburg. Begebt Euch anhand der Punkte im Geopark Westerwald-Lahn-Taunus auf eine geschichtliche Entdeckungsreise.

Geopunkte im Landkreis

Bei den Geopunkten geht es hauptsächlich um die Bodenschätze der Region. Hier findet ihr Museen und Ort der Industriekultur.

1 – Glasmuseum Hadamar

2 – Burg Runkel

3 – Wassermuseum Löhnberg

4 – Bergbau- und Stadtmuseum Weilburg

5 – Burgruine Freienfels

Geotope im Landkreis

Bei den Geotopen handelt es sich um geowissenschaftliche Besonderheiten, die wichtig für die Region sind. Dies können Landschaftsformen, Steinbrüche oder Felsformationen sein.

1 – Unica-Bruch in Villmar

2 – Domfelsen Limburg

3 – St. Lubentius-Basilika Dietkirchen

4 – Erzverladeanlage Ahausen

5 – Ewige Eis in Dornburg

Informationen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus

Dies war nur ein kleiner Blick in den Geopark Westerwald-Lahn-Taunus, mit den Punkten, welche sich im Landkreis Limburg-Weilburg befinden. Da sich der Geopark auch über den Westerwald und den Taunus erstreckt, gibt es über die Grenzen des Landkreises hinaus zahlreiche Orte zu entdecken und etwas über die Region zu erfahren. Sie geben Auskunft über die Erdgeschichte, zeigen auf, was früher die Region prägte und für heute formte. Wenn ihr mehr über den Geopark wissen wollt, besucht gerne die Homepage des Geoparks.

Rosenhang Museum

Rosenhang Museum – Ort für zeitgenössische Kunst

Wer zeitgenössische Kunst kennenlernen möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Rosenhang Museum in Weilburg. Eine ehemalige Brauerei bildet jetzt den Rahmen für vielfältige Kunst. Dabei ist das Gebäude selbst bereits schon Kunst, denn ehemalige Transportbänder oder alte Gemäuer sind Teil des Gesamtarrangements.

Von der Brauerei zum Kunstort

Was heute so schön im Sonnenlicht leuchtet, war über viele Jahre eine Brauerei. Im Jahr 1822 stellte Maria Katharina Helbig, die Urahnin der heutigen Besitzerin Antje Helbig, den Antrag, eine Bierbrauerei zu erbauen. Ihre Söhne übernahmen den Betrieb und zwischen 1848 bis 1860 wurde die Basis für den späteren umfangreichen Grundbesitz der Brauerei gelegt. In dieser ehemaligen Brauerei entstand auf vier Stockwerken ein spezieller Kunstort, der Einblicke in die zeitgenössische Kunst gibt. Dabei wurden alte Elemente der Brauerei restauriert und mit integriert, so dass ein Gesamtkunstwerk entstand, welches immer wieder zum entdecken einlädt. Die Eröffnung des privaten Museums in der ehemaligen Brauerei war 2017.

Rosenhang Museum
Kunst bereits vor dem Museum

Rosenhang Museum zum Entdecken

Insgesamt 2.000 Quadratmeter laden zum Entdecken verschiedener Kunstformen ein – Gemälde, Drucke und Skulpturen warten auf den verschiedenen Ebenen auf den Besucher. Manche Bilder enthüllen erst ihre Geheimnisse, wenn man nahe an sie herangeht wie die Wasserbilder von Christian Awe. Aus der Ferne sehen seine Bilder wie Fotografien aus, doch wenn man näher herantritt, ist zu sehen, dass diese Effekte durch mehrere Farbschichten erzeugt werden. Genau verkehrt ist das Erscheinen bei den Werken von Christoph Lehmpfuhl. In der Ferne sind die Bilder und einzelne Elemente zu erkennen. Steht man dich davor, ist es nicht immer einfach bei diesen dicken Farbklecksen, aus denen die Bilder bestehen.

Rosenhang MuseumChristian Awe
Zwei Kinderfiguren vor den Wasserbildern von Christian Awe
Rosenhang Museum Christoph Lehmpfuhl
Dicke Farbschichten auf den Bildern von Christoph Lehmpfuhl

Bansky Art Lab

Ein besonderer Raum ist das Bansky Art Lab, welches sich dem britischen Streetart-Phänomen von Bansky annähert. Diese Dauerausstellung soll dazu dienen, mit Experten zu ergründen, wer hinter der Kunstfigur Bansky steckt. Dabei gibt es Kunstwerke von ihm zu sehen, aber auch vermeintliche Enttarnungen. Beteiligt Euch mit an dem Rätselraten und erfahrt mehr über die Kunst von Bansky.

Industriekultur trifft Kunst

Alleine das Gebäude ist schon eine Kunst für sich, wenn sich die grauen, modernen Treppenstufen an der verputzten Backsteinwand anschmiegen und der Putz immer wieder einen Blick auf die alten Backsteine ermöglichen. Besonders prägend fand ich die Harmonie zwischen Industriekultur und Kunst in der Kunsthalle, wo sich die Kunstwerke zwischen den alten Transportrollen befinden.

Industriekultur trifft zeitgenössische Kunst

Rosenhang Museum

In diesem Bereich auch sehr faszinierend die Terrakotta-Figuren in der Installation „Himmelsfragen“ von Jiny Lan. Statt in Reih und Glied zu stehen wie die original Terrakotta-Armee zentralchinesischen Mausoleum Qin Shi Huang sind sie hier in einer Diskussionsrunde arrangiert.

Rosenhang Museum Terrakotta Armee

Es ist sehr faszinierend, durch die einzelnen Räume zu gehen und die Vielfalt an zeitgenössischen Kunstwerken zu entdecken.

Informationen

Ahäuser Weg 8-10
35781 Weilburg

Öffnungszeiten

Di bis So 10-18 Uhr und nach Vereinbarung

Eintrittspreise

Erwachsene:          12 Euro
Kinder 6 – 16 Jahre: 6 Euro

Kostenlose Parkplätze vor dem Museum
Barrierefreier Zugang und barrierefreie Bewegung im Haus möglich

Mehr auf der Homepage des Museums

Verbindet den Besuch des Museum mit einem Spaziergang an der Lahn oder verweilt danach noch eine Weile in Weilburg, wo ihr ins Schloss gehen könnt oder ins Bergbaumuseum.

Selters Tonkrüge

Selters – eine faszinierende Geschichte

Nachdem ein Schiffswrack in der Ostsee mit Tonkrügen voller Mineralwasser gefunden wurde, ist das Selterswasser aus der Region wieder in aller Munde. Zu Beginn hieß es, es käme aus Selters in Löhnberg, doch zeitlich haut dies nicht hin, da die Abfüllung in Selters erst viel später begann, als wie der Stempel auf den Tonkrügen es bezeugt. Diese gefunden Tonkrüge wurden eher in Niederselters abgefüllt. Spannend war die Zeit der Industrialisierung von Selterswasser allemal und einen kleinen Blick möchte ich heute darauf werfen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von hessenschau (@hessenschau)

Faszinierende Geschichte

Selters ist das Synonym für kohlensäurehaltiges Mineralwasser und es ist jedem ein Begriff. Bereits im 18. Jahrhundert wurde Selterswasser zum Synonym für dieses Wasser. Und hier im Landkreis Limburg-Weilburg herrschte im 19. Jahrhundert in Sachen Mineralwasser eine richtige Goldgräberstimmung, zahlreiche Gerichtsverfahren beschäftigten sich mit dem Thema und es gab sogar einen Wasserkrieg. Am Ende der Geschichte gibt es noch einen großen Betrieb in Löhnberg, welcher Selters in den blauen Flaschen abfüllt, einen Mineralbrunnenbetrieb in Bad Camberg- Oberselters und ein historisch wunderschönes ehemaliges Brunnengebäude in Niederselters.

Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit war mineralisches Wasser aus dem Boden aufgrund seines Geschmackes, seines Gasgehaltes und der Temperatur beliebt bei den Menschen. Zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert entstehen viele Ortschaften, die einen Bezug zu Mineralquellen haben und dies in ihrem Namen tragen. Am bekanntesten ist der Ortsname „Saltrissa“/ „Selters“. Der Ursprung ist alemannisch und steht für Orte, wo stark mineralisiertes Mineralwasser aus der Erde sprudelte. Alleine in Hessen gibt es fünf Orte und Wüstungen sowie ein weiterer im rheinland-pfälzischen Westerwald. 1581 erscheint ein medizinisches Werk zur Wasserheilkunde, wo der Arzt Jakob Theodor „Tabernaemontanus“ dem Selterswasser (aus Niederselters) wahre Wunderkräfte zuschrieb. Bereits um 1570 herum begann der organisierte Vertrieb von Mineralwasser, Vorreiter war der belgische Mineralbrunnen von Spa, Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich Mineralwasser als Handelsware in Europa etabliert.

Mineralwasserabfüllung Niederselters

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Niederselterser Sauerbrunnen zum unangefochtenen Marktführer, auch aufgrund des Buches zur Wasserheilkunde. Dabei ist der Brunnen viel älter, die Ersterwähnung war 1536. Im 18. Jahrhundert wurde „Selterswasser“ zum Synonym für Mineralwasser schlechthin und fand Eingang in alle europäischen Sprachen. Allerdings blieb es ein Luxusgut, denn mit der zunehmenden Entfernung im Transport stiegen die Kosten. Das hinderte aber niemanden daran, Selters in Europa und bis nach Amerika zu transportieren. Mit dem Bau der Eisenbahn ab 1833 verzeichnete die Mineralwasserindustrie gewaltige Absatzsteigerungen und auch abgelegene Quellen wurden für Unternehmen und Investoren interessant. Vor diesem Hintergrund vollzogen die Mineralbrunnenbetriebe die Entwicklung von der kleingewerblichen Produktion hin zum modernen Industrieunternehmen. Der Brunnen in Niederselters ist heute nicht mehr im Betrieb, doch das Selterswassermuseum gibt Einblicke in die über 500 Jahre alte Geschichte.

Seltersmuseum Niederselters
Brunnengebäude in Niederselters

1909 erschien das Handbuch der Mineralwässer Mitteleuropas. Es führte 125 eigenständige deutsche Heil- und Mineralbrunnenbetriebe mit Versandbetrieb und zum Teil mit mehreren Marken auf. Wo es ergiebige Mineralwasservorkommen gab, entstanden um die Jahrhundertwende oft Häufungen von Brunnenbetrieben auf engster Fläche- es herrschte Goldgräberstimmung – solch ein „Hotspot“ entstand auch in Löhnberg. Mehrere Bohrungen und Firmen konkurrierten miteinander, die meisten verschwanden recht bald wieder und andere entwickelten sich zum absatzstärksten Mineralbrunnenbetrieb.

Mineralwasser aus Löhnberg

Der älteste Brunnen in Löhnberg ist der Sauerborn, heute nach der Sanierung ein wunderbare Brunnen am Ortseingang direkt am Lahnradweg. Dieser befand sich immer im Gemeindebesitz und es kam nie zu einer industriellen Erschließung. Er diente vielmehr der Versorgung der heimischen Bevölkerung.

In das Becken sprudelt das kühlende Nass

Auch in Obershausen fanden sich Sauerborne, die eine enge Verbindung zum Jagdschloss Johannisburg haben. Professoren aus Herborn kamen mit ihren Studenten nach Obershausen und lobten das Mineralwasser, es war sogar mal ein Kurbad geplant, weil eine Eisenbahnlinie dort langführen sollte. Doch die Eisenbahn kam nicht und so kamen diese Bemühungen auch zum Erliegen. Durch den Erfolg von Selters Mineralwasser war zudem kein Platz für Obershäuser Mineralwasser. 1925 kaufte Selters-Sprudel Augusta Viktoria das Obershäuser Mineralquellengebiet, aber nicht, um es zu erschließen, sondern um die Konkurrenz zu verhindern.

Kommen wir also zur Geschichte in Selters. 1887 wurde der erste Brunnen von Freidrich Wilhelm Neu, Großgrundbesitzer und späterer Bürgermeister von Selters sowie Wilhelm Schütz gebohrt und 1890 begann die Abfüllung. Eine Analyse bescheinigte dem Wasser eine gute Zusammensetzung. Die Bohrungen führte der Unternehmer Wilhelm Wildenhayn durch und aufgrund der positiven Nachrichten erbohrte er einen Konkurrenzbrunnen, welcher Selters-Sprudel Augusta-Victoria genannt wurde und auf den das heutige übriggebliebene Unternehmen zurückgeht.

Doch bleiben wir einen Moment noch bei dem ersten Brunnen. Mit einem Kran wurde das Wasser aus dem Boden geholt und in Tonkrüge abgefüllt. Das große Ziel von Neu und Schütz war es, den Brunnen gewinnbringend zu verkaufen, was ihnen auch gelang. Im  November 1890 verkauften sie den Brunnen an die Wiener Firma Samuel Ungar & Co, welcher das Mineralwassers aus Selters an der Lahn im gesamten Staatsgebiet der Donaumonarchie vertrieb und den Namen „Original-Selters-Brunnen“ kreiierte.

Konflikte um Selters

Mit Übernahme des Brunnens durch Ungar begann ein Konflikt mit Fresenius, weil mit Ungar mit dem dem vorläufigen Gutachten ohne Rücksprache für das Mineralwasser warb. Ungar warb damit, dass die Quelle seit Jahrhunderten berühmt sei, zu den hervorragendsten Quellen im Nassauer Land gehöre und dieselben Bestandteile habe, wie andere Brunnen sowie einen erheblichen Kochsalzgehalt. Dem widersprach Fresenius und forderte eine Rücknahme der Falschaussagen. Dazu muss man sagen, dass Fresenius mit im Brunnen in Niederselters eingebunden war, beide Brunnen den gleichen Absatzmarkt besaßen und dadurch in Konkurrenz zueinander standen. Ungar setzte auf massive Werbung, sein Selters sei das Original und alles andere nur eine Kopie. Er hatte mit seiner Werbung Erfolg und die Nachfrage stieg. Um diese zu befriedigen, wurde gebaut.

Die nächsten Streitigkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Zwischen 1894 und 1897 gab es Streitigkeiten zwischen Siemens ( Brunnen in Niederselters) und Ungar (Brunnen in Selters), wer das Original Selters abfüllt. Dies versuchten beide in mehreren  Gerichtsverhandlungen zu klären. Am Ende einigten sich beide aus geschäftlichen Interesse und Original-Selters wurde in Natürliches Selters  umbenannt. Ungar kümmerte sich um den Vertrieb, Siemens um die Produktion. Ungar übernahm auch den Vertrieb des Wassers aus Fachingen. Siemens stellte die Abfüllung von Tonkrügen aus dem Kannebäcker Land auf Glasflaschen um. Es gab immer wieder juristische Versuche, anderen Mineralwasser-Unternehmungen den Hahn abzudrehen und auch Versuche, die Nutzung des Begriffes Selters zu verbieten, jedoch ist der Begriff Selters nicht schutzfähig. 

Das Unternehmen bot das „Natürliche Selters“ als günstiges Mineralwasser an, ein Mineralwasser mit „fabelhaften Billigkeit“, während das Wasser aus Fachingen das Heilwasser mit Weltruf war. Diese neue Ausrichtung ging sehr zu Lasten vom Standort in Niederselters. 1902 erhielt das Wasser aus Selters an der Lahn den Namen „Selters“, welcher eigentlich als Alleinstellungsmerkmal für das Wasser aus Niederselters vorgesehen war. 1912 war mit diesem Brunnen in Selters Schluss und das Brunnenhaus diente nur noch als Wohnhaus. 1951 wurde das Unternehmen an Augusta-Victoria verkauft und 1984 der Betrieb vollständig eingestellt.

Kleine Hügel zeugen von den Mineralwasserbrunnen

Geschichte des heutigen Selters

Ich habe schon erwähnt, dass Wilhelm Weidenhayn einen Konkurrenzbrunnen bohrte und diesen Selters-Sprudel Augusta-Victoria benannte. Dies war der Beginn des heutigen Mineralwasserunternehmens. Die Bohrung war damals ein Erlebnis, denn eine vier Meter hohe Fontaine zeigte den Erfolg. Es begann ein richtiger Brunnentourismus. Im Mai 1897 gründeten mehrere Gesellschafter die  „Selterser-Sprudel-Augusta-Victoria Selters an der Lahn Gmbh“ und 1898 begann die Produktion. Für einen besseren Transport über die Lahn und Anschluss an die Infrastruktur gab es schnell Überlegungen, die Produktion auf die andere Lahnseite zu verlegen. Als eigentliches Gründungsjahr feiert das Unternehmen heute das Jahr 1902. Die stetige Nachfrage und der steigende Absatz führten 1905 zu einer Betriebserweiterung am heutigen Standort.

Parallel zu dieser Erfolgsgeschichte fanden weitere Brunnenbohrungen statt, die im Laufe der Zeit alle von Selters-Sprudel Augusta-Victoria aufgekauft wurden. 1896 erbohrte ein Unternehmer die Friedrichsquelle auf der anderen Lahnseite, die jahrelang als Neue Selterser Mineralquelle vertrieben wurde. Heute gehört sie auch zu Augusta-Victoria.

Selters Tonkrüge
Selters – weltweit bekannt

 

Quelle 

Buch „Wie alles begann. Löhnberger, Obershäuser und Selterser Mineralwasser“ von Frank Schmidt

Einweihung zu 50 Jahre Landkreis Limburg-Weilburg - die "Goldene Mitte" in Arfurt - ein Fenster mit Holzrahmen inmitten der Natur

50 Jahre Limburg-Weilburg – „Goldene Mitte“ in Arfurt

Der Landkreis Limburg-Weilburg feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen mit zahlreichen Aktionen. Ein sichtbarer Punkt für das Jubiläum ist die „Goldene Mitte“ des Landkreises, die zum Entdecken einlädt.

Himmelsfenster in der „Goldenen Mitte“

Der geografische Mittelpunkt des Landkreises Limburg-Weilburg liegt in Runkel-Arfurt. Dies bestimmten 2023 zwei Azubis des Amtes für Bodenmanagement Limburg. Mit drei verschiedenen geodätischen Verfahren nahmen sich die angehenden Geomatiker der Aufgabe an und landete bei allen drei Bestimmungsmethoden in Arfurt. Diese drei Punkte hatten nur geringe Abweichungen zueinander. Am Ende entschied man sich für den Punkt direkt am Lahnwanderweg, da dieser am besten liege. Dieser Mittelpunkt des Landkreises auf Höhe des Steimelskopfes steht für den Zusammenschluss der beiden Landkreise Limburg und Oberlahn vor 50 Jahren.

Auf dem Bild seht ihr den hölzernen Rahmen der "Goldenen Mitte" sowie das Hinweisschild für den Lahntalwanderweg
Die „Goldene Mitte“ direkt am Lahnwanderweg gelegen

Das Himmelsfenster haben Schüler der Friedrich-Dessauer-Schule entworfen und umgesetzt. Auf dem Lahnwanderweg unterwegs kommt ihr direkt am Himmelsfenster vorbei und könnt einen Blick ins Lahntal genießen.

Hessische Gebietsreform

Ab 1969 fand in Hessen in mehreren Phasen die Gebietsreform statt. Ziel war es, größere Verwaltungseinheiten durch das Zusammenlegen einzelner Gemeinden sowie einzelner Kreise zu schaffen. Aus damals 2642 Gemeinden, 39 Landkreise und 9 kreisfreie Städte wurden 421 Gemeinden, 21 Landkreise sowie fünf kreisfreie Städte. Auch in den beiden Altkreisen Limburg und Oberlahn gab es zahlreiche Gemeinden, die zu neuen Verwaltungseinheiten zusammengeschlossen wurden. Heute besteht der Landkreis Limburg-Weilburg aus fünf Städten und 14 Gemeinden. 

Doch ein Blick zurück zeigt, dass es sich hierbei nicht um eine Liebesheirat handelte und sich manch einer der damaligen Akteure gerne ein anderes Ergebnis der Gebietsreform erwünscht hatte. Der größere Altkreis Limburg war CDU-dominiert, der kleinere Oberlahnkreis war SPD-dominiert. Und auch wenn CDU und SPD seit vielen Jahren eine GroKo im Kreistag bilden, war damals ein gutes Miteinander nicht wirklich gegeben. Der Oberlahnkreis tendierte eher dahin, mit Usingen einen neuen Landkreis zu bilden oder sich zu teilen, so dass Weilburg, Löhnberg und Weilmünster mit Wetzlar einen neuen Landkreis bilden.

Bist weit ins Jahr 1973 gingen die Streitigkeiten, in denen sich die CDU aus dem Altkreis Limburg und die SPD aus dem Altkreis Oberlahn regelmäßig vorwarfen, einen gemeinsamen Landkreis nicht zu wollen und daher zu torpedieren. Teilweise agierten verschiedene Strömungen gegeneinander. Im April 1973 hatte sich dann der Kreistag Oberlahn für einen Zusammenschluss mit Limburg ausgesprochen, obwohl es immer noch Agierende gab, die in eine andere Richtung tendierten. Bis Juni 1973 gab es noch immer keinen Vertragsabschluss zwischen den beiden Altkreisen und man warf sich gegenseitiges Hinauszögern vor.

Zwangsehe statt Liebesheirat

Im Juni 1973 haben dann beide Haupt- und Finanzausschüsse der Altkreise Limburg und Oberlahn den Gebietsänderungsvertrag gebilligt und als Name für den neuen Kreis Limburg-Weilburg empfohlen. Die Gremien in Weilmünster haben noch dagegen votiert, da sie stärkere Verflechtungen nach Wetzlar hätten. Da jedoch niemand eine Teilung des Oberlahnkreises wollte, wurde die Fusion weiter vorangetrieben. Am 18.06.1973 stimmte dann der Kreistag Oberlahn der Fusion zu unter Einhaltung folgender Eckpunkte: in Weilburg soll es eine bürgernahe Verwaltungsnebenstelle geben. Die in beiden Kreisen eingeleitete Schulentwicklung soll fortgeführt werden. Die Investitionspläne zur strukturellen Förderung soll fortgeführt werden. Man ging diese „Vernunftehe aus Zwang“ ein, weil der Vertrag Weilburg eine gewisse Mittelpunktfunktion zubilligte. Es sei keine „Liebesehe, sondern eine Vernunftehe“, so der damalige Kreistagsvorsitzende Kurt Leuninger.

Nachdem man sich einig war, gab es nochmal Streitigkeiten um die Schnelligkeit einer Fusion. Während die einen auf eine schnelle Fusion drängten, bremsten andere aus. Vor allem die FDP wollte eher die Geschwindigkeit rausnehmen, denn „schnell geschlossene Ehen seien nicht von Vorteil und gingen oft schief.“ (Nassauische Landeszeitung August 1973)

Auch die Namensgebung stand noch im Raum, denn das Land Hessen wollten eigentlich keine Doppelnamen für neu entstandene Landkreise, sondern lieber neue Namen, die einfach seien oder landschaftsbezogen. Doch durch Petitionen und erhebliche Widerstände von den Bürgern stimmte die Landesregierung zu, den Wunsch der Bürger zu respektieren. Am 19. und 20. September 1973 brachte die Landesregierung die Gesetzesentwürfe zur Neugliederung mehrerer Landkreise ein, unter anderem auch zur Neugliederung der Kreise Limburg und Oberlahn. Am 29. September 1973 fiel die Entscheidung, das die Kreishochzeiten in Hessen im Sommer 1974 vollzogen werden.

Seit 50 Jahre Landkreis Limburg-Weilburg
Landkreis Limburg-Weilburg – Wikipedia

Im Zuge der Gebietsreform schied die Gemeinde Hasselbach aus dem Altkreis Limburg aus und schloss sich dem zukünftigen Hochtaunuskreis an. Die Gemeinden Philippstein und Altenkirchen aus dem ehemaligen Oberlahnkreis gehören heute dem Lahn-Dill-Kreis an.

50 Jahre Limburg-Weilburg

Im Jahr 2024 feiern wir mit zahlreichen Veranstaltungen 50 Jahre Landkreis Limburg-Weilburg. Zum einen wurde der Mittelpunkt des Landkreises eingeweiht. Weiterhin finden auch Veranstaltungen kultureller Art statt, für Familien, Kinder und Jugendliche. Doch sind wir nach 50 Jahren auch ein Landkreis? Diese Frage ist schwierig zu beantworten.

Der Landkreis Limburg-Weilburg ist sehr vielfältig. Wie ein blaues Band fließt die Lahn durch den Landkreis, aber nicht alle Kommunen können sich mit der Lahn identifizieren. Ein Teil des Landkreises gehört zum Westerwald, ein Teil zum Taunus. Das macht es nicht immer leicht, eine gemeinsame Identifikation zu finden. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Da ist noch ein wenig Luft nach oben, aber dieses Jubiläumsjahr ist ein Anfang. Und auch mit diesem Blog möchte ich zeigen, dass ein Landkreis alleine viele schöne Dinge bereit hält, so dass man vieles vor Ort erleben kann, bevor man in die Ferne schweift.

Auf dem Bild seht ihr einen Wegweiser zum Lahnwanderweg
Der Lahnwanderweg führt durch die Mitte des Landkreises

Quellen:

Zeitungsartikel der Nassauischen Landeszeitung und des Weilburger Tageblattes (vielen Dank an Kurt Leuninger, Löhnberg, in dessen Archiv ich stöbern durfte)

Broschüre 50 Jahre Gebietsreform in Hessen

Kreisjahrbuch 2024 – Artikel von Bernd Volz zur Bestimmung des Mittelpunktes des Landkreises

 

Wassermuseum Löhnberg

Wassermuseum Löhnberg – Rund ums Thema Wasser

Das Wassermuseum Löhnberg ist ein wahres Kleinod im Landkreis Limburg-Weilburg. In dem kleinen Gebäude gibt es einiges zum Thema Wasser in Löhnberg zu erfahren von Fossilien über die Natur an Lahn und Kallenbach bis hin zur Industrialisierung von Mineralwasser.

Lebenselixier Wasser

Wasser ist vielfältig und lebenswichtig. 70 Prozent der Erde besteht aus Wasser, das bedeutet, 2/3 der Erde sind mit Wasser bedeckt. Auch der Mensch besteht zu 70 Prozent aus Wasser. und Es ist gewaltig und formt Landschaften sowie Lebensräume. Und Mineralwasser aus dem Boden ist ein natürliches Lebensmittel, aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Vorkommen. Diese Vielfalt des Wassers ist faszinierend und in Verbindung mit Wasser lassen sich zahlreiche Geschichten erzählen. So auch in Löhnberg mit zahlreichen Quellen, mit dem berühmten Selters-Wasser, aber auch mit dem Wasser als ehemaliger und aktueller Lebensraum. Diesen zahlreichen Spuren nähert sich das Wassermuseum in einer kleinen, aber feinen Ausstellung an. Es beschäftigt sich mit der Vergangenheit und mit der Gegenwart und im Mittelpunkt steht immer das Wasser.

Einzigartige Fossilienfunde

Reist zurück in die Vergangenheit und erlebt Millionen von Jahren Geschichte. Im Devon vor rund 393 Millionen Jahren befand sich Löhnberg und das Löhnberger Becken auf Höhe des Äquators mitten im devonischen Meer. Erst durch die Plattenverschiebungen über die vielen Millionen Jahre gelangte es an den heutigen geografischen Punkt. 2014 wurde ein Fossilienfeld zwischen Niedershausen und Obershausen „Auf der Mahrheck“ entdeckt. Es handelt sich um ein einmaliges Fossilienfeld, welches reich an Fossilien ist. Vor allem die zahlreichen Trilobitenarten, darunter einige, die bis dato nicht beschrieben waren, machen das Feld zu einer Besonderheit.

Auf dem Bild ist ein Trilobiten-Fossil zu sehen

Eine weitere Besonderheit ist der einzige, vollständige Fossilienfund eines Nautilus subtuberculatus (heutige Perlboote) außerhalb von Tschechien. Es ist ein ungewöhnliches Exemplar mit einem Gehäuse, welches mit Stacheln besetzt ist.

Auf dem Bild seht ihr die 3D Darstellung eines Nautilus subtuberculatus
So könnte der Nautilus subtuberculatus ausgesehen haben

Die verschiedenen Fossilienfunde sind im Wassermuseum ausgestellt, einige Tierarten wurden in 3D rekonstruiert und ein Diorama gibt einen Einblick in den Löhnberger Meeresboden in Zeiten des Devons. An einem Touchscreen könnt ihr die plattentektonischen Verschiebungen von damals bis heute nachvollziehen und könnt die Anatomie der Trilobiten entdecken.

Selters-Geschichte

Nicht jeder kennt Löhnberg, aber viele kennen das Mineralwasser, welches in Löhnberg abgefüllt wird. Selters in der blauen Flasche ist vielen ein Begriff. Neben alten Tonkrügen, in denen früher das Wasser abgefüllt wurde, gibt es an einem Touchscreen Einblicke in die ehemaligen Brunnengebäude. Die Architekten Ritz & Losacker visualisierten anhand alter Baupläne und Postkarten die ehemaligen Brunnengebäude in 3D und geben somit einen einmaligen Blick in die Geschichte.

Mehr zur Geschichte der Industrialisierung der Mineralwasserabfüllung erfahrt ihr im Buch „Wie alles begann“ von Dr. Frank Schmidt.

Lebensraum am Wasser

Und am Ende nicht zu vergessen, ist Wasser auch ein Lebensraum. Mit Lahn und Kallenbach fließen zwei Flüsse durch die Gemeinde und laden zu zahlreichen Beobachtungen ein. Eisvogel, Schwarzer Storch oder auch die Wasseramsel – wer sich auf die Suche begibt, kann zahlreiche Tiere im und am Wasser entdecken.

Zudem ist in Löhnberg eine Einstiegstelle, um eine Paddeltour durchs romantische Lahntal zu starten.

Seit 2015 befindet sich das Wassermuseum auf dem Areal des Mehrgenerationenhauses in Löhnberg. Es wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität Gießen konzipiert und realisiert. Seit 2017 ist es zudem Geopunkt des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus. Besucht das Wassermuseum Löhnberg und lasst euch von der faszinierenden Welt des Wassers verzaubern. Taucht ein in die Geschichte, erkundet die Natur und entdeckt die Schönheit der Region.

Öffnungszeiten

Das Wassermuseum befindet sich neben dem Mehrgenerationenhaus, Am Berg 3a, 35792 Löhnberg.

Nach Anmeldung ist eine Besichtigung möglich. Anmeldung unter
06471 6290299 oder 06471 9866-11 oder unter info@loehnberg.de

Eine Besichtigung ist Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 15 Uhr sowie Donnerstag von 10 bis 17 Uhr möglich.

Wassermuseum Löhnberg

Wenn ihr in Löhnberg seid, kann ich euch empfehlen, am Sauerborn „perlendes“ Wasser zu probieren. Eine interessante Erfahrung. Schaut gerne bei Outdooractive vorbei und verbindet einen Besuch des Wassermuseums mit einer Wanderung rund um die Gemeinde.

Auf den Spuren vom Schinderhannes

Auf den regionalen Spuren vom Schinderhannes

Wer im Landkreis Limburg-Weilburg unterwegs ist, begegnet an verschiedenen Orten Schinderhannes. Doch wer war Schinderhannes und wo lassen sich Spuren von ihm finden? Wir begeben uns auf eine kleine Spurensuche.

Wer war Schinderhannes?

Johannes Bückler (wahrscheinlich 1779-1803), genannt Schinderhannes, war ein deutscher Räuber. Mindestens 211 Straftaten von Raub über Erpressung bis hin zu Mord konnten ihm nachgewiesen werden. Den Namen Schinderhannes erhielt er in seiner Lehrzeit. Er war Lehrjunge bei zwei Abdeckern, welche auch Schinder genannt werden. Da erhielt er seinen Spitznamen.

Er war vor allem im Hunsrück und Taunus aktiv. Er schloss sich immer wieder anderen Spießgesellen an, seine Begleiter wechselten, so dass er keine feste Bande hatte. Für den Landkreis Limburg-Weilburg gibt es fünf bekannte Stationen. Am 10.Januar 1801 überfiel er mit seiner Bande in Würges bei Bad Camberg die Posthalterei. Am 31. Mai 1802 wurde zwischen Wolfenhausen (Weilmünster) und Haintchen(Selters/ Taunus) im Taunus festgenommen. Zuerst ging es nach Runkel und von dort nach Limburg in das Haus, Rütsche 5, wo sich ein Rekrutierungsbüro befand. Bei der Festnahme war lange nicht bekannt, wenn man dort inhaftiert hatte. Johannes Bückler, der wohl sein Räuberleben satt hatte, versprach umfassende Auskunft über sein Räuberleben, wenn er nur nicht an die französischen Behörden ausgeliefert werde. Von Limburg aus kam er nach Frankfurt/Main, wo er in einem Prozess zum Tode verurteilt wurde.

Um seine Figur herum begann eine Legendenbildung, er wurde auch als „Robin Hood des Hunsrück“ tituliert, doch er war nur ein Krimineller, der seine eigenen Interessen verfolgte.

Schinderhannespfad

Der Schinderhannespfad im Taunus ist rund 181 Kilometer langer Fernwanderweg und führt auch durch den Landkreis Limburg-Weilburg. Über das Weiltal führt der Weg nach Weilburg und dort am Tierpark und der Kubacher Kristallhöhle vorbei bis nach Villmar an die Lahn. Taunus und Lahntal können auf diesem schönen Weg entdeckt werden. Eine Räubersymbol auf weißem Untergrund weist den Weg. Es geht mitten durch die Natur und ist ein sehr schöner Weg zum Wandern.

Auf den Spuren vom Schinderhannes

Auf den Spuren vom Schinderhannes

Mehr zum Schinderhannespfad findet ihr auf der Seite vom Naturpark Taunus.

Aufenthalt in Limburg

Nach seiner Festnahme bei Wolfenhausen wurde Johannes Bückler in Limburg, im Haus Rütsche 5, inhaftiert. Heute ist das Fachwerkhaus aus dem 13. Jahrhundert als Werner-Senger-Haus bekannt. Wie es zu diesem Namen kam, ist jedoch unbekannt. Es war ein Wohnhaus reicher Kaufleute. Bekanntheit erlangt das Haus durch die Inhaftierung des Räubers. Zu dieser Zeit war die Rekrutierungsstätte der Kaiserlichen Armee in dem Haus untergebracht, welche auch Straftäter und Deserteure in Gewahrsam nahm. Von dort aus kam Schinderhannes nach Frankfurt/ Main.

Auf den Spuren vom Schinderhannes
Werner-Senger-Haus, Rütsche 5

Am Werner-Senger-Haus findet ihr den Einstieg zur Hörmal-Tour, eine digitale Stadtführung in Limburg.